Review
von - -ImaO- -
Mehr "Pain" als "Gain"....
Ansich ist die Thematik des "perfekten Plans der dann komplett aus dem Ruder läuft" genau mein Ding. Da gibt es die Klassiker wie "FARGO" oder "Reservoir Dogs" und solch kleine Perlen wie "A simple Plan" von Sam Raimi. Es geht dabei immer ums liebe Geld, wenn auch die Ausgangssituationen variieren.
So auch in "Pain and Gain". Der Fitnesstrainer Danny Lugo ( Wahlberg) fühlt sich von der Gesellschaft sowie vom Leben als solches mies behandelt und beschließt, seinen stinkreichen Kunden (Shaloub) zu kidnappen um ihm seine gesamte Kohle abzuknöpfen. Um seinen "perfekten Plan" umsetzen zu können, überredet er zwei seiner Kumpels ihm dabei zu helfen. Gesagt getan. Der Geldsack wird entführt, gefoltert und psychisch bearbeitet. Aber er bleibt erstaunlich resistent und kann schließlich abhauen. Nun setzt also die Spirale des "aus dem Ruder laufens" ein und ab hier macht der Film meiner Meinung nach zu viel falsch.
Ich denke, dass zwei Gesichtspunkte in der erzählerischen Vorgehensweise zu diesem Thema elementar wichtig sind. Zum einen die stringente Steigerung der sich entwickelnden Eigendynamik der Geschehnisse, die die Beteiligten mehr und mehr überfordert. (In Perfektion bei "A simple Plan"). Hier ist "Pain & Gain" noch recht gut dabei.
Die zweite Prämisse ist, sich auf die eigentliche Story zu konzentrieren, denn jede Nebenhandlung stört massiv oben genannte Entwicklung eben jener Eigendynamik. Und genau hier zerfällt das zu Beginn noch ordentliche Konstrukt der Geschichte. Der Film verheddert sich zunehmend in Nebenhandlungssträngen und versucht dann den verloren gehenden Drive durch Hektik und Action zu kompensieren.
Eine immer größer werdende Zahl an irgendwie Beteiligten an immer mehr Schauplätzen zerreisen den roten Faden der Story in immer kleinere Stücke und so kommt es dann mit der verzweifelten Durchführung eines zweiten "perfekten Plans" schließlich zum narrativen Overkill.
Das hätte nicht Not getan. Manchmal ist weniger eben wirklich mehr.
Bei der durchaus namhaften Riege der Schauspieler sticht eigentlich nur Tony Shaloub als Entführungsopfer wirklich heraus. Alle anderen machen einen brauchbaren Job, mehr aber auch nicht.
Wer auf zunehmend konfuser werdendes Rumgerenne steht und sich nicht daran stört, dass ein Film eigentlich selbst nicht genau weiß, ob er nun Pyschothriller oder Actionkommödie sein will, kann gern einen Blick riskieren. All denen die wissen, dass man dieses Thema auch in aller Ruhe so angehen kann, dass man anfängt Fingernägel zu kauen, denen seine die eingangs erwähnten "kleinen Perlen" empfohlen. Zumal es in "A simple Plan" auch noch einen Oscar nominierten Billy Bob Thornton zu genießen gibt.
Pain & Gain jedenfalls ist keine Offenbarung. 4 von 10