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Im Schatten Alfred Hitchcocks blühten die interessantesten Gewächse: Der Übervater des Psychothrillers rief nicht erst seit Psycho eine Schar mehr oder minder talentierter Nachahmer auf den Plan, von denen einige mit namenhafter Starhilfe zu beweisen wussten, dass es auch außerhalb der Spannungsschmiede des Altmeisters durchaus solide bis hervorragende Produktionen gibt, die das Subgenre bereichern. An der Stelle sei den Verantwortlichen hinter der grandiosen Düsseldorfer Filmreihe "Mondo Bizarr" gedankt, die diesen Film für einen Abend aus dem Totenreich zurückgeholt und den namensgebenden schwarzen Kreis um ein gespanntes Publikum gezogen haben. Ihre Arbeit ist Gold wert, meine Herren.

Im Film betritt besagten Kreis Bette Davis und das gleich in zweifacher Hinsicht, verkörpert sie doch die Zwillinge Edith Phillips und Margaret DeLorca. Seit letztere sich das Herz ihres gemeinsamen Schwarmes mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft ergaunert und ihrer Schwester vor der Nase weggeheiratet hat ist das Verhältnis beider mehr als unterkühlt, zu Beginn des Filmes seit 18 Jahren nicht mehr vorhanden. Erst die Beerdigung von Margarets vermögendem Ehegatten führt beide wieder zusammen, wobei der alte Spruch von der Zeiut, die alle Wunden heilt sich schnell als hohle Phrase entpuppt und Versöhnungsversuche kläglich scheitern, zumal Edith, um drei Monatsmieten verschuldet, mit ihrer schlecht laufenden Bar weitaus schlimmere Probleme hat, während Margaret in ihrer ererbten Villa dem süßen Leben fröhnt.

Um sich selbst vor einem Leben in Armut zu bewahren und Rache an ihrer Schwester zu nehmen bringt Edith die ahnungslose Margareth in ihrer Wohnung um die Ecke und nimmt deren Stelle als Erbin des DeLorca - Vermögens an, wobei sie mit der Zeit immer drastischere Methoden ergreifen muss, um das Hauspersonal und ihr Umfeld zu linken. Wie sich im Laufe des Filmes herausstellt ist aber auch Margaret nicht ohne Fehl und Tadel gewesen, was dem letzten Filmdrittel dann nochmal eine gewisse Thrillerwürze gibt.

Mein erster Bette Davis - Film und schon erkenne ich, warum sich diese Dame ihren Hollywoodstatus verdient hat: die Doppelrolle der Zwillinge Edith / Margaret spielt sie mit Leichtigkeit, wechselt zwischen Bissigkeit und Altersmilde hin und her. Die Verzweifelung der Frau wird im Laufe des Filmes greifbar und trotz aller verdienten Verachtung für die Heimtücke der begangenen Bluttat fiebert man paradoxerweise mit der Figur mit, zumal Ediths Lebensgefährte, ein vom großartigen Karl Malden gespielter Polizist, nun ahnungslos gegen seine Geliebte ermittelt und auch Teile des Personals langsam misstrauisch werden. Ganz im Gegenteil zu Familienhund Duke übrigens, der zu einem nicht unwichtigen Handlungselement wird.

"Der schwarze Kreis" ist großartig, aber auch kein Film, zu dem man zu viel schreiben sollte. Erfahrene Genreafficinados werden den Plottwist am Ende schneller erschnüffeln als Karl Malden es mit seiner legendären Nase je könnte, aber das sollte niemanden davon abhalten,d en Film zu sehen. Was leider einige Leute davon abhalten wird ist die eingeschränkte Verfügbarkeit: Wer diesen Film dieser tage sehen will muss sich einer mutmaßlich rar gewordenen Warner - DVD bedienen, wer des englischen nicht mächtig ist wird mangels deutscher Tonspur auf jener Veröffentlichung leider ziemlich gekniffen sein. Aber für diesen Film lohnt es sich glatt, sein Englisch aufzupolieren.

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