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Scott Thorson (Matt Damon), bei Pflegeeltern in der Provinz aufgewachsen, kommt nach Las Vegas um Tierarzt zu werden. Nach einem Konzert lernt er den berühmten Entertainer und Pianisten Liberace (Michael Douglas) kennen und verspricht Medizin für den erblindeten Hund des Stars zu besorgen. Bald ist er Liberaces Sekretär, Chauffeur, Sohnersatz und vor allem sein Liebhaber…

Steven Soderbergh (geb. 1963 in Atlanta) wird bekannt durch Konzertvideos der Rockgruppe YES und gewinnt bereits für seinen ersten Spielfilm „Sex, Lügen und Video“ (1989) die Goldene Palme von Cannes. Er dreht fortan anspruchsvolle Filme, wie „Kafka“ (1991), „Solaris“ (2002) oder „Che“ (2008), aber auch Blockbuster, wie die „Ocean’s“-Serie (2001-07). Zuvor erhält er 2000 den Regie-Oscar für „Traffic – Macht des Kartells“. Bereits vor Erscheinen seines letzten Kinofilms „Side Effects“ (2013) verkündet Soderbergh sich aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen. Anlass dafür sind die Produktions- und Arbeitsbedingungen im modernen Hollywood, wo zum Beispiel niemand bereit ist sein Herzensprojekt „Liberace“ zu finanzieren. Schließlich wird der Film von HBO fürs amerikanische Kabelfernsehen produziert. Kein Grund aber diesen außergewöhnlichen Film nicht in Cannes uraufzuführen, wo er begeistert aufgenommen wird. Michael Douglas, nach Filmen wie „Auf der Jagd nach dem Grünen Diamanten“ (1984) oft als halbbegabter Sohn eines berühmten Vaters gescholten, hat in „Traffic“ bereits eine starke Leistung unter der Regie von Soderbergh geboten und spielt hier die wahrscheinlich beste Rolle seines Lebens. Mit Perücke, Schminke, Pomp und Glitzer imitiert er den 1987 verstorbenen Künstler in perfekter Weise und zum großen Vergnügen des Publikums. In der ersten Filmhälfte entführt er den Bubi vom Land in seine sündhaft teure Märchenwelt, wobei seine riesige Villa von Ludwig II inspiriert ist („Wer ist das?“, „Der Liberace von Bayern“, „Spielt der auch Klavier?“). Das ist, wie auch die Liebesgeschichte, farbenfroh und flott erzählt, wobei es viel zu lachen gibt („Wie bist Du bloß so standhaft? Wir haben seit dem Mittag schon 4 mal!“, „Ach, mit Dir fühle ich mich wieder jung… und ich hab ein Implantat.“) In der zweiten Filmhälfte drosselt der Regisseur, der unter Pseudonymen auch für Kamera und Schnitt verantwortlich ist, das Tempo, wenn die Beziehung langsam zerbricht und Scotts Drogenabhängigkeit immer stärker wird, dargestellt mit wackligen Porträtaufnahmen. Kongenial an Douglas’ Seite Matt Damon („True Grit“ 2010, „Promised Land“ 2012). In seiner 5. Zusammenarbeit mit Soderbergh nimmt man ihm am Anfang sogar den 17-jährigen ab, später verfettet er zusehends bis er von Liberace zu mehreren Schönheits-OPs gedrängt wird, inkl. Waschbrettbauch und Grübchen. In skurrilen Nebenrollen gibt es ein Wiedersehen mit den 80er Jahre Stars Dan Aykroyd („Blues Brothers“ 1980/98, „Ghostbusters“ 1984/89), kaum erkennbar mit Toupet als Liberaces Manager und Rob Lowe („Die Outsider“ 1983, „Bodycheck“ 1986) als Arzt, der vielfach geliftet sein bester Kunde zu sein scheint.
Sollte „Behind the Candelabra“ (Originaltitel als Anspielung auf ein unvermeidliches Bühnenrequisit des Meisters) wirklich Steven Soderberghs Abschied von der Leinwand sein, so ist es würdiger. (8,5/10)

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