Zombies haben im Kino eine lange Geschichte. Wenn man es nicht kleinkariert sieht, hatte dieses Subgenre 1932 mit "White Zombie" seinen Startschuss. Im Jahr 1968 wandelte sich das Bild des Zombies dank George A. Romeros "Die Nacht der Lebenden Toten" in den menschenfressenden Untoten, wie wir ihn heute noch kennen. Meist sind Filme mit Untoten gruselige Splatterorgien, in denen das Filmblut nur so spritzt, oder auch Komödien, in denen das Genre durch den Kakao gezogen wird. Nach langer Durststrecke, was die große Leinwand anbelangt, war es mal wieder Zeit, sogenannte "Zombies" in einem Kinofilm unterzubringen.
Bereits vor dem offiziellen Erscheinen des Buches "World War Z: An Oral History of Zombie War" von Autor Max Brooks sicherten sich Brad Pitt, Dede Gardner und Jeremy Kleiner die Filmrechte an dem postapokalyptischen Endzeit-Thriller. Warum weiß jedoch keine Sau. Brad Pitt ließ es sich dabei natürlich nicht entgehen, in dem Film selbst die Hauptrolle zu spielen.
Der Tag, an dem die Hölle ausbricht, beginnt für Gerry Lane (Brad Pritt), seine Frau Karen (Mireille Enos) und die zwei Töchter Constance (Sterling Jerins) und Rachel (Abigail Hargrove) wie jeder andere. Doch schon ein wenig später wird die Stadt New York von einer blitzschnell wachsenden Masse Untoter attackiert. Dies geschieht so rasant, dass sich über den ganzen Globus diese Pandemie verteilt und scheinbar kein Land oder Staat mehr die Kontrolle hat. Mit letzter Kraft schafft es die Familie, auf einen Flugzeugträger mitten im Ozean evakuiert zu werden. Doch das hat seinen Preis: Auf dem Schiff darf Gerry´s Familie nur bleiben, wenn Gerry in seinen alten Job als UN-Mitarbeiter schlüpft und sich auf ein Himmelfahrtskommando einlässt, das mit einem Flug nach Südkorea beginnt. Doch dies ist nur die erste Station eine langen Reise rund um die Welt. Ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt....
Mit Marc Forster ("Schräger als Fiktion", "Ein Quantum Trost") nahm ein vielversprechender Regisseur auf dem Regiestuhl Platz. Aus den angepeilten 200 Mio. Dollar Budget wurden dann mal schnell 400 Mio. Dollar (für die Vermarktung und Technik) und das sieht man dem Film auch an: Schon allein die ersten zehn Minuten, in dem wir eine Art "Crashing Matchbox Autos" begutachten dürfen, sprengt wohl jedes Budget der gesamten B-Zombiefilme, die wir Fans ansonsten so gewohnt sind. Beeindruckend dabei ist natürlich das Visuelle. Solche Popcorn-Burner oder Anfangsszenarien sind wir von Zombiefilmengar nicht gewöhnt. Schließlich dürfte das ganz persönliche Dixie-Klo (mit Duftzerstäuber und dimmbarem LED-Lichthimmel) von Brad Pitt schon mehr kosten als viele zusammengeschusterte Zombie-Filme, die irgendwie immer dieselbe Story bieten.
Glücklicherweise scheint Max Brooks ein begnadeter Autor zu sein, denn es wird neben dem visuellen Wahnsinn auch eine relativ glaubwürdige Geschichte erzählt, die sich durch den ganzen Film zieht (wenn man mal von der Berliner Mauer 2.0 absieht).
Spannungsmomente oder Szenen, die visuell absolut zu den oberen Blockbustern gehören, sehen wir in Endlosschleife. Dennoch fühlt sich "WWZ" etwas anders an, als sonstige apokalyptischen Szenarien. Das komplette Script wurde auf den Hauptdarsteller Brad Pitt zugeschnitten, weitere patriotische Heldenfiguren bleiben Randerscheinungen, die Pitt eben nur solange zur Seite stehen, wie es das Script vorgesehen hat. Lediglich die Soldatin Segen (Daniella Kertesz) begleitet den Helden längere Zeit.
Das Schlussdrittel, quasi der Showdown, überrascht, weil ab hier von Endlos-Bombast-Action in Gefilde des subtilen Horror gewechselt wird. Ein hermetisch abgeriegeltes Gebäude der Weltgesundheitsorganisation entpuppt sich als Ort des Grauens, in dem man sich auf wenige Menschen (in einem sicheren Trakt) und auch auf wenige Zombies (in dem anderen Gebäudeflügel) konzentriert. Hier sieht man auch die ersten Zombies in Nahaufnahme, ganz ohne Hektik, und bemerkt dass die handgemachten Masken der Zombies einen super Look haben. Das Problem, mit dem sich Pitt und die weiteren Insassen beschäftigen müssen, ist, dass sie eben in die Zone der Zombies müssen, da dort der vermeintliche Impfstoff liegt.
Das Einzige, was uns Genrefans negativ auffallen dürfte, ist eben das angepeilte PG-13. Dies verhindert dementsprechend auch genretypische Blutexzesse, vorallem weil "WWZ" bierernst daher kommt. Und das fällt mehr als nur in einer Szene auf. Sämtliche Gewaltszenen passieren im Off, obligatorisches Körperzerfressen oder Gedärme ausweiden finden erst gar nicht statt und selbst frisch amputierte Körperteile verweigern den roten Gerstensaft.
Diesen Weichei-Anteil muss man als Genre-Purist schlucken können, um den Film genießen zu können. Oder man bleibt seiner Linie treu und kottert gepflegt einen ab. Das liegt ganz bei euch.
Eins dürfte auf jeden Fall klar sein: "World War Z" dürfte wohl als einer der blutärmsten Zombiefilme in die Filmgeschichte eingehen, wobei er visuell äußerst eindrucksvoll ausgefallen ist. Auch die Geschichte weiß zu gefallen, da sie abwechslungsreiche Schauplätze, eine etwas andere Seuche und eine andere Heilmethode bietet. Immerhin. Aber dennoch erinnert dieser Film vom Härtegrad eher an "2012" oder von mir aus auch an "Armageddon". Aber als Offenbarung für Zombie-Fans war "World War Z" auch nie gedacht.
Wie auch immer, Gorehounds sollten das Weite suchen, Leute die auf seichte Blockbuster stehen, können reingehen oder demnächst auf das Heimmedium zugreifen. Mir hat dieser perfekt inszenierte Mix ganz gut gefallen. Man kann ja als Zombie-Fan vielleicht noch von einem Extended Cut träumen.
7/10