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Eines der beliebtesten Subgenre im Horrorbereich, und zwar der Zombiefilm, ist salonfähig geworden und hat mit "World War Z" nun endgültig den Weg in die big budgetierte Blockbuster-Liga Hollywoods geschafft und erfüllt zugleich das Superlativ, der unblutigste Zombiefilm aller Zeiten zu sein. Und da übertreibe ich sicherlich nicht - denn wer hier explizite Bisswunden, gorige Ausweidungen und nonstop blutige Shoot Outs erwartet ist bei "World War Z" im falschen Film. Gegen "WWZ" ist die Zombie-Parodie "Shaun Of The Dead" ein Splatter-Feuerwerk.


Dabei bedient sich der Film aller gängigen Untoten-Stilmittel: angefangen von der sich rasch ausbreitenden Zombie-Epidemie -  ausgelöst durch einen Biss und nur zu stoppen durch den obligatorischen Kopfschuss - bis hin zum verzweifelten Überlebenskampf der Menschheit gegen die Seuche - doch wo Filme wie das "Zombie"-Remake "Dawn Of The Dead" oder die erfolgreiche TV-Serie "The Walking Dead" gnadenlos draufhalten blendet "WWZ" ab und überlässt abgetrennte Gliedmaßen oder das Eindringen einer Eisenstange in einen Zombieschädel der Phantasie der Zuschauer. 
Wer sich in dem Genre auskennt kann sich lebhaft vorstellen, wie es aussieht, wenn Brad Pitt einem Untoten den Schädel durchbohrt, sich im Hintergrund  ein weiterer Zombie nähert und der Held mit aller Gewalt verzweifelt versucht das fest im Schädel steckende Instrument herauszubekommen um damit die sich annähernde Gefahr ebenfalls möglichst drastisch zu zerlegen.
Hier muss die Vorstellungskraft des Zuschauers herhalten, denn in solchen wie auch in allen anderen Szenen ist "WWZ" erstaunlich blutarm.

Regisseur Marc Forster, der bereits den Bond-Film "Ein Quantum Trost" in Szene gesetzt hatte, bleibt seiner Linie treu und setzt von Beginn an auf Tempo und Action. Auch bei "WWZ" wird ein Höhepunkt an den nächsten gereiht, wobei das Maximum aus der minimalistischen Handlung heraus geholt wird:
Basierend auf einem Roman von Max Brooks wirkt der Film wie eine Mischung aus "Outbreak - Lautlose Killer", "28 Days/Weeks Later" und "The Walking Dead" und setzt dabei vor allem auf ein Höchstmaß an Spannung, wohl dosierten Schocks und Dramatik. 
Während gewöhnliche Zombiefilme voll auf Splatter setzen, konzentriert sich Regisseur Forster auf die Inszenierung beklemmender und beängstigender Szenen, die von einem teilweise hypnotisierenden als auch aufpeitschenden Score von Marco "Scream" Beltrami getragen werden. 
Und so sind es vor allem die Szenen in einem unterirdischen Hochsicherheitsbunker, einem  Apartmenthaus mit unendlich langen, düsteren Fluren oder einem vollbesetzten Passagierflugzeug, die für Hochspannung sorgen - denn die Zombies reagieren auf Lautstärke und sind selbst für das Knarren von Türen äußerst empfänglich. Und so lauert die tödliche Gefahr an jeder Ecke, jedes Geräusch kann das letzte sein, das man zu hören bekommt bevor man sich selbst in einen Zombie verwandelt - und genau diese Szenen dominieren das Geschehen, lassen den Zuschauer kaum zur Ruhe kommen.

Der Film ist komplett auf die Zombies und Brad Pitt zugeschnitten - trotz bekannter Namen im Cast erscheinen Darsteller wie David Morse ("16 Blocks"), Matthew Fox (Jack aus "Lost") oder James Badge Dale nur in kurzen Rollen mit höchstens zwei, drei Zeilen Text.
Ansonsten lebt der Film nicht nur von seinem Hauptdarsteller, sondern vor allem auch von einer grandios inszenierten apocalyptischen Endzeit-Atmosphäre, die mit eindrucksvollen Massenszenen mit hunderttausenden Zombies besticht und den Hauptcharakter auf eine fast aussichtslose Jagd rund um den Globus schickt um den Wirt der Seuche ausfindig zu machen - eine Suche, in der unzählige Gefahren und schier ausweglose Situationen bewältigt werden müssen.

Inszenatorisch und auch handwerklich gibt es nichts zu bemängeln, die Handlung wird mit ordentlich Tempo voran getrieben, das dargestelle Szenario lässt keine Wünsche offen. Spannung, Dramatik und Action halten sich die Waage, lediglich in den ruhigeren Momenten kommt der zügige Erzählfluss etwas zum erliegen. Bei einer Laufzeit von knapp zwei Stunden stellen sich dennoch keine nennenswerten Längen ein.

Der Film ist durchweg unterhaltsam, man ist von Anfang an von den Ereignissen gefesselt - und dennoch fehlt dem Film etwas ganz entscheidenes, um zu 100% überzeugen zu können: Blut!
In dieser Hinsicht ist "WWZ" einfach zu steril und klinisch - der Film hat eine FSK-16-Freigabe und es wird abgeblendet sobald auch nur eine Hand abgeschlagen wird. 
Es wird mit Maschinengewehren pausenlos auf die Zombies geschossen ohne dass auch nur etwas Blut vergossen wird. Es muss ja kein übertriebenes Blutbad dargestellt werden - aber hier wäre das Gegenteil der Devise " "Weniger ist mehr" vorteilhafter gewesen.
 In dieser Hinsicht krankt der Film leider auch an seinem Anspruch dem Anliegen der Produzenten gerecht zu werden einen "globalen Polit-Thriller mit Zombies" zu schaffen - und das sollte so unblutig wie möglich geschehen, weswegen diverse Drehbuchideen verworfen und kostenträchtige Nachdrehs erforderlich waren.

Die Einspielergebnisse scheinen aber eine deutliche Sprache zu sprechen, denn eine Fortsetzung ist schon in Vorbereitung.

7/10

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