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Es dürfte nicht der letzte Horrorfilm im Bereich Found Footage sein, welcher mehr denn je an "Blair Witch Project" erinnert. Autor und Regisseur Karl Mueller setzt dabei auf eine zunehmend surreale Atmosphäre und eine leicht schwammige Geschichte, die bei den meisten Betrachtern deutliche Fragezeichen hinterlassen dürfte.

Scott (Jon Foster) und Penny (Sarah Jones) wollen sich für einige Monate von der Zivilisation abwenden und in einem einsam gelegenen Haus ihre Beziehung auffrischen und anbei eine Doku über kleine Naturereignisse drehen. Nach einige Zeit entdecken sie das Haus von Mr. Jones, einem sagenumwobenen Aktionskünstler, der einst morbide Vogelscheuchen an fremde Personen schickte. Als sie das Umfeld von Jones näher untersuchen, begeben sie sich jedoch in tödliche Gefahr...

Vorab könnte man direkt abwinken, wenn es erneut um Wackelkamera und körnige Nachtaufnahmen geht, doch in diesem Punkt ist die Optik sehr augenfreundlich ausgefallen.
Zwar filmen die Kameras Umgebung und Gesichter der Protagonisten gleichzeitig, was zuweilen ein wenig schwindelig macht, doch die Apparate werden ruhig gehalten und selbst bei aufkommender Bewegung verliert man nie die Übersicht.

Dieses kann innerhalb des Verlaufes schon passieren, zumal die Situation zusehends surrealer anmutet. Nach einer ausgiebigen Einführung des Paares und philosophischen Andeutungen in Richtung Auflösung dauert es eine Weile, bis sich scheinbar übernatürliche Ereignisse abspielen, etwa, indem mehrere Vögel ins Haus einzudringen versuchen.
Die Arbeitsstätte des Kapuzenträgers schürt eine morbide Stimmung, zahlreiche Totems, Vogelscheuchen und andere Gebilde sind in den Kellerräumen verteilt und auch die stets stumme Titelfigur verströmt Unbehagen.

Die Stimmung kippt jedoch ein wenig, als Scott nach Aufenthalt und einigen Interviews in New York zurückkehrt und kaum mehr zuzuordnen ist, was noch Realität, Traum oder Illusion ist. Wie ein Fiebertraum spielt sich das bizarre Geschehen ab, das Unterbewusstsein scheint schräge Streiche zu spielen und obgleich Mr. Jones irgendwann nicht mehr zu sehen ist, wächst die Bedrohung augenscheinlich im Minutentakt. Eine nahe liegende Interpretation hängt mit der Theorie über Alpträume und einer Konfrontationsnotwendigkeit zusammen, denkbar ist auch eine Konsequenz aus Lagerkoller und nicht eingenommenen Medikamenten, weitere Erklärungen dürften sich bei jedem individuell ergeben.

Doch auch wenn die wesentlichen Mimen brauchbar performen, die Optik solide ausfällt und zuweilen recht atmosphärische Momente auszumachen sind, überzeugt die Geschichte nicht vollends, zumal das schwammige letzte Drittel ein paar Rätsel zuviel aufgibt, ohne wirkliche Fundamente für Erklärungen zu liefern. Die Titelfigur wird zwar mit leichtem Gänsehautfaktor eingebunden, die Kulissen können aufgrund der sorgfältigen Ausstattung punkten, doch der Nachgeschmack der etwas willkürlich wirkenden Erzählung büßt leider einiges ein. Spannend ja, stimmungsvoll auch, zufrieden stellend jedoch nur bedingt.
5,5 von 10

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