Home Invasion kennt viele Gesichter, doch der niederländische Autor, Regisseur und Darsteller Alex van Warmerdam entzieht sich weitgehend genretypischen Konventionen, indem er den roten Faden nach einer Weile komplett ignoriert und zunehmend an die Interpretationsfreudigkeit des Zuschauers appelliert.
Landstreicher Camiel Borgman (Jan Bijvoet) klingelt an der Haustür des gut situierten Paares Marina und Richard. Als sich der Familienvater provoziert fühlt, prügelt er auf den Obdachlosen ein. Kurz darauf bietet ihm Marina seine Hilfe an und lässt Borgman im Geräteschuppen übernachten. Der Einsteig für Borgmans perfiden Plan...
Das erste Drittel lebt primär von seiner Undurchschaubarkeit: Was will der Titelgebende bei der Familie mit Nanny und drei Kindern erreichen? Warum hält Marina die Hilfe vor ihrem Mann geheim und warum lässt man einen gänzlich Unbekannten überhaupt aufs eigene Gelände? Die düstere Atmosphäre weiß zwar von Anfang an zu punkten und die merkwürdige Stimmung schürt ein erhöhtes Interesse, doch die komplett unsympathischen Charaktere und einige unwirklich anmutende Dialoge verschärfen den Eindruck, dass es nicht bei typischer Home Invasion bleiben dürfte.
Nachfolgend entpuppt sich das Geschehen als eine skurrile Mischung zwischen Familienparabel, Alien-Mystery und Satire, was gegen Ende recht groteske Züge annimmt und zunehmend mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Da mischen Hunde mit langen Beinen mit, Giftpfeile werden verschossen, Narben auf einigen Rücken sind zu sehen und manche Gärtner tragen bei schweren Arbeiten einen Anzug. Die Symbolik ist in einigen Szenen unübersehbar, doch gegen Ende wirkt die Chose phasenweise zu beliebig und man wähnt sich beinahe in einem typischen Helge Schneider Film, in dem alle erdenklichen Ideen ein wenig konzeptlos eingestreut werden.
Van Warmerdam will dem Publikum keine eindeutige Auflösung des Geschehens liefern, auch wenn manche Vorgänge in eine klare Richtung tendieren. Folgerichtig dürfte das Werk die Lager spalten, denn wer rasant inszenierte Thrillerware mit fesselnden Konfrontationen und blutigen Einlagen sucht, dürfte herb enttäuscht werden. Geduld, Aufmerksamkeit und Mitdenken sollte man für einen Zugang zum Geschehen mitbringen, um sich zumindest von der Atmosphäre zwischen beklemmend, schwarzhumorig und surreal in Beschlag nehmen zu lassen.
7 von 10