Einmal Hölle & zurück
Dieser Film ist schon ein kleines Martyrium. Er macht absolut keinen Spaß, ist trotzdem ein Monster von einem Film - wichtig, brutal & vor allem eines: wunderschön!
Egal ob Schauspielleistungen, Schnitt oder die Aufnahmen, das war teilweise atemberaubend schön & ein Genuss auf der großen Leinwand. Und durch all diese Faktoren auch sicher zu Recht bester Film bei den Oscars letztes Jahr, auch wenn die Jury hier sicher auch die Chance gesehen & genutzt hat ihrem unmodernen, oft weiß-klassischen Ruf etwas entgegen zu setzen.
12 Years a Slave erzählt die auf einer wahren Begebenheit bzw. dem Buch des Hauptcharakters basierende Geschichte eines Sklaven, der aus dem Norden der USA entführt wird, weg von gesittetem, respektiertem Leben mit seiner kleinen Familie, hin in den Süden voller Gewalt, Sklaverei, Blut, Schweiß & Tränen...
Aber was bringt ein engelshübscher Film, der einen nicht fesselt, ohne guter Geschichte oder gar Herz? Und gerade diese Aspekte werden oft kritisiert wenn der Film besprochen wird. Mir fehlte jedoch nichts von alledem - der Film hat mich von der ersten bis zur letzen Minute gefesselt, es gibt kaum etwas auszusetzen (außer vielleicht der etwas komisch & messias, er zeigt Brutalität nie zum Selbstzweck, zeigt Dinge die gezeigt werden müssen, sagt Dinge die gesagt werden müssen. Teilweise war ich schockiert, innerlich am Zittern, wie selten zuvor. Die rohe Gewalt erinnerte mich teilweise an den französischen Horrorfilm Martyrs, auch wenn beide Werke kaum vergleichbar sind.
12 Years a Slave beweist einmal mehr was für ein eindringlicher, kompromissloser Filmemacher Alexander McQueen ist, was nach Hunger & Shame aber auch keine wirkliche Überraschung war. Trotzdem empfinde ich diesen Oscarabräumer als seinen stärksten Film. Auch wenn es ein Film ist, ähnlich wie Schindlers Liste, den ich mir jetzt nicht immer wieder angucken werde in meinem Leben. Alle 10 Jahre aber vielleicht doch - überwältigender & stärker als jedes Geschichtsseminar über die Sklaverei & der beste Film über das Thema mit Sicherheit.Fazit: ein Epos von einem Höllenritt in den Süden der USA, der teilweise wirkt wie eine wunderschön gezeichnete aber zugleich höllische Parallelwelt voller rassistischer Teufel... aber so war es halt leider.