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Adam (Tom Hiddlestone) und Eve (Tilda Swinton) sind schon zum dritten Mal verheiratet und seit Jahrhunderten ein Paar. Allerdings lebt er in Detroit, sie in Tanger. Weil sich moderne Vampire nicht mehr an Menschen vergreifen, erwirbt Adam Blutkonserven im Krankenhaus, Eve wird vom alten Marlowe (John Hurt) versorgt. Als Adam des Lebens müde wird, reist Eve in die USA…

Der Drehbuchautor, Schauspieler, Produzent und Regisseur Jim Jarmusch (geb. 1953 als James R. Jarmusch in Cuyahoga Falls, Ohio) gilt als eine der Ikonen des amerikanischen Independent-Films. Mit seinem 3. Spielfilm „Down by Law“ (1984) wird er einem breiten Publikum bekannt, es folgen weitere beeindruckende Werke in unterschiedlichen Genres, wie „Mystery Train“ (1989), „Dead Man“ (1995) oder „Broken Flowers“ (2006).
Auch sein 12. Langfilm „Only Lovers Left Alive“, finanziert u.a. von deutschen Rundfunkgebühren und geballter Filmförderung, reiht sich nahtlos in sein beeindruckendes Gesamtwerk ein, wobei das Vampir-Drama weniger durch die natürlich geschliffenen Dialoge als durch seine grandiose Bildsprache in Erinnerung bleibt. Gleich nach dem Vorspann in angemessen antiker Schrift stellt Jarmusch seine beiden Protagonisten in den Mittelpunkt, wenn die Kamera langsam kreisend von der Decke auf Adam und Eve herab fährt, die sich noch auf verschiedenen Kontinenten aufhalten. Auch ihr erstes Likörglas Null Negativ trinken sie noch getrennt, wenn in einer Schnittfolge Adam/Eve/Marlowe die orgastische Wirkung des Genusses von Menschenblut verdeutlicht wird. Der größte Teil der Handlung findet allerdings in Adams Wohnung statt, die wie alle Settings bis ins kleinste Detail liebevoll ausgestattet ist mit alten Möbeln, Unmengen von Büchern und einem 80er Jahre Musiker-Equipment. Adams treibender Industrial Rock wird zum Soundtrack eines Films, dessen Standbilder manchmal wie Stillleben wirken. Dabei gibt es nicht nur während des Intermezzos mit Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska, „Stoker“ 2013), welche die Liebenden zurück auf den Boden ihres blutigen Daseins holt, einiges zu lachen, allerdings auch viele melancholische und einige traurige Momente. Tom Hiddlestone (der Loki aus „Thor“ 2011/13) bietet eine gute Leistung als lebensmüder Vampir mit finsterer Miene, kann aber einer blendend aufgelegten Tilda Swinton („Burn after Reading“ 2008, „We Need to Talk About Kevin“ 2011) kaum das Wasser reichen. Und John Hurt („Alien“ 1979, „Der Elefantenmensch“ 1980) brilliert in einer Traum-Nebenrolle als steinalter Blutsauger Christopher Marlowe. Literaturfreunde wissen, das ist der Mann, der als der wahre Verfasser von Shakespeares Werken gilt.
Vielleicht geht Jim Jarmusch im letzten Viertel ein kleinen wenig die Luft aus, wahrscheinlich ist es kaum möglich nur perfekte Bilder zu präsentieren, trotzdem ist „Only Lovers Left Alive“ allein schon optisch ein Fest für den Filmfreund. (8,5/10)

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