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"Was ist ein Ausnahmezustand?"

Der einstige UN-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) erlebt in Philadelphia mit seiner Frau Karin (Mireille Enos) und seinen beiden Töchtern den Ausbruch einer Zombie-Pandemie. Lane kann dabei beobachten, wie sich ein durch Bisse Infizierter binnen Sekunden in ein rasendes Monster verwandelt. Zunächst findet die Familie Unterschlupf in einem Hochhaus, wird dann aber per Hubschrauber zum UN-Hauptquartier auf einem Kriegsschiff evakuiert. Da die gesamte Welt betroffen ist und die meisten Großstädte geradezu überrant werden, scheint die Lage hoffnungslos. Dennoch wird wird Lane zur Erforschung der Seuche und der Suche nach einem Impfstoff mit einem kleinen Team Wissenschaftlern und Soldaten nach Südkorea geschickt.

Nach der Buchvorlage des Autors Max Brooks inszeniert Marc Forster ("Schräger als Fiktion", "Drachenläufer", "Ein Quantum Trost") in World War Z ein spektakuläres, visuell überbordendes Inferno und entreißt die Figur des Untoten ihrem angestammten Genre.
Ohne große Umschweife steigt "World War Z" direkt ins Thema ein. Gerade mal 5 Minuten gibt der Film den Figuren um sich rundimentär vorzustellen, dann schon versinkt die Leinwand im Chaos. Mit wahnsinnig schnellen Schnitten bei einer stets bewegten und unruhigen Kamera hat man das Gefühl selbst um sein Leben zu laufen. Erst nach gut 25 Minuten bekommt man die erste Verschnaufpause. Aber auch im weiteren Verlauf erweist sich der mit nur wenigen Horrorelementen gespickte Zombiefilm als sehr temporeich.

Noch nie zuvor haben sich die Infizierten zu einer derartig dynamischen, dauerbewegten Masse herausgebildet. War Danny Boyle's Mutation der Zombies zu blitzschnellen Tötungsmaschinen in "28 Days Later" schon ein Schritt in eine neue Richtung, treibt es "World War Z" noch etwas weiter und erweist sich somit zu einem reinrassigen Actionfilm. Nur gegen Ende geht der Film etwas subtiler zur Sache.

Beeindruckend dicht ist die Atmosphäre. Wenn die Infizierten wie Raubtiere die hoffnungslos unterlegenen Menschen in den Großstädten jagen und anfallen, erzeugt das nicht nur erstaunliche Panoramabilder über Massen von Menschen und Zombies. Auch das Gefühl der Machtlosigkeit ist ein anderes als bei den üblichen Genrevertretern. Dies macht es besonders Puristen des Genres schwer, Gefallen an dem Film zu finden.

Für diese wird es auch schwer sein zu akzeptieren, dass "World War Z" sehr harmlos ausgefallen ist. Selbst in der noch wuchtigeren erweiterten Fassung fließt Genre-untypisch wenig Blut. Überwiegend sorgt die Kameraführung dafür, dass Gewaltspitzen kaum erkennbar sind oder oder nur im Off passieren.
Auch bei der Handlung und dem Protagonisten fällt der erzwungen massentaugliche Stil auf. Denn beide fallen entsprechend einfach und verständlich bzw. sympathisch und stets korrekt aus.

Die Besetzung ist durchweg ordentlich, wenn auch mit wenigen bekannten Gesichtern gefüllt. Brad Pitt ("Inglourious Basterds", "Fight Club", "Babel") funktioniert gut als Sympathieträger und füllt den Film überwiegend aus. Selten bekommt er edlen Support durch David Morse ("The Rock – Fels der Entscheidung", "The Green Mile") sowie Moritz Bleibtreu ("Das Experiment", "Der Baader Meinhof Komplex").

"World War Z" ist über seine komplette Laufzeit extrem packend und spannend. Durch wuchtige Massenszenen, einem unglaublichen Tempo und einer sinnvoll hektischen Kamera wird der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig. Nur der Fakt, dass "World War Z" unter seiner erzwungenen Massentauglichkeit leidet schmälert die Wertigkeit. Ebenso sollte jedem vorher klar sein, dass es sich hier nicht um einen Horrorfilm sondern einem Katastrophen-Actionfilm handelt. Grusel und Gewaltspitzen sind nämlich absolut rar gesäht.

9 / 10

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