Endlich mal wieder ein Film, den es Spaß macht zu hassen. Geschlagene 10 Jahre nachdem mit dem DAWN OF THE DEAD-Remake und 28 DAYS LATER das große Zombie-Revival anrollte, halten die Untoten, längst salonfähig und den Zenit ihrer Vermarktungsfähigkeit überschritten, Einzug in das ganz große Big-Budget-Kino. Mit einem Budget von 190 Millionen Dollar – diese Summe gedanklich zu erfassen ist kaum möglich – wagt sich „Plan B Entertainment“, so der Name der Produktionsfirma von Brad Pitt, an das Projekt heran. Als Vorlage soll die Spaßlektüre „Zombie Survival Guide“ von Max Brooks gedient haben… – What The Fuck, das war nicht mal ein richtiger Roman, sondern ein Fake-Ratgeber!
Das Ergebnis ist ein auf Hochglanz polierter Big-Budget-Brimborium wie man ihn als fein gefeilter Cineast im Grunde nur verabscheuen kann. In 3D versteht sich, der Kundenfalle Marke Multiplex. Das Ganze erinnert an eine Mischung aus Katastrophen- und Zombiefilm, also etwas á la DEEP IMPACT, ARMAGEDDON und 2012 mit Zombies. Der Plot ist der gleiche wie in Trilliarden Zombiekloppern zuvor. Eine weltweite Pandemie verwandelt Menschen in reißende Bestien. Ausnahmezustand, Plünderungen, Chaos und Zerstörung sind die Folge. Die Infektion erfolgt per Biss. So heißt es zumindest, sieht man nämlich im ganzen Film nicht ein einziges Mal, dass irgendjemand gebissen wird. Also, ich rede hier ja nicht von Gehirnen und Eingeweiden. Stinknormale Bisse waren anscheinend frevelhaft genug und wurden weggelassen, um eine möglichst niedrige Freigabe zu erzielen und ein möglichst breites Publikum zu erreichen – ich könnte kotzen!
Produzent Brad Pitt (FIGHT CLUB, INGLORIOUS BASTERDS, BENJAMIN BUTTON) schlüpft sogleich in die Hauptrolle des tapferen Familienvaters und Ex-Geheimdienst-Mitglieds Gerry Lane, der, von der Zombieplage auf öffentlicher Strasse überrumpelt, mit Frau und Kindern auf ein Arche ähnliches Militärschiff flieht, sich aber gleich daran macht ein Gegenmittel gegen die flinken Untoten zu finden. Dies führt unseren Abziehbild-Held über Südkorea und Israel nach Buxtehude, wo er Moritz Bleibtreu trifft, der als Wissenschaftler an einer Fortsetzung zu LAMMBOCK tüftelt.
Mit einem unmenschlich hohen Budget in der gegebenen Größenordnung lässt sich natürlich so manches zaubern. Gigantische Massen von Computer animierten Menschen, die über öffentliche Plätze hetzen, zum Beispiel. Anderes wiederum lässt sich nicht mit Geld kaufen, sondern hätte mittels einer intelligenten Story herbei gezaubert werden sollen. So fällt WORLD WAR Z aufgrund von sprunghafter Story, die sich scheinbar nicht auf ein Genre festlegen kann, und hektischer, Details und Feinheiten außer Acht lassender Erzählweise aber gänzlich spannungsarm und uninteressant aus. Nicht einmal das Zombie- / „Infizierten“-Make-up kann als sonderlich gelungen oder innovativ bezeichnet werden, geht auch dies in den schnellen Schnitten unter. …Da fällt mir ein: Für was steht das „Z“ in WORLD WAR Z überhaupt? Für „Zombies“ kann es ja beinahe nicht stehen. „Zweckentfremdung“, „Zermürbung“ oder „Zerfahrenheit“ vielleicht? Für alle anspruchsvollen Kinogänger, die es nicht schaffen ihr Hirn auszuschalten und alle Vorurteile über Bord zu werfen, wird es sich gewiss als der „World War Zonk“ herausstellen.
Da wünscht man sich wieder die guten, alten Zombiefilme von Fulci, D’Amato oder Romero herbei, bei denen Zombies noch aus grün angemalten oder mit Schorf beschmierten Statisten bestanden. WOODOO, GROSSANGRIFF DER ZOMBIES, RÜCKKEHR DER ZOMBIES, ZOMBIES IM KAUFHAUS, LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN – das waren noch Zombiefilme. Und ich will mich jetzt gar nicht an der ollen „Zombies dürfen nicht laufen, sondern müssen mit ausgestreckten Armen durch die Gegend schleichen“-Diskussion aufhängen. Aber das waren halt noch Filme mit Atmosphäre, mit Esprit und Charakter. Vielleicht nicht unbedingt mit Aussage und filmischer Finesse gesegnet. Dafür haben die Produktionskosten dieser Filme aber auch nicht das Jahresbudget eines ganzen Entwicklungslands verbraten.
Hier mal, lieber Brad, die drei eisernen Regeln und gleichzeitig das Rezept für einen guten Zombiefilm:
1.) Ein Zombiefilm muss billig sein.
2.) Ein Zombiefilm muss blöd sein.
3.) Ein Zombiefilm muss brutal sein.
Zeichneten sich vielleicht noch die alten italienischen Genre-Vertreter durch solche Merkmale aus, sind die genannten Regeln mittlerweile längst überholt. Dass ein auf Massenkompatibilität ausgelegtes Großprojekt an der Messlatte von Klassikern wie BRAINDEAD, DAWN OF THE DEAD (egal welchem) oder PLANET TERROR scheitern musste, war im Grunde im Vorfeld abzusehen. Doch auch wenn man die Gorehound-Goggles absetzt und den Film als reinen Blockbuster betrachtet, drängen sich unübersehbare Makel und Vergleiche zu Themen verwandten Beiträgen (siehe 28 DAYS LATER, ZOMBIELAND, THE CRAZIES) auf, die schlicht und ergreifend mehr Laune gemacht haben als dieser Schlonz. Wenn man bedenkt, welche Möglichkeiten in einem ordentlichen Zombiefilm in 3D schlummerten, kann man sich nur mit Grauen abwenden. So wenig ich es Produzent Brad Pitt und Regisseur Marc Forster (EIN QUANTUM TROST, MONSTER’S BALL) wünsche, aber das Projekt sieht nach einer mächtigen Bauchlandung aus.
„Mutter Natur ist eine Serienmörderin!“
Fazit:
Z wie Zonk! Seelenloses Katastrophenspektakel mit fadenscheinigen Zombie-Elementen. Ganz, ganz mies.