Kriegsjournalisten müssen meist mit dem Vorwurf leben, dass sie durch das Elend anderer Menschen ihr Geld verdienen. Das sie immer nach den besten Bildern suchen, um die größte Kohle, bei den lüsternen Medien, abzustauben. Und bei einigen mag dieser Vorwurf auch berechtigt sein. Doch das sich gute Arbeit nicht aus dem Geld abzeichnet welches man verdient, sondern an vielen anderen, wesentlich wichtigeren Details erkennbar ist, dass zeigt uns der Schweizer Christian Frei mit seinem zurecht Oscar-Nominierten Dokumentarfilm über den wohl beeindruckendsten und menschlichsten "War Photographer" aller Zeiten: James Nachtwey!
Christian Frei zeigt uns in seinem unkommentierten Film einen Mann, der in den Krisengebieten der Welt sein trauriges Zu Hause gefunden hat. Er begleitet Nachtwey in den Kosovo, nach Jakarta, Ramallah und nach Kawah Ijen. Er zeigt uns seine Arbeit, seinen Mut und seine unglaubliche Anteilnahme am Geschehen.
Nachtwey behauptet, dass er die Fotos nicht des Geldes wegen macht, sondern weil er die Menschheit außerhalb solcher Krisengebiete zum Hingucken auffordern will, um dem Menschen das Elend der Welt zu zeigen, um alle auf eine Welt hinzuweisen die aus den Fugen geraten ist. Und man glaubt es ihm, man glaubt es ihm wirklich. Denn er rennt nicht weg, wenn um ihn herum geschossen wird. Er fotografiert nicht das Elend, um es danach hilflos links liegen zu lassen. Er macht keine großen Berichte, wenn er bei seinen Freunden in New York ist. Ja ihm ist sogar diese Reportage eher unangenehm.
Nachtwey fotografiert einfach nur. Und das mit einer Menschlichkeit die selbst die meisten von uns nicht besitzen dürften.
Frei bringt die Geschichte und das Leben dieses Menschens dem Zuschauer optimal und 100% glaubwürdig rüber. Er interviewt Freunde Nachtwey, er zeigt uns die Arbeit der Stern-Redaktion mit den Bildern, er ist bei der Eröffnung einer Foto-Ausstellung in New York dabei, ja er zeigt einfach alles was Nachtwey wichtig ist und was dem Zuschauer interessieren dürfte. Dazwischen gibt es viele Foto-Collagen mit den beeindruckenden Werken Nachtweys, die in einen selbst unglaubliche Emotionen hochkommen lassen. Wut und Trauer überkommen einem beim Anschauen dieses Films nicht nur einmal. Und dadurch das Frei den Film vollkommen unkommentiert lässt und ihn allein durch die Kraft seiner Bilder zur Geltung kommen lässt, wirkt der Film auch niemals reißerisch oder ähnliches. So sollten eigentlich alle Dokumentarfilme sein.
Fazit: Packendes, absolut glaubwürdiges und mit 100% wahren Bildern abgefilmtes Dokumentations-Meisterstück, eines jungen Ausnahme-Regietalent, über einen der beeindruckendsten Menschen der heutigen Zeit. Ein wahrhaft ehrliches Filmstück über einen wahrhaft ehrlichen Menschen, der mit seinen Bildern bereits Millionen Menschen bewegte und seine Mission "Beim Elend dieser Welt nicht weggucken, sondern handeln" mit jeder Filmminute ein Stückchen mehr Intensität verleiht. Ein wichtiges Filmdokument das niemand verpassen sollte!
Wertung: 9/10