Nach ihrem bereits gelungenen Erstling "Carriers" melden sich die spanischen Pastoren-Brüder umso wirkungsvoller zurück. Zwar setzen sie erneut auf Endzeit, doch abgerundeter erzählt und gleichermaßen makellos in Szene gesetzt, übertrifft "The Last Days" ihr Debüt um Längen.
Ein nicht geklärter Umstand führt dazu, dass Menschen weltweit unter Agoraphobie leiden und nicht mehr ihre Wohnungen oder Büroräume verlassen, da es vermehrt zu Todesfällen kommt, sobald sich jemand unter freiem Himmel befindet. Innerhalb dieser Situation müssen sich Marc (Quim Gutiérrez) und sein ehemaliger Personalchef Enrique (José Coronado) zusammenraufen, um Marcs Freundin Julia (Marta Etura) zu finden, während die Gefahren unter der Erde nicht nur von Wegelagerern ausgehen...
Der Stoff wird insofern latent spannend vorgetragen, als dass nicht ellenlange Rückblicke eingeschoben werden, um Teile der Vorgeschichte zu hinterleuchten. Im ersten Drittel werden zwar einige Flashbacks bemüht, doch diese beschränken sich auf die grobe Konstellation der Charaktere und die schleichende Entwicklung der ominösen Epidemie, welche zu keiner Zeit konkret erklärt wird. Fakt ist: Ein Gang auf die Straße führt nach wenigen Sekunden zu Krämpfen, die kurz darauf mit dem Tod enden, wie Marc anhand seines Bürokollegen feststellen muss. Also heißt es für das unfreiwillige Gespann, unterirdisch über Tunnel - und Kanalsysteme, erweiterte Gasleitungen, Bahntunnel oder Schächte in Gebäude zu gelangen.
Die Brüder Àlex und David Pastor bieten jedoch nicht nur abwechslungsreiche Unterhaltung, sondern liefern eine makellose Inszenierung ohne großes Brimborium ab. Ein paar überaus effektvolle Endzeitbilder oberhalb der Erde wechseln sich mit düsteren Ecken und uneinsehbaren Bereichen unterhalb ab, während die Kamera ein paar sehr stilvolle Perspektiven parat hält und einige toll komponierte Szenenübergänge das Bild abrunden.
Die Szenerie wirkt zu jeder Zeit authentisch , - egal, ob irgendwo ein niederbrennendes Hospital aus der Vogelperspektive zu sehen oder der Angriff eines großen Tieres in einer Kirche abzuwenden ist.
Jedoch werden auch zwischenmenschliche Töne berücksichtigt, was glücklicherweise meist ohne große Worte einhergeht und zuweilen nur ein paar Gesten, Blicke oder bestimmte Blickwinkel benötigt, wobei der Score recht nuanciert arbeitet und einen nicht unerheblichen Teil zu den emotionalen Tönen beiträgt. Lediglich in den letzten Minuten wird ein wenig zu dick aufgetragen, was im Kontext der ansonsten ausgewogenen Mischung durchaus zu verschmerzen ist.
So ist im Großraum Barcelonas ständig etwas los, obgleich es auf den Straßen zumeist unheimlich still anmutet und Hunde während einer Hatz ein wenig die Machtverteilung und eine gewisse Form von Lebensqualität untermauern. Natürlich wirkt es zuweilen etwas überkonstruiert, wenn sich unser Heldenduo den unterirdischen Weg quer durch die Stadt bis zu einem bestimmten Haus bahnen kann ohne dabei die Erdoberfläche zu betreten und auch diverse Gefahren werden mitunter auf eher unwahrscheinliche Art gemeistert, doch demgegenüber kaschieren die durchweg hervorragend und authentisch performenden Mimen recht viel, zumal die gelungenen Figurenzeichnungen ihr Übriges zum Mitfiebern beisteuern.
Wer also auf Endzeitstimmung, Abenteuer, Thrill und viel Abwechslung steht, dürfte mit "The Last Days" recht ordentlich bedient werden, sofern man die Logik des Kernproblems nicht näher hinterfragt. Spannungstechnisch punktet primär die erste Hälfte, während es in der zweiten manchmal ein wenig vorhersehbar zugeht, wobei optisch und darstellerisch einige Mankos ausgebügelt werden können.
Zweifelsohne ein weiteres Highlight spanischer Filmemacher im Bereich des düsteren Films, - da fällt noch nicht einmal das kaum vorhandene Blutvergießen ins Gewicht.
8,5 von 10