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Das Erfolgsteam geht in die zweite Runde. Nach dem Überraschungshit DRIVE tun sich Ryan Gosling (PLACE BOYOND THE PINES, BLUE VALENTINE) und der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn (PUSHER 1-3, WALHALLA RISING) erneut zusammen. So erwartet man mit ONLY GOD FORGIVES einen ähnlichen opulenten Augenschmaus in neongrellen Farben. Mit den Vergleichen zu DRIVE sollte man aber besser zurückhaltend umgehen…

Bangkok: Ein versoffener Ami killt eine minderjährige Prostituierte beim Sex. Dies ruft nicht nur die ortsansässige Polizei, sondern auch einen Überbullen und Samurai-Cop mit weißem Kragen auf den Spielplan. Der Vergewaltiger wird postwendend umgebracht. Julien (R. Gosling), der Bruder des Triebtäters, bekommt von seiner Drogensyndikat-Mama (Kristin Scott Thomas DER ENGLISCHE PATIENT, VIER HOCHZEITEN UND EIN TODESFALL) den Auftrag, das getötete Geschwisterchen zu rächen…

ONLY GOD FORGIVES ist ein kryptischer, farbenprächtiger Rachethriller, den man beim ersten Betrachten gar nicht wirklich begreift. Nie weiß man, auf wessen Seite man sich schlagen soll, wer gut und wer böse ist. Der Film stolpert von der einen Gewaltorgie zur nächsten. Ein zerschmetterter Kopf, Augen werden ausgestochen, ein Arm abgehackt. Auch die Verhältnisse zwischen den einzelnen Charakteren sind unklar. Wer rächt sich eigentlich? Und an wem? Julien (Gosling) hat anscheinend sexuell was mit seiner Mutter am Laufen und wegen des Mutterkomplexes ein gestörtes Verhältnis zu Frauen. Nach deren gewaltsamen Tod schiebt Julien seiner Mutter die Hand in die klaffende Bauchwunde. Goslings Figur loost insgesamt voll ab. Sowohl beim Kämpfen als auch anderweitig. Keine Spur von der Durchschlagskraft des taffen Fluchtwagenfahrers aus DRIVE. Die Musik ist nicht so cool wie in dem Meisterwerk, aber trotzdem sehr stimmig. Manchmal gehen die Dialoge in Synthesizer-Gewummere unter und man muss sich die Handlung selbst erschließen.
Beim Erscheinen des Abspanns fragt man sich, was das denn nun bitteschön gewesen sein soll und welcher wild gewordene Bastard einen da soeben geritten hat. Wenn die Widmung an Alejandro Jodorowsky erscheint, wird einem klar, mit welchen Werken man das Gezeigte vergleichen und in welche Kategorie man den Film stecken muss.
Die Message ist klar: Sextourismus ist scheiße und gehört bestraft! So fungiert der Oberbulle mit dem weißen Kragen und dem Samuraischwert als Fleisch gewordene Rache aller minderjährigen Thai-Prostituierten. Im Zentrum der Wut stehen beinahe alle, die mit Kinder-Prostitution etwas zu tun haben, sei es die Eltern, die nicht eingreifen, die Freier oder dessen Angehörige. Das nenn’ ich mal konsequent!

Fazit:
Alter Schwede…, äh, Däne! Kryptisch, brutal, farbenfroh – ein Rachefilm(?) jenseits aller Konventionen.

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