Review

„Ich wollte fragen, ob ich bei Ihnen ein Bad nehmen könnte. Ich bin ganz dreckig.“

Mit diesen Worten versucht Borgman, ein verwildeter Landstreicher, der soeben sein unterirdisches Domizil im Wald räumen musste, Unterschlupf zu finden. Nach ersten Abweisungen und Prügel kommt er bei einer Familie unter. Zunächst nur heimlich und durch weibliche Gnade. Dann heuert er als Gärtner an. Ein ganzes Rudel Sakko tragende Waldbewohner im Schlapptau.
Borgman borgt nicht. Borgman nimmt. Nicht mit Gewalt. Nicht einmal bestimmend oder mit Nachdruck. Sondern manipulativ. Er lügt, hält sich nicht an Abmachungen, trifft mit seinen Forderungen die wunden Punkte der Wohlstandgesellschaft. Er unterwandert die routinierte Kleinbürgerlichkeit und crasht die heile Fassade. Mit abstrakten Gutenachtgeschichten verführt er Kinder und Jugend. „Jesus ist ein Egoist.“ Alex van Warmerdams bitterböse Satire thematisiert Angst vor Überfremdung und niederländische Gemütlichkeit. BORGMAN beginnt kafkaesk und als verkehrte Welt im Stile von DOGTOOTH. Eine Untergrundbewegung, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Waldboden hausende Zottelmänner. Unterirdische Wohnzimmer und Schlafgemächer. Suburbane Wilde. Im Finale gesteht der Film, dass er die ganze Zeit über FUNNY GAMES betrieben hat. Zwar etwas abgeschwächter und sanfter, aber vom Ergebnis her ähnlich.

Fazit:
Nicht geborgt, sondern überaus originell.

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