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Verdienst im Überschuss und dies auch mit unlauteren Mitteln ist nur der Aufhänger für Go Bo-shus Kung Fu Komödie; alles Weitere im schon optisch üblichen und auch sonstig formell überhaupt und materiell sowieso im gewohnten Gepräge gleicht sich wieder der Geschichte einer Rache an. Eine Abrechnung soll vollzogen werden, die Übeltäter erst gesucht, dann gefunden, dann ihrer zwingenden Strafe zugeführt werden, koste es, was es wolle, um jeden Preis und unbedingt. Das Drehbuch von Vielschreiber Ni Kuang ruht sich weitestgehend auf dieser einen Ideen-Assoziation aus, und werkelt die grobe kathartische Handlung mit manchen Erweiterungen und noch mehr Ausdehnungen im Stil eher harmlos erscheinender, da närrisch wirkender Lebendigkeit daher.

Der Unterton eines Lustspiels zusammen mit vielerlei Kampfesertüchtigung als Verselbständigung des Genres zusammen mit einem recht eingeschränkten Aktionsraum ergibt den gewissen Eid der Treue, den die Gattung Martial Arts ab 1970 ablegen ließ. In der Entwicklung ein wenig gelähmt, dafür aber mit der simplen und in den meisten Fällen auch unverhohlen ausgesprochenen Absicht der geradlinigen Unterhaltung; ein Zweckverband der Zerstreuung, ein Wenig von Jenem und ein Wenig von Diesem, und darüberhinaus die außerordentlich allgemeine Aufregung:

Direkt nach der Aufdeckung eines mit Lug und Betrug arbeitenden Casinos wird der ermittelnde Chief Guard Kao Chin-ying [ Tin Yau ] von dem Killer "Iron Fingers" [ Yasuaki Kurata ] mit einem kräftigen Prankenhieb in das Gesicht umgebracht und die Spielhölle in die nächste Stadt verlegt. Ein Jahr später suchen Kaos Töchter Tien-feng [ Hsu Feng ], die sich als "Fiery Phoenix" einen Namen erworben hat, die ungleiche Po-po [ Woo Gam ] und ihr Begleiter Hu Li [ Chan Wai-lau ] noch immer nach dem Mörder, wobei sie zum Lebensunterhalt während der Fahndung auch allerlei Schabernack treiben, vor allem allzu aufdringliche Verehrer in die Falle locken und anschließend ausnehmen. Als sie eines Tages in das Dorf von Boss Chen [ Tien Feng ] gelangen und sich dort an dessen lüsternen Manager Chou [ Suen Yuet ] schadlos halten, wissen sie noch nicht, dass Chen den so dringend Gesuchten in seinem Heim aufbewahrt und ebenso dienstliches Interesse beim Polizisten Wen [ Wong Yuen-san ], in Begleitung seiner Schwester Hsiao Ho [ Cindy Tang Hsin ] erweckt hat. Derweil setzt der gleichfalls auf der Flucht befindliche Liu San Hu [ Sit Hon ] seinem missmutigen Gastgeber Chen mit Drohungen und Erpressungen zu.

Am Anfang und am Ende sprechen die Fäuste, dazwischen auch, so dass man einen etwaig feministischen und so auch nur irgendwie andersartig gelagerten Blick der ehemaligen Shaw-Regisseurin Go auf die Materie nahezu komplett verneinen kann. Das einzig wohlwollend erkennbare und so auch herausstechende Merkmal aus der sonstig egalisierenden Prägung ist der Umstand, dass den Frauen trotz einer eher als Vernachlässigung jeder Charakterisierung zu beschreibenden Dramaturgie ein gewisser solidarisierungssüchtiger Zweck – und den Männern oft nur die Rolle an nur an das Eine denkende Trottel – zugestanden wird. Nicht nur, dass die Damen ausnahmsweise auch ihren Anteil an dem Geschehen und seinen Prügelattacken haben, sie stellen sich sogar als die eigentlich Tatkräftigen heraus und leisten nicht bloß, sondern auch mehr als die reine Vorarbeit.

Zudem sind die drei weiblichen Wesen als die wahren Gewerbsgenossen durchweg unterschiedlich, wenn da auch bequem sinnfällig gezeichnet und heben sich zusätzlich schon durch die Kleidung mit anschließendem Gebaren voneinander ab. Während Tien-feng die Stille im Hintergrund, da aber auch ehrlich nach Vergeltung dürstende und den Mord an ihrem Vater noch im Albtraum zu bewältigende Vergelterin darstellt, betrachtet Po-po die Tour durch das Land eher als närrischen Gelderwerb und zusätzlich wohl auch als eine Art bekömmlichen Vorspiels.
In diesem Sinn anschaulich ideal verkörpert vom Starlet Woo Gam, die mit ihren Reizen nicht geizt, dem eher feisten Gesicht, dem offensiven, aber auch billig parfümierten Charme und dem leicht wohlgenährten Körper allerdings recht aufdringlich wirkt, eine auffallend blassrosa Damentracht inklusive. [Die unberührt erscheinende Hsu Feng trägt meist dunkles Blau.] An dieser wenig prosaischen, manchmal sogar vulgären Rolle hängt sich auch die pragmatische Zusammenhangslosigkeit der Ereignisse mit all ihren physischen Repräsentanzen auf, es wird geflirtet, dann verprügelt, oder auch in anderer Reihenfolge – "Why so serious ? Now, who wants to kiss me ?" – , ob nun mit recht närrischen Einlagen oder den erbitterten Darbietungen.
 
Grundsätzlich ist dies solide dirigiert, ob nun in einer derart engen Seitengasse, dass theoretisch kaum Platz für schwungvolle Beinarbeit sein dürfte, sich aber trotzdem durch die Mauern entzwei oder später mit unmittelbarem Schaden durch umso offenere Restaurants getreten wird. Wahrlich hervorstechend sind dabei aber immer nur die Szenen, in denen die Frauen mit ihrer Nicht-Rigorosität außen vorgelassen und die Techniken von Yasuaki Karata und damit das das Beste zum Vorschein gebracht werden. Vor allem der minutenlange Showdown, in dem sich auf das Erbittertste durch das Wohnzimmer und dem Vorgarten des Bösen und dies inklusive einiger Stunts wie dem Sprung durch Fenster, dem Einreißen des Mobiliars oder dem Gleitflug durch den Raum geprügelt wird, ist ein hochkonzentrierter Siedepunkt für sich; eine standes- und fachgerechte Krönung des sonst eher Durchschnittlichen.

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