"Malizia" ist eine innovative Erotikkomödie aus dem Jahre 1973, die sich in einigen Punkten von ihren Genrevertretern unterscheidet. Das Werk kombiniert Situationskomik und heikle Erotik mit einzelnen Elementen eines Psychodramas und kann sich somit in den Rang eines wahrhaften Skandalfilms erheben. Die Tatsache, dass man sich mit Nuditäten sehr zurückhaltend zeigte, spielt in diesem Kontext keine tragende Rolle, da jede einzelne Nacktszene ritualisiert wird und dadurch angemessener und ästhetischer erscheint. Um es genauer auszudrücken, entfaltet sich die erotische Wirkung des Films eher durch die illiziten Blicke der Protagonisten und den damit verbundenen Kameraeinstellungen.
Die Story? Die Verhältnisse innerhalb einer reichen Familie aus Sizilien stehen im Vordergrund von "Malizia". Anfangs sehen wir das Begräbnis der Mutter, sodass der Vater (Don Ignazio) und die drei Söhne ohne weibliches Haushaltsmitglied übrig bleiben. Ein "Ersatz" ist jedoch sehr schnell gefunden, denn das neue Hausmädchen Angela lässt sich durchaus als perfekt beschreiben. Don Ignazio verliebt sich sehr bald in die neue Bedienstete und gedenkt auch sie zu heiraten. Er weiß jedoch nicht, dass er in der eigenen Familie einen Nebenbuhler besitzt: Sein 15jähriger Sohn Nino hat seine Augen bereits auf die junge Angela geworfen und sieht sie als eine willkommene Gelegenheit an, seine ersten sexuellen Erfahrungen zu sammeln. Nino benutzt erpresserische Mittel, um Angela zu herabwürdigenden Taten zu zwingen. Erstaunlicherweise scheint die junge Frau nicht immer abgeneigt zu sein. Ein sexuelles Verhältnis mit der zukünftigen Stiefmutter?
Bereits die Story lässt den inhärenten Zündstoff dieses Films vermuten, der erfreulicherweise niemals die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschreitet, sondern es tatsächlich vermag aus diesen Ausgangspunkten pikante Erotik zu kreieren. Es entsteht jedoch auch ein gewisses Gefühl der Unbehaglichkeit, wenn Nino Angela, während einer Familienzusammenkunft zwischen die Beine greift und sie daraufhin ihren Schlüpfer auf den Boden gleiten lässt.
Diese Beobachtung führt uns zu einem weiteren Punkt, der mir wichtig erscheint. Der Film führt uns den jungen Nino als Hauptprotagonist vor Augen, obwohl er eindeutig einen dominanten und zum Teil verachtungswürdigen Charakter besitzt. Generell bleiben die wahren Beweggründe des Jungen diffus. Ist er nur ein hormongesteuerter Teenager oder offenbart er eine dunkle Seite? Auf diese Frage gibt der Film keine eindeutige Antwort, sondern verweilt im Rahmen leichter Andeutungen. Letztendlich entsteht für eine Erotikkomödie somit ein außergewöhnliches Rollenmuster, das man zu schätzen wissen sollte. Die sympathischste Figur ist für den Zuschauer eindeutig das Hausmädchen Angela, obwohl man oftmals in Fassungslosigkeit zurückgelassen wird, aufgrund ihrer Schwäche sich gegen die Willkür Ninos zu Wehr zu setzen.
Über die technische Realisation von "Malizia" lassen sich ebenfalls nur positive Worte finden. Selten habe ich in einer Erotikkomödie einen passenderen Score gehört, der die visuelle Ebene perfekt unterstreicht. Das Finale überzeugt sogar mit einer leicht klaustrophobischen Atmosphäre innerhalb der dunklen Räumlichkeiten der Familie, die nur durch eine Taschenlampe erhellt werden. Wie bereits erwähnt, besteht ein großer Teil der erotischen Momente aus den illiziten Blicken der Protagonisten unter die Röcke der schönen Damen, was an dieser Stelle nicht als Schwäche interpretiert werden darf, da ein expliziterer Charakter dem Film nicht gut getan hätte. Somit entsteht nach der Sichtung der Eindruck eines tabubrechenden Films trotz der Zurückhaltung.
Ich kann "Malizia" jedem Freund von Erotikkomödien empfehlen, da man es mit einem Film zu tun hat, der eingefahrene Muster bricht. Aufgrund der Thematik lässt sich durchaus von einem Skandalfilm sprechen, der jedoch nicht auf plumpe Provokation, sondern auf gekonnte Inszenierung setzt.
8,5 Punkte
P.S. Laura Antonelli sieht göttlich aus!