Der berühmteste Vampir der Welt wird mal wieder recycled und gegen den wirkt ein Frank Langella fast wie der wahre Fürst der Finsternis, mal ganz zu schweigen von Christopher Lee.
Zwar durchzieht ein Hauch von Bram Stoker die Geschichte, doch sobald im 15. Jahrhundert Silikontitten auftauchen, Renfield plötzlich ein rumänischer Name ist und Van Helsing neuerdings Leonardo statt Abraham heißt, ist es mit der Authentizität völlig dahin.
Transsilvanien um 1553: Kreuzritter um Alina wollen Dracula mit dem Lichtbringer vernichten, mit dem Kain einst Abel tötete. Doch dann wird Alina vom Gefolge des Blutfürsten entführt, während Van Helsing (Jon Voight), Dieb Lucian, Dämonenjäger Andros und Alinas Schwester Esme ihre Spur zum Schloss am Borgo Pass aufnehmen...
Ein paar schlicht gestaltete, comichafte Illustrationen während der Exposition verheißen nichts Gutes und als dann kurz darauf ein erblondeter Dracula um seine ermordete Elisabeta trauert, wähnt man sich eher in einer Parodie. Die Figureneinführungen um Alina und Lucian sind hingegen einigermaßen gelungen, als der freche Dieb und die tollkühne Ritterin im Wald aufeinander treffen und, wie es seinerzeit so üblich war, der Knabe die junge Maid abknutscht, während das Gefolge in schallendes Gelächter ausbricht.
Als die Schergen Draculas um Dämon Wrath das bunte Treiben jäh beenden, muss man als Freund der literarischen Vorlage erneut stutzen.
Denn der tief sprechende Dämon wirkt wie ein Abziehbild eines Fantasyspiels für einen Uraltcomputer, der mit seinem Gehabe wie ein Fremdkörper daherkommt und auch die überwiegend leicht bekleideten Damen im Schloss des Blutsaugers wollen nicht so recht zum melancholisch veranlagten Dracula passen, der in der entführten Alina natürlich seine ermordete Geliebte wieder erkennt und daraufhin seine romantische Ader entdeckt.
Regisseur Pearry Reginald Teo versucht zwar mit kleinen Kampfeinlagen ein wenig Abwechslung zu generieren, doch da diese zumeist im Halbdunkel stattfinden, sehr schlicht choreographiert sind und keinerlei Blutvergießen mit sich bringen, schüren diese Momente nur vages Interesse, zumal der Stoff anderweitig viel zu geschwätzig daherkommt und gefühlte zehn Mal erklärt werden muss, was es denn nun mit dem Lichtbringer auf sich hat, der wie ein krummer Wanderstock mit Metallgewinde aussieht und damit einer Sense ähnelt. Insofern muss man auch hinnehmen, dass Dracula ein Nachfahre von Kain sein soll und Abels Blut durch Lucian fließt und der Lichtbringer ausschließlich in seinen Händen funktioniert.
Ansonsten sind Teile der Ausstattung wie Kleidung und Requisiten okay, doch das CGI-Schloss auf der Anhöhe sieht schon reichlich künstlich aus, was lediglich von den überdeutlichen Green-Screen Bildern unterboten wird, denn wenn man schon in Rumänien dreht, sollte man die Mimen dort auch komplett agieren lassen. Jene sind bis auf Jon Voight eher unbekannt, doch immerhin mühen sich die meisten, ihre schwach gezeichneten Figuren mit Leben zu füllen.
Dem einfallslosen und uninspirierten Treiben nützt dies am Ende wenig, denn die 99 Minuten ziehen sich phasenweise, ohne dass auch nur ein Hauch von Vampiratmosphäre aufkommt. Spannende Einlagen sind an einer Hand abzuzählen, die Fantasy-Elemente wirken sich eher kontraproduktiv auf die klassische Liebesgeschichte aus und somit zählt dieser Streifen zu den Verfilmungen, bei denen sich Bram Stoker wahrscheinlich im Grabe umdrehen würde.
3 von 10