So richtig will es mit dem Neuanfang der "Hammer Studios" nicht klappen, denn auch wenn der Kinofilm "Die Frau in Schwarz" kurzfristig ein wenig Publicity einbrachte, benötigte der im selben Jahr produzierte Streifen von Regisseur John Pogue doch zwei Jahre zur Veröffentlichung. Kein Wunder, denn derart gelagerte Geschichten gibt es mittlerweile wie Sand am Meer.
England 1974: Professor Coupland (Jared Harris) und drei Studenten wollen in einem Landhaus beweisen, dass Patientin Jane Harper (Olivia Cooke) nicht etwa besessen ist, sondern ihre gestörte Psyche scheinbar übernatürliche Phänomene hervorruft. Doch nach einiger Zeit kommen Kameramann Brian (Sam Claflin) Zweifel, ob Janes Vorgeschichte nicht doch eine größere Bedeutung zuteil kommen sollte...
Die Geschichte beruht vage auf einem Okkult-Experiment einiger Wissenschaftler in den 70ern, wonach sie kollektiv einen Geist erschaffen haben sollen. Hier wird der Geist indes gleich mitgebracht, denn Jane kommuniziert über eine Puppe mit Evi, welche schreckliche Erfahrungen mit Feuer gemacht haben soll.
Stellt sich ergo die Frage nach einem Geist, telekinetischen Fähigkeiten oder einer kranken Seele.
Das Flair der Siebziger bekommt Pogue recht gut hin, die Einrichtung des Landhauses, die Kleidung, einige Fahrzeuge und ein Großteil der Frisuren fallen glaubhaft aus und auch die Farbgebung ist zumeist stimmig. Besonders gelungen ist die Integration einiger Found Footage Einlagen: Einerseits durch Brians Kamera mit entsprechenden Filmfehlern, kleinen Aussetzern und minimalen Wackeleffekten, andererseits durch noch älteres Archivmaterial in Schwarzweiß, wo ein junger Patient bei heiklen Experimenten gefilmt wird.
Was Pogue hingegen versäumt, ist seine Geschichte spannend aufzubauen, denn diese tritt phasenweise merklich auf der Stelle, Szenenabläufe wiederholen sich und enden ohne Pointe und auch die gruseligen Einlagen halten sich zu sehr in Grenzen oder werden ärgerlicherweise abrupt unterbrochen, um an anderer Stelle neu anzusetzen. Von geisterhaften Einlagen fehlt lange Zeit jede Spur, eine Seance endet unspektakulär, während zwischenmenschliche Konflikte wie sexuelle Begierden, Mitgefühl, Machtkämpfe oder auch Misstrauen nur oberflächlich abgehandelt werden.
Dabei ist den Darstellern gewiss nichts vorzuwerfen, Olivia Cooke performt als Jane sogar deutlich überdurchschnittlich, doch wenn gegen Ende lediglich ein wenig Budenzauber bemüht wird, um überhaupt etwas Bewegung ins Spiel zu bringen, vermag die eigentlich gelungene Auflösung auch nicht mehr viel zu kaschieren.
Die wenigen Effekte sind trotz kleiner CGI-Mängel okay in Szene gesetzt, die Sounduntermalung ist ebenfalls passabel, doch eine leicht beklemmende Grundstimmung reicht beileibe nicht aus, um den Genrefreund über 94 Minuten bei der Stange zu halten.
Auch wenn die Leutchen von Hammer der Tradition atmosphärischer Gruselfilme folgen, - bei diesem will der Funke nicht wirklich überspringen.
4,5 von 10