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"Das ist die reale Welt mit realen Konsequenzen."

Zwei Jahre nachdem er sich als Kick-Ass zur Ruhe gesetzt hat, ist Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) mit seinem Alltagsleben unzufrieden. Er versucht Mindy Macready (Chloë Grace Moretz), die nach wie vor noch als Hit-Girl Verbrechen bekämpft, für ein gemeinschaftliches Auftreten zu gewinnen. Aber sie möchte plötzlich lieber ein normales Leben führen. Auf der Suche nach einem Partner, stößt Kick-Ass auf eine ganze Gruppierung maskierter Verbrechensbekämpfer. Er schließt sich dem Superheldenteam mit dem Namen Justice Forever unter der Leitung von Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) an, erregt dadurch aber die Aufmerksamkeit von Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), dessen Vater er getötet hat. Chris ist im Begriff ein Superschurkenteam zusammen zu stellen und nimmt als Motherfucker eine neue Schurkenrolle ein, um den Tod seines Vaters zu rächen.

Der Film "Kick-Ass" hat im Jahr 2010 mit seinen humorigen und gewaltorientierten Zügen eine breite Fanbasis aufgebaut. Wie dieser ist auch die Fortsetzung eine geniale Gratwanderung zwischen bösartiger Satire und ernst gemeintem Actionfilm, wirkt teilweise aber auch etwas unentschlossen.

Mit seinen Themen um Selbstfindung, Rache und dem Aufruf zu mehr Zivilcourage wandelt "Kick-Ass 2" zwischen klassischer und moderner Comicverfilmung. Die nur wenigen Bezüge zum Vorgänger lassen auch Neueinsteiger schnell das Geschehen erfassen. Aber auch durch die Erzählweise haben es Neulinge leicht. Ganz neu baut sich der Film auf, legt eine Grundlage fest, baut sie aus und lässt sie final explodieren. Der Fanbasis wird es aus erzählerischer Sicht allerdings vorkommen, als sehe sie den gleichen Film erneut. Nur mit neuem Inhalt.

"Kick-Ass" war zu seiner Zeit innovativ, bot neue Ideen im teils festgetretenen Genre und konnte mit seinen gesellschaftlichen Bezügen auch zum nachdenken anregen. In der Fortsetzung kommen diese Ansätze nur marginal vor. Die skurrilen Figuren mit ihren radikalen Ansichten sind Kennern bekannt. Und gerade in der Handlung gibt es nur wenig, was überrascht. Daher gibt es in den ersten beiden Dritteln auch Minuten des Leerlaufs. Vor allem der ständige Wechsel zwischen der Desillusionierung eines Superhelden und dem Wiedereinstieg erscheint wie ein Lückenfüller.
Viele neue Figuren etabliert die Comicverfilmung, die überwiegend nur oberflächlich bleiben. Dennoch erfreut es, dass das ausscheiden von Schlüsselfiguren Emotionen hervorruft und die Folgen stets nachvollziehbar bleiben. Die Protagonisten bleiben auf ihre Art sympathisch und entwickeln sich weiter. Was ein wenig fehlt ist das Feingefühl in der Interaktion zwischen diesen.

Bei dem bitterbösen, pechschwarzen Humor, kann dem Publikum schonmal das Lachen im Halse stecken bleiben. Fäkale Ekelszenen stellen glücklicherweise eine einmalige Ausnahme dar, denn sonst wirbt "Kick-Ass 2" mit seiner harten Aussprache und seiner heftigen Brutalität. Obwohl sich der Film bei Gegenüberstellung zum Comic deutlich zurück hält, hat die Comicverfilmung einige Gewaltspitzen, die allerdings nicht alle visualisiert werden und auch nicht die Härte und den nachvollziehbaren Schmerz wie im ersten Teil transportieren.

Eine Besonderheit ist der Versuch, trotz gnadenlos überspitzter Präsentation, nicht gänzlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Immer wieder erinnert "Kick-Ass 2" daran, dass in seinem definierten Universum jede Tat Konsequenzen nach sich zieht. Hierbei ist der Film dann auch überaus ehrlich, voraussgesetzt, man übersieht so einiges im Finale und bleibt nicht bis nach dem Abspann sitzen. Denn dort bleibt der Film eben doch nur ein Film.

Die Schauspieler sind überzeugend. Aaron Taylor-Johnson ("Anna Karenina"), Chloë Grace Moretz ("Let Me In", "Dark Shadows") sowie Christopher Mintz-Plasse wirken sehr eingespielt, Jim Carrey ("Ace Ventura"-Reihe, "Die Truman Show") überrascht mit einer sehr bodenständigen Performance. Von den übrigen neueingeführten Kostümträgern bleibt vor allem Olga Kurkulina durch ihre unglaubliche Physis im Gedächtnis. In einer unbedeutenden Nebenrolle ist Lindy Booth ("Dawn of the Dead", "Cry Wolf") leider kaum auffällig.

Trotz einiger Mängel ist "Kick-Ass 2" eine gelungene Fortsetzung, die von allem versucht mehr zu bieten, jedoch nie das Niveau des ersten Teils erreicht. Nur langsam baut der Film Spannung auf, führt zu viele Figuren nur oberflächlich ein und überschreitet mit manchen Gags die Grenzen des guten Geschmacks. Abseits dessen findet sich reichlich drastische Action, flotte Onelinern und ein paar sehr emotionale Szenen. Das letzte Drittel ist überaus stimmungsvoll und temporeich, denn dort wird die etwas spät eingesetzte Konfrontation zwischen Superhelden und Superschurken, die eigentlich keine sind, radikal ausgeschöpft.

8 / 10

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