Steven Spielberg, Sonnengott
Keiner machte in den späten 70ern und gesamten 80ern ungenierter Hollywood (oder Hits allgemein) nach als das italienische Genrekino. Hier haben wir es mit einer Mixtur aus Agenten- und Abenteuermotiven zu tun aus denen der gute Schlawiner Antonio Margheriti mit „Ark of the Sun God“ aka „I Sopravvissuti della città morta“ einen schmissigen Globetrotter von Film gezaubert hat, der wohl vor allem aus Indiana Jones' Popularität zu der Zeit Gewinn schlagen sollte. Ich durfte ihn in einer unverschämt gut aussehenden 4K-Version aus Amerika ansehen, während er in Deutschland lediglich auf VHS und das auch noch nur geschnitten erschienen ist. Wahnsinn, dass selbst solche Kleinode und eher „unwichtigen“ Filmchen mittlerweile eine solche Restauration spendiert bekommen können. Wer den Spaghettikracher also in einer Bild- und Tonqualität ansehen will, die dem filmischen Inhalt drei Köpfe überlegen ist, sollte unbedingt zur 4K-Scheibe von 88 Films greifen und verwundert seine Augen reiben. Aber ich will den Inhalt gar nicht zu weit schmälern: diese wilde Schatzsuche durch die „Türkei“ zwischen Auftragskillern des Scheichs (!) und fallengespickten Grabkammern ist sehenswert - erst recht im drastischen Gegensatz zu heutigen Filmen dieser Art a la „Uncharted“ oder dem neuesten Indy, die man dagegen nur noch heftiger als CGI-verseucht und -verwässert beschreiben muss. Das hier ist noch handfester Action-Unsinn für Dosenbier, Grabräuberinnen und Shisha…
Gilgameschs Mischmaschmash
Statt riesiger Steinbälle rollt dann vielleicht nur mal ein Kügelchen, statt eines Vulkans leuchtet eine undefinierbare Masse, statt Ägypten gibt’s die anatolische Pampas und statt Roger Moore gibt’s David Warbeck. Man erkennt die Vorbilder, darf jedoch nicht deren Grandezza erwarten. Nichtmal im Kleinen. Dennoch hat „Ark of the Sun God“ Argumente und Herzen auf seiner Seite. Der Soundtrack kann heroisch genauso wie 80s-Poprockgoldkäse. Die Steine und Höhlen sind wirklich Steine und Höhlen. Das ist gerade heutzutage nicht mehr selbstverständlich, hatte ich ja oben schon geschrieben. Und die Bilder aus der lodernden Grabkammer können sich sehen lassen. Es gibt eine bizarr-spektakuläre, lustige wie listige Autoverfolgungsjagd. Es gibt hübsche Damen in Not. Einen Typen, der aussieht wie Orson Welles nach einer durchzechten Nacht. Und einfach Billo-Abenteuer-Feeling mit Charme und Chuzpe. Sicher nicht herausragend, in keiner Kategorie. Aber sehr leicht und süffisant genießbar. Der Film muss sich nicht schämen und wer ihn mag ebenso wenig. Trashig, fesch, kess. Bekannte Gesichter aus den Kinoklitschen Italiens inklusive. Fast hätte ich noch subjektiver, noch höher gerated. Aber man darf die rosarote Italo-Bahnhofskino-Brille auch nicht zu eng ziehen. Aber allein die letzten 15 Ministern in dem Tempel samt Fights, Shootouts und Einsturz von allem sind dann doch irgendwie wieder großes Kino. Und in unserem Herzen ist es „Ark of the Sun God“ eh.
Schwertkämpfe, Schlangen, Stuss
Fazit: Machos und Abenteuer, Istanbul und Gefahr, Kopie und Sympathie - alles liegt bei diesem Spaghetti-Banhnhofskinoabenteuer nah beisammen und ergibt am Ende doch Sinn. Einigermaßen. 007, Indy, Margheriti. Macht vor allem Spaß wenn man regelmäßig bei solchen Italo-Ideensammelsuriums schwach wird.