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Mark Gor (Chow Yun-Fat) und sein bester Freund Tsung Tse-Ho (Ti Lung) sind Mitglieder einer Geldfälscherbande. Sie wickeln ihre Geschäfte mit erstaunlicher Souveränität ab, die "Arbeit“ geht ohne weitere Diskrepanzen vonstatten.
Es treten jedoch erste Probleme auf, als Hos jüngerer Bruder Kit (Leslie Cheung) seine Ausbildung zum Polizisten erfolgreich abschließt. Ein Bulle mit krimineller Verwandtschaft – das macht sich freilich nicht gut. Aus Bruderliebe und Loyalität zu Kit – beide haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander – beschließt Ho, sein Gangsterdasein aufzugeben. Beim vermeintlichen letzten Coup, einer Falschgeldübergabe, erwartet ihn jedoch ein Hinterhalt, der in einer Schießerei mündet. Ho ermöglicht seinem Gangster-Azubi Sheng (Waise Lee) die Flucht und stellt sich selbst der Polizei.
Als der vor Wut überschäumende Mark von der Verhaftung seines Freundes erfährt, plant er eine bleihaltige Racheaktion an den Typen, die Ho – so wie es scheint – den Bullen haben in die Hände laufen lassen (Achtung, Spoiler!) – später wird sich herausstellen, dass Sheng für den Hinterhalt verantwortlich war. Es gelingt Mark tatsächlich, die komplette Bande hinzurichten, er selbst wird dabei aber zum Krüppel geschossen.
Aus unbegründeter Angst davor, dass Ho sie vor Gericht verraten könnte, setzen seine einstigen Partner einen Killer auf Hos Vater an, der vor den Augen Kits getötet wird. Der verzweifelte Kit macht seinen (eine dreijährige Haftstrafe absitzenden) Bruder für den Tod des gemeinsamen Vaters verantwortlich und stürzt sich bis zum Hals in seine Arbeit, um das traumatische Erlebnis zu verdrängen.
Als Ho aus dem Knast kommt, hat sich einiges geändert: Sheng hat längst die Macht über das Geldfälschersyndikat übernommen und Mark hängt als armer Schlucker in den Straßen Hongkongs herum. Mehrere Male versucht der geläuterte Ho Kontakt mit Kit aufzunehmen, doch der kann seinem Bruder nicht vergeben und behandelt ihn wie einen gefährlichen Verbrecher.
Aufgrund seiner Sinneswandlung wird Ho von seinem einstigen Schützling Sheng misstrauisch beäugt und dazu gedrängt, wieder ins illegale Geschäft einzusteigen, doch Ho weigert sich. Als Sheng schließlich sogar Hos Freunde und Familie bedroht, um ihn fürs Syndikat zurück zu gewinnen, greifen Ho und der lädierte Mark ein letztes Mal zur Waffe...

Was an "A Better Tomorrow“ beeindruckt, ist nicht nur die eben geschilderte konfliktreiche Haupthandlung, welche die Aufstieg- und Fall-Mythen des Gangsterfilms mit den blutigen Schusswaffen-Duellen des Westerns kreuzt, sondern auch einige großartig miteinander harmonisierende Schauspieler, die durch ihre leidenschaftliche Darstellung für eine mitreißende Drehbuch-Interpretation sorgen.
Ich beginne mit Ti Lung: Er verleiht der etwas reiferen Figur des Tsung Tse-Ho im Verlauf des Films eine Art väterliche Weisheit. Aus dem abgebrühten Routinier, der sein Geld auf illegale Weise verdient, um sich und seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen, wird der einsichtige und verantwortungsbewusste Beschützer, der um alles in der Welt versucht die Gunst seines Bruders Kit wiederzuerlangen.
Kit jedoch, von Leslie Cheung als aufmüpfiger, energischer Jungspund dargestellt, kann sich nicht von seiner Sturheit lösen und lehnt eine Versöhnung mit Ho selbst dann ab, als in ihm Zweifel an der Richtigkeit des eigenen Verhaltens reifen. In einer äußerst bewegenden Szene, nötigt Kit seinen Bruder, ihn als Polizist im Einsatz gefälligst zu siezen. In Hos Gesicht lässt sich die Enttäuschung und Trauer über/um das Verhalten Kits deutlich herauslesen.
Chow Yun-Fat nimmt die Rolle des tragischen Rächers ein, der von ganz oben plötzlich in die Tiefe fällt – eine Entwicklung, an der Mark seinem Freund Ho die Schuld gibt, sei er doch derjenige gewesen, der Mark im Stich gelassen hat, als er sich der Polizei stellte und ins Gefängnis wanderte. Gemäß seines Charakters erobert sich Mark seine Ehre zurück, indem er Ho und Kit wieder zusammenführt und die letzte Schlacht Seite an Seite mit einem echten Freund kämpft. Diese sicherlich fragwürdige Heldenromantik weiß Fatty durch sein faszinierendes, an die Gestik des jungen Alain Delon erinnerndes Schauspiel zu neutralisieren.
Die am wenigsten komplizierte Rolle wird von Waise Lee gespielt. Sein Sheng ist als mieser Verräter angelegt und somit ein stereotyper Charakter. Man muss Lee, dennoch hoch anrechnen, dass es ihm gelungen ist, die Hinterhältigkeit und Bösartigkeit seiner Figur mit sehr reduzierter Miene rüberzubringen.
Anstatt jedoch allein die Schauspieler zu loben, sollte erwähnt werden, dass die für die Besetzung der eben geschilderten Rollen Verantwortlichen ein geniales Gespür dafür gehabt zu haben scheinen, welcher Part von wem am glaubwürdigsten ausgefüllt werden kann. Das Ensemble von "ABT“ gleicht einem einzigen Kunstgriff.

Unabhängig vom bereits 1984 entstandenen (von mir leider noch nicht gesichteten) "Hongkong Vice“ wird "ABT“ häufig als die Geburtstunde des Heroic Bloodshed-Genres bezeichnet.
Die kunstvoll arrangierten und blutrünstigen Shootouts stellen damals sicherlich eine Neuerung im Bereich des asiatischen Action-Kinos dar: In delikaten Zeitlupen und mithilfe von punktgenauem Bild- und Tonschnitt präsentierte Woo dem begeisterten Publikum ein bis ins i-Tüpfelchen durchchoreographiertes Massaker, welches schon fast die Eleganz einer Ballettvorführung überbietet. Natürlich erreicht "ABT“ in seinen Action-Sequenzen nicht den übermenschlichen Perfektionismus von Woos späteren Meisterwerken "The Killer“ und "Bullet in the Head“, aber er kommt dem schon sehr nahe.

Ungewöhnlich traditionell mutet "ABT“ hinsichtlich der familiären – und in gewisser Weise auch sozialen – Konflikte der Hauptfiguren an. Nach eigenen Aussagen war es John Woos Absicht, einen Film zu drehen, der seiner Meinung nach verloren gegangene Werte wie Familie, Freundschaft und Toleranz betont und aufleben lässt. Die Umsetzung dieses Vorhabens wirkt in ihrer Ambitioniertheit schon fast altmodisch. Hier wird der überaus große Einfluss von Regie-Legende Chang Cheh auf Woos frühere Werke deutlich. Die Zeit, in der Woo Cheh als Regieassistent diente, scheint seine künstlerische Entwicklung zu großen Teilen mitgeprägt zu haben.

Ein streitbarer Punkt ist der blödelige Slapstick-Humor des Films – wahrscheinlich ein Überbleibsel aus Woos Komödien-Zeit. Genau wie die kitschige Romantik lässt sich besagter Humor als ein die Härte und Ernsthaftigkeit des Geschehens verharmlosendes Mittel betrachten. Mich selbst hat diese "familienfreundliche“ Komponente nie gestört, da ich sie, seit ich mich für diese Art von Film interessiere, als essentiell für das HK-chinesische Action-Kino erachte.

Viele Worte brauche ich über diesen Klassiker des Heroic Bloodshed-Films wohl nicht mehr zu verlieren, denn im Herzen eines jeden Verehrers stilisierter Gangster-Epen dürfte "ABT“ schon längst fest verankert sein. In meinem ist er es jedenfalls.

Leslie Cheung, ein Schauspieler, der von seinen Fans aufgrund seiner Begabung und seines Charismas geliebt wurde, nahm sich am 1. April des Jahres 2003 sein Leben. Möge dieser bewundernswerte Mensch in Frieden ruhen.

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