„Pacific Rim" ist sowohl in kommerzieller als auch in künstlerischer Hinsicht die mittlere Enttäuschung der Blockbuster-Saison 2013. Können die zentralen Auseinandersetzungen zwischen Robotern und Monstern noch der Erwartungshaltung standhalten, fehlt dem Film genau das, was Fans an Guillermo del Toros Filmen sonst so sehr schätzen: Eine Seele und Protagonisten, die zum Mitfiebern einladen. So geraten die brachialen Materialschlachten am Ende ähnlich egal wie die mauen Fortsetzungseskapaden aus dem Transformers-Universum von Michael Bay.
20 Jahre nach Auftauchen der ersten Kaijus, riesenhaften Aliens aus einem Dimensionen-Tor im Pazifik, steht die Menschheit vor ihrer Auslöschung. Als letzte Hoffnung reaktiviert Kriegsveteran Stacker Pentecost (Idris Elba) das gescheiterte Jäger-Programm, in denen Piloten riesenhafte Kampfroboter im Kampf gegen die Aliens führen. Einer von ihnen ist der ausgebrannte Raleight Becket (Charlie Hunnam), der zusammen mit der talentierten aber unerfahrenen Mako Mori (Rinko Kikuchi) in dem veralteten Jäger Gypsy Danger in die entscheidende Schlacht um die Rettung der Menschheit zieht.
Mit Harry Hoyts Dinosaurier aus „The Lost World" (1925) enterten erstmals überdimensionale Monster die Kinoleinwände, der Kassenschlager „King Kong und die weiße Frau" (1933) revolutionierte dann ein ganzes Genre: Nach dem Motto „size matters" erwuchsen Filmmonster fortan gerne zu turmhohen Bedrohungen, denen die Menschheit nur mit den Errungenschaften der modernen Technologie beikommen konnte. Es folgte eine wahre Schwemme ähnlicher Giant-Monster-Movies, die aber erst im Verlauf der 1950er-Jahre zur vollen Blüte reiften. Einen erheblichen Anteil daran hatten die visionären Stop-Motion-Arbeiten von Ray Harryhausen, der mit „Panik um King Kong" (1949) erstmals Aufmerksamkeit erregte. 1952 wurde King Kong erfolgreich wiederaufgeführt, hinzu kamen Streifen wie „Panik in New York" (1953), „Formicula" (1954), Schrecken vom Amazonas", (1954), „Das Grauen aus der Tiefe" (1955) und „Tarantula" (1955). Zeitlich griff die junge japanische Filmindustrie den Trend auf und etablierte mit „Godzilla" (1954) eines der prägnantesten Filmmonster der Filmgeschichte. In der Folgezeit entstanden auf der Insel unzählige der so genannten „Kaiju-Movies" („Kaiju": japanischer Begriff für Monster). Neben Godzilla, der es mittlerweile auf über 28 Filmauftritte bringt, schickten die Japaner bis tief in die 1970er-Jahre immer absonderlichere Kreationen ins Rennen, unter denen vor allem „Mothra, die Riesenmotto" Einzug in die Popkultur fand. Ab 1974 kämpfte in der japanischen Serie „Super Red Baron" eine Truppe Piloten in einem Riesenroboter gegen turmhohe Monster aus dem All.
Klingt alles verdächtig nach „Pacific Rim"? Kein Wunder, denn tatsächlich will der Sommerblockbuster auch gar nicht mehr sein, als ein State-of-The-Art-Best-Of bestehender Monster-Movie insbesondere Kaiju-Streifen. Auf dem Papier bietet „Pacific Rim" (2013) auch die perfekte Spielwiese für Guillermo del Toro, dem der Ruf anhaftet, das Kind im Manne besonders detailverliebt, schrullig und herzlich auf Leinwand bannen zu können. Das Bemühen merkt man dem Endprodukt auch durchaus an, so inszeniert del Toro seine Jäger in einer eigentümlichen Mischung aus Steampunk und Hightech. Trotz holografischer Benutzerinterfaces zischt und dampft es aus allen Schweißnähten. Die Piloten müssen schwerste körperliche Arbeit verrichten, um die riesenhaften Kampfmaschinen zu lenken. In den riesigen Hangars blättert der Lack vom Stahl und tropft der Rost förmlich von der Decke. In den Kämpfen kommen weniger Hightechwaffen als vielmehr Titanfäuste ans Fressbrett der außerirdischen Invasoren.Diese Kämpfe sind trotz ihrer Länge kurzweilig inszeniert, optisch zumeist ein echter Augenöffner und vorbildlich getrickst. Den Piloten zur Seite stellt del Toro nicht nur einen exzentrischen Kaiju-Organschieber, sondern auch ein verschrobenes Wissenschaftlerduo, das zwar herzlich inkompetent wirkt, letztendlich aber den Löwenanteil der Story bewältigen darf. Trotz dieser typischen del Toro Elemente wirkt „Pacific Rim" (2013) seltsam steril, ja stellenweise richtig leblos. Schuld daran trägt ein weitestgehend blasses Drehbuch, das sich inhaltlich weitestgehend darin genügt, als Hommage an die großen Kaiju-Vorbilder zu funktionieren, darüber hinaus aber kaum kreative eigene Ansätze findet. Nett ist die Idee, die Kaijus ähnlich Naturkatastrophen in verschiedene Kategorien einzuteilen. Schleierhaft bleibt allerdings was genau ein weltweiter Schutzwall gegen die Kaijus eigentlich bringen soll und genauso unterwältigend fällt die entscheidende Entdeckung der beiden Wissenschaftler im finalen Endkampf aus. Wenn sich nach einer rasanten Einführung in die Welt von „Pacific Rim" das Tempo gefühlte 5 Gänge zurückschaltet, dann ist das allerdings nicht nur dem holperigen Drehbuch, sondern auch den blassen Hauptcharakteren geschuldet, deren Geschichte und Probleme eigentlich nie wirklich an Herz wachsen. Nach den Regeln des Blockbusterkinos sind die beiden Piloten sowie ihr Arbeitsgerät natürlich die denkbar unwahrscheinlichste Wahl, um die Welt zu retten. Leider laden ausgelutschte Storyarcs um traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit und die konturlose Darstellung des äußerst blassen Charlie Hunnan („Sons of Anarchy") und der nur geringfügig charismatischere Rinko Kibuchi kaum zum Mitfiebern ein. Charlie Hunnan Präsenzproblem geht so weit, dass man ihn stellenweise mit seinem internen Antagonisten aus dem Konkurrenzteam verwechselt.
Zudem bringt del Toro bringt irgendwie das einmalige Kunststück fertig, Idris Elba („Prometheus") als Befehlsgeber im sauertöpfigen Dauerautoritätsmodus vollkommen zu verkochen. Zwar sparen sich del Toro und Elba dankbarerweise jeglichen Anflug von Patriotismus, interessanter wird sein Charakter dadurch aber nicht. Am ehesten okay gehen da eigentlich noch Charlie Day („Kill The Boss") und Burn Gorman als Wissenschaftler und nominelle Comic Reliefs, auch wenn deren Kabbeleien selten wirklich zünden. Schmerzlich kurz fällt der Auftritt von „Hellboy" Ron Perlman auf - er lässt erahnen, wie unterhaltsam die ganze Chose hätte werden können.Unter diesen Vorzeichen leiden auch die wirklich unterhaltsam inszeniert und choreografierten Kämpfe zwischen Kaijus und Jägern. Mit brachialer Kinetik lässt del Toro Titanstahl auf Plattenpanzer in episch langen, aber niemals langweiligen Gefechten ineinanderkrachen - doch auch die schönste technische Umsetzung hilft nur bedingt, wenn man nur bedingt mitfiebern kann, weil einem die Charaktere im Grund herzlich egal sind. Zudem kann trotz modernster Tricktechnik zu keinem Zeitpunkt das inszenatorische Grundproblem aller Giant-Monster-Movie befriedigend gelöst werden. Obwohl die Monster durch bewohnte Gebiete wüten, und Menschen panisch Richtung Himmel deuten, stellt sich niemals das Gefühl einer wirklichen Bedrohung ein. Wenn die Schlacht am Ende geschlagen ist und sich im Abspann artig bei dem jüngst erstorbenen Ray Harryhausen und Kaiju-Legende Ishoro Hondo bedankt wird, wird einem vollends bewusst, hier einem puren Abziehbild ohne eigenen Ansätze beigewohnt zu haben. Das befriedigt im gewissen Maße, macht aber alles andere als satt.„Pacific Rim" ist zwar der angekündigte Monsterquatsch für kleine und große Kinder geworden, aber dabei nur leidlich unterhaltsam geraten.
Die austauschbare Heldengeschichte wird von noch austauschbaren Darstellern bevölkert. Bei der Fülle positiven Kritiker sei der obligatorische del-Toro-Bonus mal rausgerechnet, tatsächlich ist „Pacific Rim" der schwächste Film des Spaniers. Das ist auch deshalb traurig, da es einer der ganz wenigen Blockbuster ist, die kein Reboot, Pre- oder Sequel sind, bzw. auf einer Comic-, Buch-, Brett- oder Videospielvorlage basieren.
Daran werde ich mich erinnern: Ein Kaiju bekommt mit Container-Schlagringen die Kauleiste gerichtet.