Höchst mittelprächtiges Werk von Regisseur Jo Dong-oh, dem die längere Auszeit nach dem ebenso verhalten aufgenommenen The Restless (2006) weder beim Verfassen des Skriptes noch dem Verfilmen der eigenen Ideen so wirklich gut getan zu haben scheint und der seine üblichen Unterhaltungsangebote Action / Humor / Thriller hier mit meist bescheidenen, im besten Falle langweilig routinierten Ergebnissen erzielt. Zudem erinnert die Arbeit in seiner Prämisse, leider nicht der Qualität nicht nur an unzählig andere Varianten dergleichen Geschichte, sondern noch frappant an den wesentlich besser gelungenen, teils gar überraschenden Troubleshooter (2010) und so an Höherklassiges jüngeren Datums als weiterhin nachteiligen Effekt. Das Koreanische Kino voll mit Durchschnitt und Ennui, was sich selbst dem Gelegenheitszuschauer als hauptsächliches Merkmal der letzten Jahre erschließt:
Der Automechaniker und Gelegenheits-Chauffeur Cha Jong-u [ Shin Ha-gyun ], ein ehemaliger Kleinkrimineller, gerät bei einer seiner nächtlichen Fahrten für den Kunden Richard Ma [ Nam Gyeong-eup ] in ein Mordkomplott und Verschwörungsaktion, so dass er anschließend sowohl von einem mysteriösen Killer [ Park Sang-uk ], dem National Intelligence Service geführt von section chief Kim [ Kim Ui-seong ] und Lieutenant An Sang-gi [ Kim Sang-ho ] von der Jungbu Polizeistation gejagt wird. Einzig sein Freund und Arbeitgeber Mun [ Ju Hyeon ] und die vorwitzige Reporterin der Weekend Gazette, Park Seon-yeong [ Jo Eun-ji ] misstrauen den Ungereimtheiten der Aktion und kann damit auch Chas Sohn Gi-hyeok [ Lee Min-ho ] von der Unschuld seines Vaters und und dem Suchen nach entlastenden Beweisen überzeugen. Währenddessen ziehen das Häscher die Kreise um den Flüchtigen, allerdings auch als "the big slip" Stadtbekannten und all seine Talente Ausspielenden enger.
Dafür, dass man sich auf der Flucht vor allen möglichen Verfolgern inmitten der grundsätzlich überall überwachten und mit CCTV gepflasterten Großstadt und zudem in einer losen Frist von vielleicht 24h befindet, setzt die Handlung nach vergleichsweise flotterem Start beizeiten zu mehrerlei Pausen der Einfallslosigkeit und Ausdiskutierei an. Gerade der Vater - Sohn - Aspekt rückt mehr in den Mittelpunkt der Ermittlung, die nun gar nicht so richtig nach vorne zur Aufklärung, sondern eher in die vermeintliche Tiefe des Seelenheils und der Charakterisierung geht. Dabei ist der Heranwachsende in seinem stoischen Verhalten, dass an Ruhe und Isolation und Einkehr in das Innere gemahnt, scheinbar erwachsener und vor allem gefestigter im Leben als die Mittvierziger um ihn herum. Darstellerisch laut und affektiert und oft mit dem verzweifelten Bemühen um das Suchen und mögliche Finden von vermeintlichen Witz gespielt, macht sich anfangs der Eindruck einer aggressiven Klamotte, später dann das ebenso verzweifelte Übergehen zu mehr Dramatik und Erkenntnis des Lebens und seiner Umstände breit.
Ein seltsamer Richtungswechsel der Stimmungen, die angesichts der drohenden Gefahren für Leib und Leben zwar verständlich, aber weder von Inszenierung noch den Dialogen oder den Schauspielern als letzte Rettung getragen sind. Zu sehr eintönig das Geschehen, dass nur wenige Momente von Hetzjagd und ermittlerischen Drang erfinden und verwirklichen, nur wenige Situationen des leichten Blickes über die Durchschnittlichkeit hinaus erfordern kann und sich in der Routine ergießt. Überraschend sind vielleicht ein, zwei Einstellungen in der Szenerie, in der bei der ersten Flucht über Brüstungen und Dächer und in die rettenden Gebäude hinein auch mal plötzlich ein Auto aus dem Nichts auftaucht und den Rennenden seitlich aus dem Fenster wieder hinaus zwingt. Überhaupt ist das Actionmilieu hier eher kleineren Feldes, eine knappes Autorennen durch den Vorortslum, in dem die Hindernisse weniger umfahren als vielmehr mitten durch sie hindurch geprescht wird. Ein paar Nahkämpfe, in dem mit dem überlegenden Gegenüber mehr gerungen und durch die Wohnung katapultiert als tatsächlich ernsthafte Gegenwehr geleistet wird. Ein paar Schüsse in dunkler Nacht, die das Ziel meist ebenso verfehlen wie sich auch nicht die Aufmerksamkeit des auf die Uhr schauenden Publikums in ungeahnte Höhen des Adrenalins bringen; was auch einer späteren, kurzen over-the-top Straßenschlacht durch mäßige Effekte und viel Übertreibungen nicht gelingt, zumal derlei Einschübe vermehrt humoristisch im Sinne einer Action-Komödie aufgelöst sind.
Verschwörungen im Spionagekonstrukt und das Erleben der Verantwortung für die eigene Existenz, die Fehler der Vergangenheit und die Bindung zum eigenen Fleisch und Blut in Form des unverstandenen Sohnes (und vice versa) als der eine Grundstock, die Feier des Normalbürger als Held, der in Not und Gefahr über sich hinauswächst, als der zweite im Sinn. Dazu noch ein wenig Getue durch die aufdringliche Reporterin, die immer im (un)günstigsten Moment ihr plötzliches Erscheinen verspricht, und dem altgedienten, zersausten Cop, der noch nie gute Tage hatte und nun nur deswegen hilfreich ist, weil man sich zufällig von der Elternsprechstunde kennt. Ein Konglomerat des Beliebigen, der dem einst vielversprechenden, auf gewisse Weise immer noch anders gearteten, aber eher die westlichen Zuschauerbedürfnisse durch hochwertige Optik und ebensolches Budget befriedigenden Eigenschaften nunmehr in die Eintönigkeit und puren Kommerzialismus ohne jede Fallstricke erschreckt. Während sich das ehemalige Hongkong - Kino und seine Wildheit nunmehr unter dem Chinesischen Banner und dessen Zensur versteckend neu erfindet und Möglichkeiten erprobt, ist aus koreanischen Landen nur noch vereinzelt und immer seltener wirklich Hochwertiges zu genießen, die angekreidete Überlänge – auch hier werden 2h für Nichts überschritten – mittlerweile wirklich mehr Verdruss als Klischee und wird sich auf Erfolgen früheren Datums und weiterhin beständigen Einspielergebnissen ausgeruht.