Dies ist er also, der Grundstein des „Heroic-Bloodshed“ - Films, eine Abwandlung des klassischen Hongkong-Action-Kinos, welches sich vornehmlich auf die „verlorenen“ Tugenden von Familie, Freundschaft und Toleranz stützt. So jedenfalls die Aussage von John Woo, dem Schöpfer dieses Genres. Und tatsächlich machte die überragende Mischung aus bluttriefender Action und überaus dramatischen Storylines den Großteil des Riesenerfolges aus, welcher noch viele weitere gelungene und weniger gelungene Vertreter aus dem Dunkel treten ließ.
Die Story:
Mark-Gor (Chow-Yun Fat) und Ho (Ti Lung) sind Triaden in einem einflußreichen Geldfälscher-syndikat. Neben der „Arbeit“ verbindet die Beiden eine enge Freundschaft zueinander, welche bald auf eine harte Probe gestellt wird: Denn Ho wünscht sich nichts sehnlicher, als aus dem Geschäft auszusteigen, da sein Bruder Kit (Leslie Cheung) bei der Polizei beschäftigt ist, weiß er, daß das „Räuber und Gendarm“ - Spiel nicht lange gut gehen kann. Eine letzte Geldübergabe sollte es für Ho werden, doch die geht katastrophal schief, da Einer aus den eigenen Reihen falsch gespielt hat. Ho landet für drei Jahre im Knast, Mark wurde beim Attentat auf einen der Verräter zum Krüppel gemacht und zu allem Überfluß ist auch noch Hos und Kits Vater ermordet worden - durch Hos Verschulden. Nach drei Jahren hat Ho nicht nur damit zu kämpfen, Mark zum Aussteigen zu bewegen, auch sein Bruder macht Probleme, er lastet ihm den Tod ihres Vaters an. Hin- und hergerissen stehen bald alle drei ihrem gemeinsamen Feind, dem Verräter, gegenüber.
Durch seine perfekte Gratwanderung zwischen moralischen Zügen und knallharter Action hat dieser Film das Actiongenre nicht nur revolutioniert, nein, auch für immer verändert. Einen tragischen Bruderkonflikt in ein solches Ambiente zu tauchen, läßt John Woo als den Shakespeare des Actionkinos erscheinen.
Die Darsteller:
können vollends überzeugen, ob in komischen oder tragischen Szenen, immer souverän und mit einer ungeheuren Spielfreude an der Arbeit. Besonders Chow-Yun Fat wirkt unheimlich sympathisch. Woo hatte Fat ausgewählt, weil er nicht wie der typische Actionheld aussieht, er sollte einen Menschen verkörpern, der zur Gewalt gezwungen wird, falls ihm keine andere Wahl mehr bleibt - Dies ist ihm mehr als gelungen! Durch die darstellerische Finesse wird die ungewöhnliche Geschichte perfekt unterstrichen. Übrigens, wer genau aufpaßt, kann Produzent Tsui Hark, als Jurymitglied des Orches-ters und John Woo als Inspektor, in Gastauftritten bewundern.
Die Atmosphäre:
Schon die ersten Sekunden, in denen ein Schweißtropfen in Zeitlupe von der Musik fulminant untermalt wurde, sind ein kleines Kunstwerk. Woo wird oft nachgesagt, er habe weder Gespür noch Timing für eine gelungene Musikuntermalung, dies konnte ich hier nicht feststellen. Sicher, besonders vielfältig ist die Palette nicht, sie kann aber dennoch durch gelungene Mundharmonika-Stücke und Orchestereinlagen punkten, obwohl manche Übergänge zwischen Melodien zu unsauber und zu plötzlich auftreten. Durch den ständigen Wechsel zwischen knappen, aber extrem brutalen Actionszenen und melancholisch-anmutenden Momenten, wird eine ungeheure Atmosphäre erzeugt, welche nie ihre Darsteller aus den Augen verliert, denn anders, als in späteren „Heroic-Bloodshed“-Vertretern stehen hier eindeutig Story und Figuren im Vordergrund. Trotzdem wartet der Film, glücklicherweise, mit einigen augenzwinkernden, humoristischen Stellen auf, welche durch die tollen Darsteller glänzen können.
Fazit:
Ein wegweisender, moralischer Film, der aufzeigt, wie schwer es ist, sich zu ändern. Durch seine tollen Darsteller, der grandiosen Story und der recht stimmigen Musikuntermalung ist „A Better Tomorrow“ nicht nur zu einem gelungenen Auftakt des „Heldenhaften Blutvergießens“ geworden, auch einer der besten Vertreter des Genres ist, dank John Woo entstanden!