Hangover 3
Todd Philipp's "Hangover" und dessen Fortsetzung haben mit Sicherheit Filmgeschichte geschrieben, waren sie doch die mit Abstand lustigsten Komödien der letzten Jahre. Nachdem Teil 2 stark in die Kritik geraten ist, lediglich ein Abklatsch des ersten Teil gewesen zu sein, versuchte man bei "Hangover 3" eine etwas andere Richtung einzuschlagen. Statt einem wortwörtlichen Hangover nach einem Vollsuffabend, gibt es eine einfache "good vs. bad" Hatz quer durch Tijuana und LA. Mit dabei sind natürlich unsere 4 aus dem Wolfsrudel, sowie Mister Chao. Auf kleinere Chameos wird man, bis auf einen sehr sehr kurzen, wohl verzichten müssen aber was soll's.
"Hangover 3" beginnt eigentlich recht sinnlos, indem wir eine Szene sehen, die schon im Trailer vollends ausgekostet wurde. Alan fährt mit einer Giraffe auf dem Anhänger über den Highway, ehe sie ein rasches Ende an einer Brücke findet. Mit Sicherheit eine lustige Szene, doch nichts weiter als reiner Gimmick. So gestaltet sich auch die Einführung im Gegensatz zu Teil 1 und 2 recht langatmig, indem es weder ein sprichwörtliches "böses Erwachen" gibt, noch sonst etwas. Im Gegenteil: Alan's Familie und Freunde beschließen ihm zu helfen, indem man ihn in eine Therapie schleift. Dass das ganze natürlich mit vergleichsweise viel Handlung und Diskussionen einhergeht, dürfte klar sein.
Wie man es also vermuten konnte, aber keineswegs erhofft hatte, fallen die ersten 15 Minuten von "Hangover 3" recht witzlos aus und selbst im vollbesetzten 500 Leute Kinosaal der Vorpremiere, war größtenteils eine entsetzliche Stille zu hören. Denn ich muss leider sagen: der Film funktioniert anfangs praktisch gar nicht und auch im Anschluss nicht immer so, wie geplant. Dass Alan einschräger Vogel ist, ist bekannt - genauso wie dass er für die meisten Fans der mit Abstand witzigste Charakter war. Doch nach 2 "Hangover" Filmen und "Stichtag", der zwar verdammt lustig war aber eigentlich als eigenständiger Film keinen Sinn ergab (als Rip Off wäre er wesentlich stimmiger gewesen), sind manche Gags ausgelutscht. Ja, er trägt gerne verdammt enge und merkwürdige Kleidung und ja, er benimmt sich wie ein Kind ... wir wissen es. Diese Gags werden in der ersten Hälfte wiedermal zelebriert als gäbe es kein Morgen und eigentlich wären sie auch echt witzig - wären sie nicht schonmal in ähnlicher Form dagewesen.
Auch die eigentlich Handlung hat das typische "Sequel" Feeling an sich haften, da deren in Gang Setzen auch nicht wahnsinnig viel Sinn macht. Wo man bei "Hangover 2" noch recht ungeniert den ersten Teil kopieren konnte, muss man sich eben jetzt eine Story basteln, die irgendwie mit dem ersten Film auch noch zusammenpasst, der jedoch eigentlich als Stand-Alone Streifen geplant war. Also hat man scheinbar den Film mit den Drehbuchschreibern erneut angeschaut und sich die bestmögliche Plotlücke gegrabscht, um darin nochmal ein Storyfragment zu quetschen. Gut, stört nicht weiter, da Komödien sowieso nie die Hochburg verzwackter Geschichten waren, aber ist schon auffällig.
Es gibt wiedermal kleinere Plottwists und anderen Betrügerein, aber ungefähr zur Mitte des Filmes sah ich persönlich "Hangover 3" als einen richtigen Reinfall an. Gott sei Dank schafft es der Streifen, sich im weiteren Verlauf wieder zu fangen. Vorallem Alan's Charakter wird weiter ausgebaut und sobald das Wolfsrudel wieder in Action - und nichtnur am Labern ist - bleibt kein Auge trocken. Ja, der Film wird gegen Ende wieder lustig (vorallem die Szenen im Hotel aus Teil 1) und ich wurde wirklich für den kriechenden, ersten Filmteil entschädigt.
Der Streifen findet prinzipiell auch ein versöhnliches Ende, obgleich die letzten 10 Minuten etwas arg kleinschrittig daherkommen. Im Übrigen lohnt es sich, den Abspann noch hinter sich zu bringen, denn da gibt es noch eine kleine Überraschung, die wirklich auf einen vierten Teil hoffen lassen könnte, der meiner Meinung trotzdem gerne kommen kann.
Auch wenn es nicht allzu positiv klingt, so ist "Hangover 3" kein Reinfall. Was man aber klar und deutlich sagen muss ist, dass er mit Abstand der schlechteste Teil der Reihe ist, da ihm nichtnur das Feeling der ersten beide Teile abanden gekommen ist (nicht zuletzt aufgrund der Storyänderung), sondern auch weil einige Gags eben doch sehr repetetiv und redundant wirken. Trotzdem ist der Film sehenswert und gerade für Fans des Wolfsrudel ein absolutes Muss!
7.5/10