Gambling Movies existierten schon früh im HK Kino und können dementsprechend auf eine lange Tradition zurückblicken, doch der König der Spielerfilme entstand 1989 mit Wong Jing’s God of Gamblers, dessen Erfolg eine wahre Flut von Filmen dieser Art hervorrief, wobei man allein mit der Entwirrung der offiziellen und weniger offiziellen Sequels schon eine gute Weile beschäftigt wäre.
Was den Film nun so besonders macht ist erstmal auf die Darstellung Chow Yun Fat’s als Ko Chun, dem Do San = God of Gamblers zurückzuführen, dessen einnehmende Interpretation der Rolle mit zu den hervorstechendsten und bekanntesten Figuren seiner Filmgraphie werden lässt. Auch der Zuschauer weiss bereits nach wenigen Sekunden durch die Art der Inszenierung und dem Anspielen des eingängigen musikalischen Themes, dass der Mann was ganz besonders ist; leicht übernatürlich erscheinende Kräfte im Glückspiel inbegriffen.
Nachdem er in San Francisco und Tokio für Aufsehen sorgte und die jeweiligen Partien für sich entschied, bitte ihn sein unterlegener Freund Wang [ Luk Chuen ] um einen persönlichen Gefallen: Ko Chun soll an seiner Stelle in 14 Tagen eine Partie gegen den offensichtlich nicht ganz koscheren King Chan Kam-Shing [ Baau Hon Lam ] spielen. Ko Chun willigt ein.
Parallel dazu wird in kleinen Portionen auf den Luftikus und Möchtegern Knife [ Andy Lau ] geschnitten, der mit seiner Freundin Jane [ Joey Wong ] und Kumpel Crawl [ Ronald Wong Ban ] das Spielen mehr schlecht als recht zum Lebensunterhalt betreibt und sich dabei mit Kleingaunern in Hinterzimmern rumärgern muss.
Doch einen [un]glücklichen Zufall landet Ko Chun in Minute 30 in Knife’s Garten, durch seinen schwer angeschlagenen Kopf seiner Erinnerung beraubt und auch keine Identifikation bei sich.
God of Gamblers hat einen für Wong Jing Verhältnisse geradezu übersorgfältigen Aufbau, es wird sich ausreichend Zeit für die Vorstellung der Personen genommen, auch ihre gegenseitigen Beziehungen zueinander werden behutsam entwickelt.
Eine mögliche klamaukige Herangehensweise – Ko Chun ist nunmehr für einen Grossteil des Filmes auf einen kindlichen Zustand retardiert – wird vermieden, die Figuren weiterhin ernst genommen und behandelt, ohne aber mit dem moralischen oder dem sentimentalen zu kommen.
Ko Chun und Knife sind aufeinander angewiesen: Ko Chun verändert und bereichert in potenziell ähnlichen Situationen das Leben von Knife, dieser ist im Gegenzug für den sprunghaften und hilflosen Charakter verantwortlich. Erkennbar folgt der Film hierbei der Rain Man Formel in Kurzform, nicht ohne allerdings den leichten Ton und auch einige Actioneinlagen zu vergessen.
Obwohl es wenig reine Effekthascherei gibt, verfügt God of Gamblers über drei prächtig strukturierte Actionszenen von Paul Wong Kwan, die sich jeweils steigern und auch einen ganz unterschiedlichen Aufbau haben, auch überraschend langsam und gerade dadurch effektvoll inszeniert sind.
Die erste Sequenz und damit indirekt auch für das Zusammentreffen der beiden Protagonisten sorgend, ist ein Überfall im Zug auf Ko Chun, der sich in Seelenruhe von seinem Bodyguard Dragon [ Charles Heung ] verteidigen lässt.
Später sorgt ein geldgieriger Kredithai [ Ng Man Tat ] für Ärger, auf der Flucht sprintet Knife ausgerechnet auf die Aussenfassade eines Stundenhotels, wo sich zwischen 2 Bambusgerüsten geprügelt wird; spielerisches Katz – und Mausspiel mit einigen akrobatischen Aktionen ist die Folge.
Die einzige bleihaltige Sequenz findet in einer Mall und anschliessend HK – typisch im Parkhaus statt, bedient auch die längeren Einstellungen und kultiviert die „Auferstehung“ von Ko Chun ausgerechnet im einzigen Blutbad des Filmes, zuckende und im Kugelhagel tanzende Leiber inbegriffen.
Der Showdown wird natürlich mit Karten ausgetragen, ist auch für Unkundige verständlich inszeniert und sorgt für den passenden Abschluss. Vorherige Spiele drängen sich auch nicht zu sehr in den Vordergrund und dienen eher als Begleiterscheinung der Handlung, nicht als Ersatz.
Hapern tut es bei einigen Episoden, die wie zufällig addiert wirken, entweder um die Geschichte unnötig zu strecken oder fast vergessene Personen schnell wieder einzufügen und als Alibi für den Fortgang zu verwenden.
Dazu gehören die Sequenz mit Jane und ihren Eltern ebenso wie die nach 11 Tagen mal wieder aufgreifende Szene mit Ko Chun’s Frau Janet [ Sharla Cheung Man ], die auch recht plump und so ganz nach Klischee gestrickt wurde.
Die bewährte Box Office Formel wird im Nachfolger fortgesetzt, der allerdings ansonsten schon etwas andere, lautere Töne anschlägt.