Es gibt Neuigkeiten aus Redneckland zu berichten, denn zuweilen reicht den Einsiedlern eine ominöse Grube mitten im Wald aus, um mal eben ein Familienmitglied zu opfern. Das olle Schlammloch mitsamt ihren Anbetern kommt allerdings bei weitem nicht so mystisch daher wie Autor und Regisseur Chad Crawford Kinkle das offenbar im Vorfeld anvisierte. So reichert er die Story mit kleinen übersinnlichen Erscheinungen an, was im Kontext einer eher bodenständigen Erzählweise wie ein Fremdkörper wirkt.
Der Clan um Ada (Lauren Ashley Carter) lebt seit Jahrhunderten einsiedlerisch im Wald und hegt nur selten Kontakt zu den Menschen in der Stadt. Eine Grube richtet über ihr Schicksal, denn ein Töpfer mit Visionen fertigt Antlitze derer aus Ton an, die als nächstes für die Grube geopfert werden sollen. Als Ada ihr eigenes Abbild findet, versteckt sie die Modellierung im Wald und bringt damit das Schicksal der kompletten Sippe durcheinander...
Kinkle hat seinen Erstling deutlich als Drama mit kleinen Horror-Einschlägen konzipiert, was sich zwar auf den ersten Blick deutlich von gängiger Genreware abhebt, im Verlauf jedoch auch eklatante Schwächen jener Gewichtung offenbart. Bis auf Ada und den Töpfer Dawai erhalten die Figuren kaum Tiefe und sind zu klischeehaft gezeichnet, etwaige Hintergründe über den Kult mit der Grube werden komplett ausgespart und auch wenn es andeutungsweise ein paar unmenschliche Verhaltensweisen zu erhaschen gibt, gehen Splatterfans bis auf zwei Kehlenschnitte und Gekröse in verschwommenen Bildern nahezu leer aus.
Zuweilen punkten zwar kleine emotionale Einschübe und die Besuche Adas bei ihrem Großvater kaschieren ein wenig die inzestuöse Beziehung zu ihrem Bruder, doch zum packenden Mitfiebern lädt ihre Figur dennoch kaum ein. Das liegt größtenteils an der überaus ruhigen Erzählweise und an der Ereignislosigkeit der Geschichte, welche irgendwann mystische Erscheinungen wie den Geist eines Gemiedenen benötigt, um überhaupt ein wenig Abwechslung zu schaffen. Wobei jene Erscheinungen zwar visuell ansprechend in die Szenerie geworfen werden, doch zum eigentlichen Verlauf der Story trägt dies kaum bei.
Vielmehr geht es um das Gefüge einer Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder zwar nicht völlig degeneriert erscheinen, doch der unbeirrbare Glaube an die Macht der Grube will dennoch nicht gänzlich überzeugen, zumal eigentlich Töpfer und Medium Dawai über etwaige Schicksale entscheidet. Der in rauen Mengen konsumierte, selbst gebrannte Schnaps dürfte zwar einige irrationale Entscheidungen herbeiführen, doch gegen Ende häufen sich Verhaltensweisen, die auch im Kontext einer Rednecksippe nicht mehr haltbar erscheinen, wobei der Ausgang folgerichtig nicht befriedigen kann, da er keine wirkliche Pointe mit sich bringt.
Was bleibt, sind die durchweg solide Darstellerleistungen mit Lauren Ashley Carter als Ada, Larry Fessenden als ihr Filmvater und Sean Young als fiese White Trash Mutter. Relativ makellos arbeitet auch die Kamera, nur der Schnitt ist zuweilen zu sehr auf TV-Niveau getrimmt, während der Score insgesamt eher im Hintergrund bleibt und nur selten Akzente setzen kann.
Wer es zwischenzeitlich ruhig und unaufgeregt mag, könnte mit "Jug Face" halbwegs glücklich werden, doch wer bei der Kernthematik packende Abläufe, ein wenig Blutvergießen und emotionale Abgründe erwartet, dürfte sich mit dem Streifen keinen Gefallen tun.
Knapp
4 von 10