Ein Jahr nach Mord à la Carte erschienener zweiter von insgesamt drei weiteren Fernsehfilmen mit Ustinov als Hercule Poirot, die allesamt aufgrund der vorhergehenden Kinoadaptionen mit dem Star in der Hauptrolle und dort auch entsprechender Starbesetzung, Aufwand und auch Ergebnis erschienen sind. Basieren tut man hier auf den relativ spät veröffentlichten Roman "Wiedersehen mit Mrs. Oliver", der später (wie üblich) auch noch einmal für die langlebige Fernsehserie Agatha Christie's Poirot verfilmt wurde und eher zu den weniger geläufigen Arbeiten der Queen of Crime gehört. Aufmerksamkeit hat die Produktion der CBS in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Television natürlich durch Ustinov selber noch, aber anderweitig eher nicht erzeugt, wobei mit Regisseur Clive Donner hier (nach bspw. Charlie Chan und der Fluch der Drachenkönigin, 1981) noch ein weiterer Vertrauter des Schauspielers und tatsächlich auch ein Mann vom Kino für die Umsetzung des Buches verantwortlich und die Vorlage dabei in guten Händen ist:
Bei einem zufälligen Wiedersehen zwischen Hercule Poirot [ Peter Ustinov ] mit der Kriminalschriftstellerin Mrs. Ariadne Oliver [ Jean Stapleton ] erzählt diese ihm von einer ihrerseits geplanten 'Mörderjagd', eine Art Schnipseljagd auf dem Anwesen von George Stubbs [ Tim Pigott-Smith ] und dessen junger Frau [ Nicolette Sheridan ], die Haus und Grundstück von der ehemaligen Eigentümerin Amy Folliot [ Constance Cummings ] abgekauft haben, diese aber noch auf dem Besitz wohnen lassen. Poirot und sein 'Adjütant' Arthur Hastings [ Jonathan Cecil ] sind extra wegen merkwürdiger Vorahnungen von Mrs. Oliver als emotionaler Beistand auch eingeladen, bald trifft natürlich ein tatsächlicher Mord ein, genau nach 'Plan' übrigens, und die echte Polizei steht vor der Tür.
"Sie müssen sich unbedingt die verschiedenen Hinweise und Gegenstände für die Mörderjagd ansehen, Mr Poirot", sagte Mrs Oliver atemlos. Poirot stand gehorsam auf und folgte ihr. Alle drei gingen durch die Empfangshalle und betraten ein kleines, einfach möbliertes Zimmer, das als Büro diente. "Tödliche Waffen links", erklärte Captain Warburton und wies auf einen mit Filz bezogenen Kartentisch, auf dem ein kleiner Revolver lag, ein Stück Eisenrohr mit einem verdächtig rostfarbenen Fleck, eine blaue Flasche, auf der 'Gift' stand, ein Stück Wäscheleine und eine Injektionsspritze. "Das sind die Waffen, und das ist eine Liste der Verdächtigen", erläuterte Mrs Oliver. Sie überreichte ihm eine gedruckte Karte, die er mit Interesse las."
So große Namen wie anderweitig Faye Dunaway oder Tony Curtis sind hier nicht anwesend, Stapleton natürlich, ja, aber als nächstes bekanntes kommt schon Nicolette Sheridan, und da weiß man nicht so genau, ob man die junge Dame hier als berühmt aufzählen kann oder eher nicht. Auch die Einleitung ist seltsam, die Pre-Title in der Fischabteilung, mehr Andeutungen als ein Gespräch und ein großes Fragezeichen von Skript und auch Regie, dass dann selbst bei der Anreise noch über eine Bootsfahrt (an immerhin lieblicher Natur) zu auch Ort und Stelle der Mrs. Oliver und damit der eigentlichen Handlung mit merkwürdigen Skurrilitäten vor sich geht.
Selbst diese Dame, die quasi die Einleitung gestaltet und den Schauplatz und seine Figuren vorstellt, findet, dass etwas absonderlichen in der Luft liegt, die personelle Konstellation ist so wie immer bei einem Christie (oder auch wie bei dem Versuch der Nachahmung in bspw. Knives Out), also die Leute eher wild durcheinander und gleichzeitig auffällig, der Schnösel, der Snob, das Frischfleisch, die Vertretung der bildenden Künste, der Filmstar, selbst der Alkoholiker ist wieder an Bord und noch so viele Exzentriker mehr. Zusätzlich paaren sich natürlich Briten und Amerikaner, was vorne und hinten nicht passt und zusätzlich Schwingungen und Schwankungen und Spannungen mit sich bringt, und bald auch der erste Mord, an dem Trunkenbold nämlich und dies wie aus einem schlechten Slasher passiert.
Überhaupt wirkt hier einiges daneben, was dem Ganzen eine nicht uninteressante Note beigibt, eine Mischung aus eben einem harmlosen Schlitzerfilm, einer frühen Ausgabe der Midsomer Murders und dem blassen Gehabe und Getue von auch Mord im Spiegel, dem letzten größeren Kinoereignis, alles kunterbunt durcheinander und zusätzlich mit einer Art Kirmes (auf dem Grundstück), einem Ferienlager (neben dem Grundstück) und einer geplanten Mörderjagd (überall und nirgends) bestückt. Außerdem ist hier vorteilhaft, dass die Geschichte tatsächlich auf einem Areal, also räumlich eingeschränkt, wenn auch großzügig mit Herrenhaus, Pavillon, Garten- und Bootshaus, Fähranlegestelle etc. bestückt passiert.