Review

Lange Zeit musste man auf einen neuen Film von Guillermo del Toro warten, nachdem sein Wunschprojekt „Mountains of Madness“ kein grünes Licht bekam und der nicht die Regie beim Hobbit übernahm, doch fünf Jahre nach „Hellboy 2“ war es wieder soweit.
Eine kurze Einführung durch Raleigh Becket (Charlie Hunnam) erklärt kurz die Welt von „Pacific Rim“: Im Jahr 2013 entstand ein Dimensionsriss durch den Aliens auf die Erde kamen, nicht aus dem All, sondern aus den Tiefen des Meeres. Die Kaiju genannten Riesenmonster konnten durch Jäger genannte Riesenroboter bekämpft werden, die von zwei Piloten durch eine Drift genannte Gehirnstrom-Verbindung gesteuert werden. Raleigh und sein Bruder Yancy (Diego Klattenhoff) waren die Starpiloten, doch als ein Kaiju den Jäger der beiden bei einem Kampf im Jahre 2020 zerstörte und Yancy starb, war es das mit Raleighs Pilotenlaufbahn. Kurz und funktional führt del Toro den Helden, dessen Trauma und das Szenario ein und baut gleichzeitig noch eine fulminante Auftakt-Actionsequenz ein.
2025: Mittlerweile wurde das Jäger-Programm als ineffektiv eingestuft worden, da es zu viele Verluste unter den Piloten gab und es nur eine begrenzte Anzahl kompatibler Kandidaten gibt. Eine riesige Wand soll die Monster draußen halten, hat bereits Erfolge erbracht und zu den Arbeitern, die daran herumschrauben, gehört auch Raleigh. Stacker Pentecost (Idris Elba), der Chef des Jägerprogramms, warnt vor dessen Einstellung, erhält aber nur noch eine Finanzierung für 8 Monate. Er holt Raleigh zurück, da er nicht glaubt, dass die Mauer eine Dauerlösung ist, was eigentlich klar wie Kloßbrühe sein müsste, doch da „Pacific Rim“ wie geschmiert läuft, bemerkt man diese Unglaubwürdigkeit kaum.

Die Forscher Newton Geiszler (Charlie Day) und Gottlieb (Burn Gorman) erforschen die Kaiju-Angriffe und erkennen Muster dahinter – unter anderem, dass sie immer stärker werden. Deshalb plant Pentecost mit den verbliebenen Jägern eine Mission zu starten, welche den Krieg gegen die Aliens ein für allemal beenden soll…
Es ist „Pacific Rim“ einfach anzusehen, dass es sich um popkulturellen Raubbau durch einen überzeugten Fanboy handelt: Die Story erinnert nicht von ungefähr an die japanische „Neon Genesis Evangelion“-Serie, die Kaiju erinnern an die Kreaturen alter Monsterfilme, wobei die Roboter-contra-Aliens-Matches hier mit Effekten in „Transformers“-Qualität aufbereitet werden. Der internationale Markt ist im Blick, neben asiatischen Darstellern, Schauplätzen und Monstertraditionen für die dortige Kinolandschaft gibt es auch Schmankerl für die deutschen Fans, sei es der deutsche Wissenschaftler Gottlieb (zumindest dem Namen nach) oder die Bezeichnung Jäger (auch im Original) für die gigantischen Robos. Del Toros Stammschauspieler Ron Perlman, gleichzeitig Hunnams Co-Star in „Sons of Anarchy“, hat eine schräge Nebenrolle als Händler von Kaiju-Überresten, das Monsterdesign lässt auch leicht Lovecraft-Inspirationen erkennen, bei dessen Werk sich del Toro ja gerne bedient.

„Pacific Rim“ stellt sich dem Trend entgegen Sommerblockbuster mit Subtexten oder dem ganz großen Drama aufzuladen (was in Filmen wie „The Wolverine“ ja herzlich misslang), sondern ist tatsächlich simpel und funktional gehalten: In regelmäßigen Intervallen stattfindende Kaiju-Angriffe sorgen für Rambazamba, dazwischen wird der Plot vom Gegenschlag vorangetrieben und die Figuren in überschaubarem Rahmen weiterentwickelt. Klar, dass US-Hero Raleigh sein Trauma überkommt und den Sinn im Leben wiederfindet, doch del Toro erzählt die alte Geschichte so temporeich und überzeugend, dass die bekannten Versatzstücke nicht negativ auffallen. Natürlich ist del Toros B-Film-Hommage mit Standardcharakteren und Klischees aufbereitet, aber auch mit so viel Drive und Sinn für Dramaturgie, dass es gar nicht stört, weder die mit Akzent labernden Russen noch die stets höflichen Japaner.
Denn del Toro erzählt das, was er erzählt mitreißend, mit gelegentlichem Pathos, der in den Sessel drückt statt zu nerven („Today we are canceling the apocalypse!“) und einem Schuss Humor, wobei die Clownereien der beiden Wissenschafts-Nerds hin und wieder vielleicht ein wenig zu weit gehen. Doch damit zeigt „Pacific Rim“, dass er sein Untergangsspektakel mit Ironie und ohne die behauptete gravitas einiger anderer pseudoanspruchsvoller Sommerfilme angeht, dass er sich seiner Wurzeln im B-Film und im Spektakelkino bewusst ist, dass er mit einem Augenzwinkern arbeitet.

Vor allem aber lässt del Toro bei den Action-Set-Pieces so richtig die Kuh fliegen: Zu Land, im Wasser und unter der Meeresoberfläche beharken sich die Konfliktparteien mit Fäusten, Tentakeln, Raketen, Blastern, Zähnen, Kettenschwertern und allem, was den Machern noch so einfiel. Die Effekte sind erste Sahne, eine Vielfalt von Kampfarenen, Monstern und Mechas hält bei Laune. Grandios ist vor allem die Randale in Hongkong, die gleich mehrere Magic Moments, darunter die Metamorphose eines Kaijus, Eisenbahnwaggons als Schlagringe und die Zweckentfremdung eines Schiffs als Keule parat hält. Da kann der Schlussfight nicht mehr ganz mithalten, zumal hier der eine oder andere, eventuell auf dem Mist des Studios gewachsene Schönheitsfehler zu finden ist. *SPOILER* Die Flucht und Rettung von Raleigh und seiner Co-Pilotin erscheint etwas märchenhaft, das Selbstopfer wäre konsequenter gewesen, aber vielleicht war die Verlockung eines Sequels mit Originalbesetzung für das Studio oder die Macher allgemein zu groß. Die Abschiedsszene Pentecosts und seines Co-Piloten deutet schon an, dass dort die Zeichen auf Heldentod stehen, doch trotz aller Vorhersehbarkeit ist diese Szene mit so viel Herz und Emotion gemacht, dass andere Filmemacher sich daran ein Beispiel nehmen können. *SPOILER ENDE*
Charlie Hunnam punktet als hemdsärmeliger Held mit Herz, Witz und Charme, während Idris Elba seine Bandbreite fast vollends ausspielen kann, während er bei vorigen Kinoauftritten („The Losers“, „Prometheus“) meist eingeschränkt war. Rinko Kikuchi ist in der weiblichen Hauptrolle okay, aber verblasst hinter den beiden männlichen Leads, Charlie Day und Burn Gorman supporten trotz gelegentlichen Overactings charmant und Ron Perlman gibt sich mal wieder in bester Spiellaune. Der Rest vom Fest: Kaum der Rede wert und schnell vergessen.

Nein, mit „Pacific Rim“ erfindet del Toro das Rad nicht neu, Klischees und stereotype Charaktere gibt es hier zuhauf, doch der Regisseur beweist wie gut ein Film trotzdem funktionieren kann: Der funktionale Plot wird mit dramaturgischen Geschick und emotionaler Wucht packend erzählt, die Figuren funktionieren durch die Bank weg und die Action ist erste Sahne. Insofern ist del Toros bildgewaltige B-Film-Hommage trotz einiger Schönheitsfehler richtig fettes Blockbusterkino, das vor allem auf Großleinwand seine volle Wirkung entfaltet.

Details
Ähnliche Filme