Aktuelles (Mixed) Martial Arts - Drama aus Korea, das ähnlich zum kantonesischen Unbeatable (2013) seinen Tournamentplot im üblichen Gang um ein Generationenporträt sowohl in der Vergangenheit als auch rückfolgernd in der Gegenwart und so als Abbild einer von der Mitte des Lebens erfassten Männerwelt darstellt. Reich an Erwartungen seitens der Bekanntheit seines Regisseurs Kang Woo-seok und deswegen überraschenderweise ebenso reich an Klischees, die nur selten gebrochen und oft anschließend wieder bestätigt werden, tritt hier zumindest die weitreichende und ein Vierteljahrhundert umfassende Zeichnung unterschiedlicher Herren der Schöpfung mit im Grunde gemeinsamen Ausgangspunkt an. Ein Konflikt verschiedener Lebenswege, die dem einstigen Traum allesamt nicht mehr gerecht werden, und wo das Jetzt oft nur das traurige Übrig des Ehemaligen war und die Zukunft nur noch ein einziges Mal in das Positive geändert werden kann. Basierend auf einem webtoon für Daum Communications:
Die 'Legendary Fighter' Show der TV-Produzentin Hong Gyu-min [ Lee Yo-won ] zieht durch das Aufeinandertreffen von ehemalig durch Kondition und Kampfkunst ruhmreich in den schlagzeilen aufgefallenen Kombattanten gegen ein jetzt aktiven Mixed Martial Arts Sportler im Ring die Aufmerksamkeit der Zuschauer und so auch die der Werbekunden auf sich. Als der in relativ bescheidenen Verhältnissen lebende Noodle-Shop-Besitzer Im Deok-gyu [ Hwang Jeong-min ] von der jungen Dame für einen Auftritt heftig umworben wird, lässt er sich erst nach Drängen von seiner Schwiegermutter und angesichts der Möglichkeit des Gewinnes von 20.000 USD zu einem dieser eher ungleichen Kämpfe überreden, den er auch überraschenderweise gewinnt, aber auch sein erster und letzter werden sollte. Als ihn auch seine Tochter Su-bin [ Ji Wu ] zum Weitermachen drängt, trifft Im anschließend auf den früheren High-School-Rivalen Shin Jae-seok [ Yun Je-mun ], was die Erinnerung an die erst beschwingten, dann verheerenden Geschehnisse von vor 25 Jahren gleichsam hervorbringt wie auch weitere Bekannte aus früherer Zeit auf den Plan ruft. Darunter Son Jin-ho [ Jeong Ung-in ] als schwerreicher Führer der CM Group und dessen PR Agenten Lee Sang-hun [ Yu Jun-sang ], der für die Promotion ebenfalls in den nunmehr als 'Match of Legends" umbetitelten und höher dotierten Kampf geschickt wird.
Die besten Minuten dieses Konterfeis, die im Grunde weder dem Sportgenre so richtig zugehörig scheint noch eine Biographie und auch kein Actionfilm mit der Aufmerksamkeit darauf, sondern von Allem ein wenig, plus Ausflügen in das Gangstermilieu darstellt, finden bereits in den ersten Einstellungen und Abschlüssen statt. Wird dort noch die Legendenbildung im Sinne eines schlicht träumerischen Kampfkunstfilmes gepflegt, die zahlreichen Gegner mit Sprüngen und Kicks danieder gestreckt, in und durch die Holzdekoration gedrückt oder anderweitig in der Gegend verteilt und gepflügt, steht alsbald die Korrektur dieses phantasievollen Schemas eifriger Stuntchoreographie und die traurige Erzählung, in breiten 150min Rückblenden und Erweiterungen an. Eine Dilatation auf Motiv und Vorgeschichte, auf Hintergrund und (zumeist) monetären Druck, auf die Geschehnisse in der Jugendphase und den zeitgenössischen Abschnitt, in dem Alles von früher verblasst, das Frohe und die Bande gewichen und nur noch der Kampf des Alltags und des Trotts und des ständigen Nachgebens und Buckeln vorhanden ist.
Eine Entfaltung auf den Charakter, die zugleich ein Zusammensinken dessen und mit Müdigkeit des Wehrens und dem Trotz des Hinnehmens all des Ungemachs angefüllt ist. Denn auch wenn (auffallend vermehrt) an Rocky (1977) erinnert werden soll, ist der Film in dieser Sichtweise eher das Grudge Match (2013) Äquivalent, nur halt bloß mit dem weinenden Auge und nicht in der Komik, welcher Form davon auch immer aufgelöst. Die Existenz als Zustand voll Umstände, in der man vor dem Arbeitgeber wortwörtlich zu Kreuze kriechen muss, bei der alles Andere als den Rückhalt bietenden Familie den einzigen Kontakt außerhalb des früheren Freundeskreises hat, die Ehre gegen den kurzen Ruhm oder das billige Geld eintauscht, und sich vor der weitaus jüngeren, gerade heranwachsenden Nachwuchskohorte in seiner schlechten Fitness und stark nachgelassenen Geber- und Nehmerqualitäten zum August in Trainingskleidung macht.
Die besten Jahre sind längst vorbei und kommen auch nicht mehr, und wenn dann nur noch in den bösen, den verdrängten oder am liebsten vergessen wordenen Erinnerungen zurück. Das Quartett aus der Vorwelt ist in dieser Handlungstapete wie ein Mosaik einzelner Stücke angeordnet; erst nach und nach ergeben sich Überschneidungen zueinander, aber wird dadurch noch mehr deutlich, dass es trotz viel Sprüngen in die Zeit hinein und wieder hinaus und zurück und vor bei einer Behauptung oder im besten Fall etwas ewig zurückgelegenes und bei 25 Jahre Kontaktsperre auch jetzt noch bleibt. Wenige der Figuren sind wirklich interessant, eigentlich nur Lee Sang-hoon und Sin Jae-seok, und wenige der Konflikte und Komplikationen teilen dieses Schicksal an Neugierde, Bedeutsamkeit und Offenheit für Mehr; auch wenn sich die Minuten der Laufzeit unablässig häufen und die ruhige Bescheidenheit der Inszenierung zwar nicht durch erweckte Wissbegierde, aber einen leicht hypnotischen Sog und sinnfälliger Optik schon etwas in den Bann zieht. Dazu vielmals fliegende Fäuste, ansonsten das übliche Repertoire aus Kniestößen, Griffen, Würfen, eingefangen in übersichtlicher Choreographie mit teils überraschenden, in das Geschehen hineinversetzenden Perspektiven.
Regisseur Kang, der sich mit dem Thriller Moss (2010) ebenso in der Ausdauer erging, und auch außerhalb des Landes mit der Public Enemy Trilogie (2002/04/08) und vor allem Silmido (2003) um den Bekanntheitsgrad des Koreanischen Kinos verdient gemacht hat, hätte mit ein wenig Konzentration auf das Wesentliche, einigen Schärfen und Spitzen und entweder das Vermeiden von Konventionen oder gleich das volle Programm wohl mehr und entscheidender Treffer erzielt. Hier ist ein Tänzeln um das eigentliche Ziel und ein Hinauszögern des längst Bekannten und konkludent Gesagten schon der halbe Effekt der Show und weiteres Füllmaterial – wie das Gemälde der ehedem Männlichkeit und nunmehriges schwaches Geschlecht, das Vertrocknen maskuliner Angeberei zum verzweifelten Aufbegehren und die bezahlbare Vergnügungssucht auch mit gerne mehr Brutalität – nach involvierendem Schema F gestrickt.