Im Filmbusiness gibt es eine feste Regel, an die sich jeder noch so untalentierte Möchtegern-Filmemacher halten sollte, und sie lautet:
"Hat es geklappt, dann tu es nochmal"
Dem treuen Einhalten dieser Regel ist es zu verdanken, dass sich die Filmemacher ständig mit dem selben Rezept in anderen Farben zu überbieten versuchen.
Speziell in Hong Kong war das mehr als ermüdend, denn mal ehrlich, ein Zehntel von den Kung Fu-Filmen die dort gedreht wurden hätten es auch getan, doch das Publikum kennt gar nichts anderes mehr, und bevor man das Risiko eingeht, einen Haufen Kohle bei einem ungefragten Filmprojekt zu verlieren, dreht man lieber "Die Rache der Gelben Fäuste - Teil XIIV".
Nur gut, dass es wie überall, auch im Filmgeschäft Leute wie John Woo gibt, denen dieser Mainstream durch und durch stinkt.
Hat dieser bereits auch Erfahrung mit Kung-Fu Filmen gemacht, beschließt er dennoch nun etwas frisches zu machen.
Woo gehört zu den besonderen Regessieuren, die nicht einfach nur blind das tun, was dem Publikum schon schmecken wird, nein er versucht viele seiner eigenen Ideen und Wertvorstellungen an die Öffentlichkeit zu bringen, um zu zeigen: Seht ihr Leute, so kann das auch aussehen!
Woo war es wichtig einen Film zu drehen, der traditionelle Werte wie Familie, Freundschaft, Loyalität und Toleranz betont. Und dazwischen sollte es massig Bleikugeln geben, die von smarten Gangstern abgefeuert werden. Ein irrer, unpassender und vielleicht sogar geschmackloser Mix, wie es sich wohl so mancher damals dachte, als diese Ideen-Kombination an die Öffentlichkeit gelangte.
Doch John Woo setzte seine Ideen zusammen mit Produzent Tsui Hark durch, und so entstand nicht nur ein erfolgreicher Franchise, sondern gleich ein komplett neues Genre. John Woo erschuf mit "A Better Tomorrow" den ersten Heroic Bloodshed, welcher zwei Fortsetzungen nach sich zog, sowie viele andere Filme dieses Genres sowohl von Woo als auch anderen Filmemachern, die mal gut und mal schlecht kopierten.
Was zeichnet diesen Film bzw das Genre des Heroic Bloodsheds nun aus, und was machte ihn so erfolgreich, obwohl er kein Kung-Fu Film war?
Im Allgemeinen zeigt ein Film von John Woo immer Gangster, Killer und Polizisten. Innerhalb dieser Mileues herrscht skrupelloser Verrat, und auch freundschaftliche Beziehungen zum eigentlichen Feind. In diesen Filmen gibt es keine Helden. Es gibt allenfalls nur Leute, die man symphatisch findet, und sich mit denen identifiziert. Doch diese Charaktere sind keine Retter des Tages, sondern Leute, die Freundschaften retten möchten, was eben auch bei den "bösen" also den Gangstern der Fall sein kann.
A better Tomorrow erzählt die Geschichte, von zwei Brüdern die beruflich verschiedene Wege gehen. Kit (Leslie Cheung) wird zum Polizisten ausgebildet, und darf schon bald den Dienst antreten, während Ho (Ti Lung) schon lange bei den Triaden beschäftigt ist, und hauptsächlich für den Falschgeldhandel zuständig ist.
Doch der im Sterben liegende Vater möchte von Ho, dass dieser seine kriminelle Karriere aufgibt, und ein normales Leben führt, noch bevor Kit davon erfährt.
Einen letzten Auftrag jedoch wird Ho noch tätigen, doch dieser entpuppt sich als eine Falle, die sein Gangsterkollege Shin (Waise Lee) arrangierte.
Den Gangstern konnte Ho noch entkommen, nun aber muss er sich vor der Polizei verstecken. Da scheint es ihm sinnvoll sich zu ergeben, anstatt zu flüchten.
Nun sitzt er 3 Jahre lang in einem Gefängnis in Taiwan.
Sein Kollege und bester Freund Mark (Chow Yun-Fat) wollte sich an den Kerlen rächen und schoss alle die Ho bei diesem Auftrag erledigen wollten nieder, erlitt dabei aber schwere Verletzung am rechten Bein, und so ist er nun ein Krüppel mit Schienbein Protese und ist für das Gangsterbuisness nicht mehr zu gebrauchen.
Kit empfindet für seinen Bruder nur noch Hass, und will von diesem nichts mehr wissen, obwohl Ho versucht ihm klar zu machen, dass er ein neues Leben angefangen hat...
So spielt sich dieses Gangster-Drama ab und betont die Werte Freundschaft und Vertrauen zusammen mit den Gegensätzen Feindschaft und Verrat, auf die John Woo viel Wert legte. Dies zieht dann viele ergreifende Szenen mit sich, die durch die überaus talentierten Schauspieler die nötige Intensität erreichen.
Die wichtigste Rolle trägt Ti Lung den ich vorher nur als eherenvollen Vater aus Jackie Chan's "Drunken Master 2" kannte. Er macht seine Sache richtig gut, und kommt durchgehend glaubwürdig in jeder Szene daher.
Er ist ein Gangster, der seine Karriere auf den Nagel hängen will, nur seines Bruders wegen, welcher das aber nicht glauben will.
Dieser von Leslie Cheung gespielte Kit ist ebenfalls hervorragend wie symphatisch, auch wenn der Hass gegen seinen Bruder diese Eigenschaft etwas in den Boden stampft.
Schließlich ist da noch Chow Yun-Fat in der Rolle des Mark Lee (oder auch Gor), der geradezu brilliert. Nicht nur dass er ein guter Charakterdarsteller ist, er hat auch noch eine einzigartige Ausstrahlung, die dem Gangster den er verkörpert eine besondere Coolness verleiht. Mark Lee ist fast schon eine Kultfigur. Mit dem weiten Mantel über den Smoking und der der passenden Sonnenbrille im Gesicht kommt Yun-Fat unglaublich cool daher und hätte es somit nichtmal nötig gut zu schauspielern, um dennoch am stärksten im Gedächtnis des Zuschauers zu bleiben.
Schließlich hat er ebenfalls eine sehr wichtige Rolle, sowie einen hübschen Gunfight in einem Restaurant und letztlich auch einen dramatischen Abgang am Ende des Filmes.
Kein Wunder, dass Yun-Fat der meist eingesetzte Schauspieler John Woo's ist.
Er ist auch derjenige der das Heroic Bloodshed quasi porträtiert. Neben den genannten familiären Werten sind auch fetzige Shootouts mit übelst blutigen Schusswunden ein Vorzeigeelement dieses Genres und da ist Yun-Fat derjenige der mit zwei automatischen Pistolen gleichzeitig umsich feuert, was in "Hard Boiled" seinen absoluten Höhepunkt fand.
Ein Feature, dass man bis dahin so noch nicht gesehen hat.
Man muss wirklich kein filmisches Genie sein um auf die Idee zu kommen dem Protagonisten zwei Knarren in die Hände zu stecken, man muss aber eben John Woo sein, um die Shootouts so aussehen zu lassen, wie sie vorher noch nie gefilmt wurden.
Dabei sollte man aber beachten, dass es sich hier um ein Erstlingswerk von John Woo handelte, und da sind eben die Shootouts bei weitem nicht so spektakulär und wild ausgefallen, wie in nachfolgenden Filmen. Dennoch hebt es sich von dem Durchschnitt ab, da es bekannte Anzeichen von diesen ganz speziell choreographierten Shootouts gibt. Wenn wo hingeschossen wird, dann knallt es da auch gewaltig und Gegenstände wie eine Vase zerplatzen, als ob sich eine kleine Sprengstoffladung darin befand (wird so beim Dreh auch wirklich gewesen sein). Treffer hinterlassen entweder eine Menge Blut oder wenn sie ins Leere gehen, zumindest einen Rauch, evtl sogar rießen Explosionen. Das sind bewegte Bilder, lebendige Action.
Die Szene in der Chow Yun-Fat bewaffnet vor dem Esstisch steht, an dem die Gangster sitzen, die Ho eine Falle stellten, und schließlich Wild auf den Tisch feuert, wäre ein Vorzeigeshootout des Films. Eine solche SEHR ähnliche Szene findet sich im Ballerfilm "Last Man Standing" mit Bruce Willis wieder. Man kann nicht leugnen, dass die Macher von "LMS" große Fans von Woo waren.
Man sollte aber auch nicht zu viel erwarten, denn obwohl John Woo heute als großer Action Regessieur bekannt ist, handelt es sich bei "A better Tomorrow" doch eher um ein Gangsterdrama mit einigen Actioneinlagen. Für einen Actionfilm mit dramatischen Elementen ist der Film zu Actionarm und legt zu viel Wert auf Charakterzeichnung.
Diese gelingt dank der talentierten Schauspielern sehr gut, doch auch die Musik, die den Film begleitet trägt dazu bei.
Die ABT-Theme ist sowieso die kultigste Film-Melodie, die ich je gehört habe (und ich kenne sie erst seit wenigen Wochen!!) und auch die restliche Musik trägt zum Kult-Charakter dieses Films bei, der er ist.
Obwohl ich mich hier weitestgehend positiv geäußert habe, muss ich sagen, nach dem ersten Betrachten des Films gelangweilt und enttäuscht gewesen zu sein. Mangelnde Konzentration durch Ablenkung wie Müdigkeit und die Gedanken an ein bestimmtes weibliches Wesen (hehe) sind nicht ganz unschuldig. Beim zweiten Betrachten aber konnte ich der interessanten Handlung aufmerksamer folgen, und mich gut unterhalten lassen.
Der Film ist von 1986 und stammt aus Hong Kong, und hat eben einen auf den ersten Blick ziemlich unspektakulären B-Look, die Action ist ganz ok und geht in Ordnung, ist aber aus heutiger Sicht bei weitem nicht mehr so fesselnd, wie sie damals wohl war, aber Woo konnte sein Talent in nur wenigen Jahren steigern und bescherte bereits noch vor den 90ern zwei seiner besten Filme wie die Fortsetzung zu ABT und auch "The Killer".
Mit diesem und weiteren Filmen wurde John Woo zu einem Markenzeichen und zu einem Maßstab. Ein Regessieur mit einem einzigartig erkennbaren Regiestil. Von welchem Regessieur könnte man sonst noch nach dem Begutachten einer bestimmten Film-Szene sagen "Diese Szene könnte fast von *Insert Director* stammen"?
A Better Tomorrow ist also objektiv betrachtet ein nettes Gangster Drama mit überdurchschnittlicher Action. Den Kultcharakter und Ruf wahrt der Film in seinen coolen Hauptdarstellern (allen voraus Chow Yun-Fat) der echt stylischen Musik, und letztlich der Tatsache, der Grundbaustein einer neuen Filmära zu sein.
7/10 Punkten weil ich nachfolgende Filme, vor allem die Fortsetzung ABT2 noch um einiges besser finde