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Ein Klassiker von John Woo im so genannten „Heroic Bloodshed“ Genre ist „A better tomorrow“, auch bekannt unter dem nichts sagenden Titel „City Wolf“.

Die Gangster Ho (bemüht: Ti Lung) und Mark (leidet unter schwieriger Synchronisation: Chow Yun Fat) scheffeln mit Falschgeld die große Kohle, während Hos aufrichtig-naiver Bruder Kit (Leslie Cheung) den Weg des Polizisten wählt. Während eines Deals wird Ho verraten und landet im Gefängnis, und als Mark seinen Freund rächen will, wird er zum Krüppel geschossen. Zu allem Überfluss wird dabei auch der Vater der Brüder wegen Hos kriminellen Machenschaften umgebracht. Nach drei Jahren kommt Ho frei und fängt als Taxifahrer neu an, während Mark für den vormaligen Handlanger, der nun zum Gangsterboss aufgestiegen ist, die Autoscheiben putzt. Kit hasst seinen Bruder nun bis aufs Blut, und dieser schafft es auch nicht, der Unterwelt zu entfliehen...

„A better tomorrow“ ist schwierig. Die einen, die sowohl mit dem Genre, dem Herkunftsland als auch dem Zeitalter vertraut sind, haben kein Problem mit der ungewöhnlichen Inszenierung und erfreuen sich an Woos superbem Stil, welcher gnadenlos brutale Shootouts, perfekt gewählte Kameraeinstellungen und fulminante Abstimmungen zwischen Zeitlupe und normalem Ablauf beinhaltet. So entsteht für sie nicht nur ein Begründer eines renommierten Genres, sondern auch sonst ein genialer Actionstreifen von handwerklicher Güteklasse A.

Doch Quereinsteiger und Fremdlinge all dieser Komponenten zucken schnell mit den Augenbrauen, wenn der Streifen über den Bildschirm plätschert – peinlich übertrieben agierende Akteure mit mieser deutscher Synchronisation, ungewöhnlich seltsame bis nervige Musik, dämliche Humoreinlagen und unrealistische, extrem altmodisch-naive Szenen. Kann sein, dass manche nicht Unrecht daran haben, wenn sie in Filmen wie diesem hier nicht wirklich die große Offenbarung sehen – ich hingegen schon. Berücksichtigt man das Alter des Films und die der Herkunft zuzuordnenden Mittel, so hat man es hier in der Tat mit einer filmischen Genialität zu tun. Ist sicherlich Geschmackssache, aber mir gefällt Chow Yun Fats Charakterspiel bis auf kleine Ausnahmen sehr gut, und auch die anderen Darsteller können sich durchaus sehen lassen – Hauptschuld an einem etwas verfremdenden Gesamtbild ist meiner Meinung nach eher die Eindeutschung. Gut, und manchen Leuten kommen manche Szenen doch entweder etwas dick aufgetragen vor oder vielleicht auch unrealistisch, aber meine Güte, welcher Film hat die nicht? Als Fan der 80er Jahre kann man auch mit der Musik gut auskommen, man sollte hier keinen Synth-Pop erwarten, sondern eher extrem gewählte Klassikstücke, emotionale Mundharmonika und reißerische Spannungsmusik, wie man sie des Öfteren in dieser Zeit vorfindet. Die Action ist zudem vorbildlich bis meisterhaft, und nicht nur der Regisseur selbst, sondern auch unzählige andere haben schon versucht, sie zu kopieren. Derart stilisierte Gewalt bleibt nach wie vor Geschmackssache, die blutrote Innovation jedoch steht definitiv außer Frage, genauso wie die Spannungskurve, die den Zuschauer bis zum Ende mitfiebern lässt.

Also – nach wie vor ist es verständlich, das nicht jeder damit etwas anfangen kann. Ein paar Dinge stehen jedoch außerhalb der berüchtigten Geschmacksdiskussion und werten den Film ungemein auf. Ich als Fan des Genres gebe die Höchstnote, doch das sollte keine unbedingte Empfehlung an Neugierige sein, sich den Film auf Gedeih und Verderb als Musthave zu kaufen. Lieber erstmal einen quasi-kostenfreien Blick riskieren.

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