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"Wer - Das Biest in Dir" (Südafrika-USA 2013, Regie/Drehbuch: William Brent Bell) ist in jeder Hinsicht anders als die übrigen Werwolffilme. Jedes Detail wird realistisch behandelt, d.h. hier geht es nicht darum die Klischees zu erfüllen, sondern alles so glaubhaft und echt zu zeigen, daß es wirklich real sein könnte.
Während Werwölfe in anderen Werken immer irgendwo Filmmonster sind, bietet "Wer" keine wolfsähnlichen Kreaturen, sondern mutierte Menschen, die sich zwar augenfällig verändern, aber noch im Rahmen des medizinisch Vorstellbaren. Gerade dies wirkt so unheimlich, weil der märchenhafte Tenor entfällt und einem Schrecken weicht, der zum Greifen nah ist.
Dazu trägt auch bei, daß die Kamera leicht wackelig (in diesem Falle gut gemacht) fast in einer Art eines Found Footage Films, der von einer Person im Geschehen per Handy aufgenommen wurde, agiert. Aber nur fast. Es wird die Waage zwischen dem FFF-Stil und dem Reportagen-Stil gehalten und die Bilder aus nächster Nähe ziehen den Zuschauer ins Geschehen. Er hat das Gefühl Teil des Ganzen zu sein und nicht einfach aus sicherer Entfernung zu zusehen.
Die Bewegungen, die schnell sind, aber nicht absurd blitzartig wie bei "Red" oder "Werwolf", wirken echt, auch wenn Menschen durch die Luft geworfen werden. Das kommt bei "Wer" absolut glaubhaft herüber, hat also nichts von naiven Würfen aus Comicverfilmungen. Die Gewalt ereignet sich zwar schnell, aber ist drastisch. Da zerpltzen auf den Boden geschleuderte Köpfe (aus der Entferung gefilmt und nur Sekunden) oder ein Kiefer wird abgerissen. Nie funktioniert es nach dem Motto "Hey, seht, was die da für einen Effekt gebastelt haben", sondern eher nach dem Prinzip "Verdammt, war das jetzt echt? Das ist ja grausig".
Der Film beunruhigt, macht sogar Angst. Das glaubhafte Spiel der Darsteller verstärkt dies. Sehr eigenwillig sind die Bewegungen des Werwolfs Talan Gwynek, der verbogene Knochen zu haben scheint und dreckig aussieht.
Einziges Manko ist, daß bezüglich des Schicksals der Personen genau das passiert, was in FFF immer passiert. Wer fast alle Filme dieser Art kennt, weiß, was ich meine.
Das, was "Blair Witch Project" sein wollte, aber nicht schaffte, das ist "Wer", nämlich eindringlich schaurig.

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