Review

kurz angerissen*

erstmals veröffentlicht: 18.06.2014

Polanski im reinsten Format, das auf Film möglich ist: Eine Fahrt die stürmische Pariser Allee entlang in den Theatersaal hinein, zwei Akteure im Dunkeln und das Scheinwerferlicht. Ja, Theater und Minimalismus kann der Mann. Seine Frau Emmanuelle Seigner schickt er in ein Duell mit einem jüngeren Ich seiner selbst (Mathieu Almaric) und inmitten des leeren Theatersaals treffen Geschriebenes und Reales aufeinander und vermischen sich zunehmend. Wann gab es im großen Kino zuletzt einen derartigen Atemstocker wie jenen Moment, als das Mädchen von der Straße ihren White Trash ablegt und in Sekundenbruchteilen erstmals ihre Rolle einnimmt? Begünstigt durch den grandios pointierten Score und das extrem nuancierte Foley Design, welches Geräusche zu hören vorgibt, die tatsächlich gar nicht stattfinden, verwandelt sich das flapsig geführte, nur von einseitigem Interesse bewegte Bewerbungsgespräch zu einer Szenerie, der man wie im Bann folgt – ein Moment des Innehaltens, bis die 90 Minuten, die sich anfühlen wie eine ganze magische Nacht, verstrichen sind. Dann erst löst sich die Spannung, doch da führt die Kamera wieder aus dem Saal und bereitet den Abspann vor. Die Dialoge, mal aus einem Drehbuch rezitiert und dann nahtlos doch wieder zu Metadiskussionen transferiert, stecken voller Raffinesse, wirken so einfach und erweisen sich am Ende doch als so komplex – eine Form, die schließlich auch der Film als solcher annimmt.

Auch wenn man in Unkenntnis der Romanvorlage oder etwaiger anderer Verfilmungen das Gefühl haben kann, dass eine Menge Anspielungen unbemerkt verfliegen, so entgeht einem nicht, einen der besten Filme des Jahres gesehen zu haben, eine noch intensivere, konzentriertere Ausarbeitung des ohnehin schon vorzüglichen „Gott des Gemetzels“. Chapeau dafür.

*weitere Informationen: siehe Profil

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