KICK-ASS Rezensionen sollten nicht allzu kopflastig sein und pragmatisch gehalten sein. Wie die Filme eben auch. Die Messlatte war hoch nach dem Überraschungserfolg von Teil 1. KICK-ASS 2 kickt nicht ganz so charmant wie dieser, aber der Unterhaltungsfaktor ist hoch und der ironisch-sarkastische Grundton mit einer Reihe überraschender Gewaltspitzen ist auch wieder vorhanden. Und prompt sind auch schon recht bald diverse Körperteile nicht mehr an den dafür vorgesehen Stellen. Dies wird auch durch die deutsche FSK 18 (in US: R-Rated) ausgedrückt. Der Grundton von Teil 1 war etwas ernster und versuchte eine Realität tatsächlich vorhandener Superhelden zu simulieren.
Teil 2 hat viel verbalen Witz der ganz klar und ohne Umschweife signalisiert, dass es hier um eine (Teenie-) Komödie mit Superhelden geht. Action gibt es auch viel, aber sie ist trotz der Härte nicht so aufwendig oder spektakulär wie in Teil 1 und KICK-ASS 2 kann auch nicht mit einem Finale wie dieser glänzen, auch wenn die brachiale Massenkeilerei im Showdown doch gut unterhält. KICK-ASS hat mehr die Grundidee der realen Superhelden beleuchtet, in KICK-ASS 2 wird nun eher der Alltag der Heroen dargestellt und wie sie mit ihrem Schicksal leben. Die neu dazugekommenen Figuren sind nicht ganz so überzeugend wie Hit-Girl und Kick-Ass.
Jim Carey allerdings, als Colonel Stars and Stripes und Comedy Held 1.0 weit vor KICK-ASS und seinen Epigonen, ist für mich mit seiner typischen Gestik und Mimik eine darstellerische Bereicherung wenn auch nur in einer kleinen Nebenrolle. Gerne hätte man mehr Screentime von ihm und seinem Superhelden-Schäferhund "Eisenhower" genossen. Seine nach dem Film nachgeschobene Distanzierung von der Gewalt in KICK-ASS 2 kann nur als Werbegag gedeutet werden. Leider werden generell vielversprechende Charaktere leicht für den nächsten Gag geopfert und so richtig aus einem Guss wirkt es nicht. Es werden noch mehr Figuren gezeigt, aber die Klasse dieser ist trotz größerer Masse nicht automatisch vorhanden. Deutlich mehr gibt es jetzt auch Fäkal-Gags die auch mal in die böse Sackgasse der Peinlichkeiten führen.
Auch der für den ersten Eindruck wichtige Auftaktgag mit der kleinen Schießübung ist recht flach gelungen. Da fehlt dann doch das Händchen eines Regisseurs Matthew Vaughn vom ersten Teil, welches Jeff Wadlow nicht so zu besitzen scheint. Der Überraschungsfaktor in Bezug auf die bunte Mischung von comichaft übersteigerter Gewalt und der liebenswerten Charaktere ist erwartungsgemäß nicht so hoch wie in Teil 1 der quasi aus dem Nichts kam. Dieser konnte aus dem Vollen schöpfen und leider muss sich jeder Nachfolger an dem Erstling messen lassen. Der Vergleich mit der Comicvorlage hinkt natürlich auch wieder. Wer den Erstling mochte, sollte hier auch wieder zugreifen. Und natürlich sollte man wieder den Abspann abwarten…
5,5/10 Punkten