Isabelle (Marina Vacth) ist scheinbar eine ganz normale Teenagerin, die mit ihrer Mutter, dem Stiefvater und ihrem Bruder am Meer Urlaub macht. Sie hat einen Flirt mit einem deutschen Touristen, mit dem sie auch ihr erstes, nicht besonders schönes, aber auch nicht schlimmes „Mal“ erlebt. Zurück in Paris, inzwischen 17, fängt sie an, mit älteren Männern in Hotels gegen Geld zu schlafen. Manche Male sind unangenehm, manche sind sogar ganz okay und sogar fast liebevoll. Als eines Tages ihr „Lieblingsfreier“ unter ihr während des Sexes stirbt, flieht sie in Panik. Leider wurde sie von den Hotelkameras gefilmt, sie fliegt auf und ihre Eltern erfahren, dass sie neben der Schule als Prostituierte gearbeitet hat, ist vor allem ihre Mutter ist geschockt und enttäuscht, zumal Isabelle kein wirkliches „Unrechtsbewusstsein“ entwickelt…
Irgendwie hat mich mein männliches Unterbewusstsein dann doch zu diesem Film geführt: nachdem ich den Trailer gesehen hatte, war meine Neugier geweckt (okay, Marine Vacth, die Hauptdarstellerin ist sehr hübsch), zumal ich dann in Kritiken las, dass der Film Isabelles Verhalten nicht wertet und geradezu distanziert das Geschehen beobachtet.
Und es stimmt: Regisseur Francois Ozon („Swimmingpool“) moralisiert nicht, hebt keinen Zeigefinger, macht Isabelle nicht zu einem Opfer oder einer Getriebenen. Sie entscheidet sich bewusst, so dass in ihrem Alter schon geht, dafür, gegen Geld mit Männern zu schlafen, die mindestens ihre Väter sein könnten. Es gibt ihr Bestätigung (in Form von Geld und Komplimenten), aber sie spart das Geld einfach, sie investiert es nicht in teure Handys oder Klamotten… es ist ein Spiel, um Grenzen auszuloten. Sicher ein extremes Spiel mit Risiken und erst der Herztod ihres Stammfreiers sorgt für einen Ruck in ihr, sich widerwillig, auch unter äußeren Druck, sich mit dem Verhalten auseinanderzusetzen. Dabei fühlt sie sich unter Gleichaltrigen oft fremd und spielt ihrer besten Freundin vor, noch Jungfrau zu sein. Isabelle ist ein sehr schwer zugänglicher, geradezu verborgener Charakter und dennoch schaffen es Francois Ozon und vor allem Marina Vacth sie so darzustellen, dass man sich als Zuschauer auf sie einlässt und sie nicht verurteilt. Gerade ihre Entwicklung nach ihrem Auffliegen ist hochinteressant und lässt erahnen, was sie suchen könnte.
Untermalt wird das Ganze von Liedern von Ikone Francoise Hardy, die über Liebe und die Angst, verlassen zu werden, singt.
Insgesamt ein gelungener Ausflug in die Umbruchsphase einer jungen Frau, die etwas sucht – seien es Zuneigung, Anerkennung, Abgrenzung, Individualität oder Risiken… elegant und bisweilen geradezu kalt gefilmt, dann aber wieder mit sonnigen Farben und einer sinnlichen Atmosphäre. Faszinierend. Irgendwie. 7,5/10.