Review

Only God Forgives(2013)

Nicolas Winding Refn("Pusher") macht es uns nicht einfach. Weder denen, die ihn schon seit den 90ern verfolgen und erst recht nicht denen, die erst seit "Drive"(2011) dabei sind. Der Stil, den Refn seit "Bronson"(2009), "Walhalla Rising"(2009) oder eben "Drive" verfolgt, ist klar europäisch. Egal ob Lars von Trier("Antichrist"), Gaspar Noe("Irreversibel"), Michael Haneke("Funny Games") oder Alejandro Jodorowski("El Topo"). Refn lebt, liebt und fiebert diese Vorbilder und mischt seine ganz eigene Note, aus langsamen und hypnotischen Musik Bilderspielerein hinzu. Gerade der Soundtrack spielt wieder eine wichtige Rolle in Refn's schaffen und zeugt zusammen mit den tiefen, dunkelroten Bildern für ganz besonders prätentiöses Kino. Ja, mancher mag das als Warnung verstehen. Aber mir ist das Kunstvolle, reichlich Inhaltslose Arthousekino lieber, als 90% aller Sommerblockbuster.

Es geht um einen untergetauchten Mann(Ryan Gosling), dessen Bruder eine junge Frau ermordet. Dieser Bruder wird von einem Cop und dem Vater des jungen Mädchen kalt gestellt und nun sinnt die Mutter(Kristen Scott Thomas) von der Gosling Figur nach Rache für ihren Sohn...

Das klingt ziemlich dünn. Ist es auch. Logik, spannende Schnittmuster, greifbare Figuren und Handlungsbögen sucht man hier vergebens. Auch echte Identifikationsfigure wie noch Tom Hardy's Bronson sind echte Mangelware. Auch die Schauspieler tanzen föhlich nach Refn's selbstverliebeter Klavitur. Egal ob harsches Overaction(Thomas) oder "Fuck-you-ein-und-das-selbe-Gesicht-den-ganzen-Film-lang" No Acting, was Gosling hier neuerdings veranstaltet, fordern den Zuschauer bis an die Grenze. Was will Refn uns hiermit sagen? Ich würde mal sagen...nichts. Und das überrascht den etwas älteren Refn Fan nicht wirklich. Es ist eine elgant gefilmte, kunstvoll durchdachte Blutlache, deren Soundtrack und die Inszenierung im allgemeinen auf allerhöchstem Level ablaufen, inhaltliche Revolutionen fallen hier aber definitv aus.

Nach "Drive" hätte Regisseur Refn eigentlich so gemütlich im Plastik Hollywood Fuß fassen können. Macht er aber hoffentlich nicht so bald. Denn egal ob man das hier schlecht oder gut findet, es ist unabstreitbar interessantes und einprägsames Kino, das man so heute eigentlich kaum noch zu Gesicht bekommt.

Wer eine zweiten "Drive" erwartet, könnte falscher nicht liegen und wird sich vor Enttäuschung noch lange winden. Wer aber vertrackte Meiserwerke wie "Walahalla Rising" mag oder in "i come withe the rain" einen wirklich sehenswerten Beitrag gesehen hat, der darf hier gerne offen herangehen. Nicht sein Meisterstück, das bleibt wohl "Bronson", aber ein sehr interessanter, aber auch ein langatmiger und gewagt sperriger Film.


Time to meet the Devil...6.8

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