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Ein festlicher Saal, die Bühne stimmungsvoll ausgeleuchtet, darauf ein Piano. Gekrönt wird diese Szenerie von einem wunderschönen Kandelaber, der festlich und warm vom Klavier aus strahlt und strahlt. Am Tasteninstrument wird gleich ein überragender Entertainer Platz nehmen und das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern. Ich habe mich beim Betrachten der Konzertszenen dabei erwischt, dass ich mir gewünscht habe, sofort nach Las Vegas zu fliegen und einer Show dieses Künstlers beizuwohnen. Die Faszination, die von „Liberace“ ausgeht, kommt nicht von irgendwoher. Auch der junge Scott (umwerfend: Matt Damon), ein unerfahrenes Landei, das von einem Freund zur Show mitgenommen wurde, ist nachhaltig beeindruckt von diesem Menschen und wird ihm bald sehr, sehr nahe kommen, sozusagen „hinter den Kandelaber“ schauen dürfen. Was sich dort abspielt, das erfährt man in „Liberace – zu viel des Guten ist wundervoll“.

Was für ein Titel und was für ein Film! Als ich den ersten Trailer im Kino sah, ging mir folgender Gedanke spontan durch den Kopf: „Oha, Al Pacino spielt einen homosexuellen Entertainer! Beinahe hätte ich ihn nicht erkannt! Muss ich sehen!!“ Nun ja, Pacino entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Michael Douglas, der nicht mehr als er selbst zu erkennen ist und dem ich eine solche Verwandlung nicht zwangsläufig zugetraut hätte. Was für eine Performance! Wahnsinn, wie Douglas hier vollkommen überzeugend in die Haut eines Menschen schlüpft, von dem ich noch nie zuvor etwas gehört hatte und der sich dem Zuschauer im Laufe des Filmes mit seiner Persönlichkeit mit all ihren Facetten offenbart. Man kann sich der Magie dieses Verrückten nur schwer entziehen. So schräg, eigenwillig und teilweise abstoßend er sich auch verhält, man schließt ihn in sein Herz.

Der Film legt den Fokus auf die Beziehung Liberaces zu Scott, die manche Höhen, aber auch einige Tiefen aufweist. Wir lernen beide Männer gut kennen und der Einblick in das Leben dieser besonderen Menschen, die aber letztlich, trotz aller Höhenflüge und Extravaganz, genau nur das sind, nämlich Menschen, ist ein echtes Erlebnis. Man wünscht dem Film viele Zuschauer, auch wenn er sicher nicht für jeden etwas ist.


„Liberace“ ist ein Film über das Leben, über die Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung, die uns allen gemeinsam ist. Gleichzeitig zeigt der Film einen Menschen, von dem viele nur die Fassade kannten und der darum bemüht war, seine private Seite mit allen Mitteln und bis hin zur Selbstverleugnung zu verstecken. Der Film ist unterhaltsam, tragikomisch, lustig, traurig, nachdenklich und ein echtes Erlebnis. Ansehen!

Von mir gibt’s dafür absolut angemessene

10 von 10 Punkten!

P.S.: Hätt ich was zu sagen, gäbs den Oscar für Douglas und Damon, überreicht von Rob Lowe… ;-)

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