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Vier Jahre nach den Ereignissen um "Kick-Ass" ist es etwas ruhiger auf den Straßen geworden. Dave (Aaron Taylor-Johnson) hat seinen Kampfanzug an den Nagel gehängt, dafür hat er zahlreiche gewöhnliche Menschen inspiriert, als maskierte Superhelden nachts kleinere Verbrechen und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Nur Hit Girl (Chloë Grace Moretz) sinnt weiterhin auf Rache für den Tod ihres Vaters. Da betritt ein neuer Schurke die Bühne: Der Motherfucker will sich an Kick-Ass rächen und die Stadt ins Chaos stürzen. Und so wird erneut aus gut gemeinter Hilfsbereitschaft ein brutaler Kampf ums Überleben.

Nach dem großen Überraschungserfolg von "Kick-Ass" war eine Fortsetzung wohl nur eine Frage der Zeit. Mit demselben Stammpersonal, einigen interessanten neuen Figuren und zahlreichen guten Ideen geht die ironische Demontage bekannter Superhelden-Klischees also in eine zweite Runde. Dabei bleibt sie leider in mancher Hinsicht hinter dem ersten Teil zurück.

Größtes Problem ist die fehlende intellektuelle Unterfütterung, die das Original noch so weit aus der Genre-Masse hervorgehoben hatte. Zwar wird auch hier wieder über den Unterschied zwischen guten Taten und brutaler Rache diskutiert, allerdings geht das diesmal daneben: Besonders Hit Girls unbarmherzige Taten werden trotz aller Vorhaltungen als gerechtfertigter Kampf gegen das Böse behauptet - selbst wenn sie mittels eines CIA-Geräts ihre gemeinen Mitschülerinnen vor versammelter Schule demütigt. Auch fällt die Dramaturgie diesmal wesentlich vorhersehbarer aus (die Guten müssen einige herbe Verluste einstecken, bevor sie am Ende doch triumphieren) und besonders das Finale wirkt in seiner Ausgangslage reichlich unglaubwürdig. Wo im ersten Teil noch Kritik an der Ignoranz der Menschen geübt wurde, wird hier eben dieses fehlende Gutmenschentum behauptet - was "Kick-Ass 2" in die Nähe eben der Genre-Werke rückt, die er eigentlich karikieren wollte.

Solcherlei Schwächen zum Trotz ist auch die Fortsetzung ein niveauvoller, enorm unterhaltsamer und actiongeladener Helden-Streifen. Die Story ist gut durchdacht und wirkt größtenteils stringent, die Figuren wurden glaubhaft weiterentwickelt und die Inszenierung überzeugt mit komplexen Kamerafahrten, einem dramatischen Soundtrack und aufwendigen Settings. Nicht zuletzt die Action rockt in der zweiten Hälfte ordentlich, auch wenn man einige Gewaltexzesse wie das Polizisten-Massaker der bösen Mother Russia durchaus als geschmacklos bezeichnen kann.

Dafür gefallen auch die Nebenfiguren mit witzigen Ideen (allen voran Jim Carrey als kantiger Kämpfer gegen das Böse mit einem Hang zu derben Sprüchen - auch wenn Carrey seine Beteiligung an solch einem gewalttätigen Film später lautstark bereute) und gut getimten Gags. Und auch wenn der Ironie-Anteil im Vergleich zum Vorgänger etwas zurückgeschraubt wurde, können immer noch einige gelungene Brüche mit üblichen Superhelden-Klischees überzeugen. Insgesamt ist auch "Kick-Ass 2" ein spannender, actionreicher und ironischer Kommentar zum Superhelden-Genre, der durchaus kluge Fragen zu Moral und Verantwortung stellt. Kurzweilige Unterhaltung mit Köpfchen also.

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