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„A Better Tomorrow“ ( hierzulande für lange Zeit auch bekannt unter dem „tollen“ deutschen Titel „City Wolf“ ) aus dem Jahre 1986 ist quasi der erste Vertreter eines neuen Subgenres der Filmwelt, des sogenannten „Heroic-Bloodshed“-Films, einer Unterart bzw. einer „Re-Interpretation“ der klassischen Gangsterfilme à la Jean-Pierre Melville ( z.B. „Der eiskalte Engel“ mit Alain Delon ) und Martin Scorsese ( z.B. „Taxi Driver“ und „Hexenkessel“ ) im Stile des neuen, von John Woo hiermit bedeutsam geprägten Hongkong-Kinos, das auch von der restlichen Welt nun durch zunehmende Distanz zu den vorherigen Eastern- und Martial-Arts – Produktionen mehr wahrgenommen wurde.

Woos Helden ( allen voran natürlich der talentierte und charismatische Chow Yun-Fat, dem noch eine große Karriere sowohl im heimischen Hongkong als auch in Hollywood bevorstehen sollte [ „The Killer“, „Hard Boiled“; „The Replacement Killers“, „Anna und der König“, „Tiger and Dragon“ ] ) bewegen sich in einer Grauzone zwischen Kriminalität und Recht, zwischen Sympathie und Apathie, zwischen Leben und Tod. Neben vielen melancholischen Momenten, in denen immer wieder die Themen Freundschaft, Ehre, Moral und Loyalität angesprochen werden, prägte John Woo in den harten, gewaltvollen Actionszenen, vornehmlich mit Schusswaffengebrauch, deutlich in der Tradition von Altmeister Sam Peckinpah ( „The Wild Bunch“, „Getaway“ ), den Stil einer trotz blutigster Einschüsse durch geschickte Montage, Kameraführung und den ausschweifenden Einsatz von Zeitlupen äußerst stilisiert wirkenden Gewaltdarstellung. Als typisch für woo’sche Action wird später immer wieder der mit zwei Waffen gleichzeitig feuernde Protagonist angesehen werden.

Bei „A Better Tomorrow“ kommt als weiteres Positivum sicherlich der überwältigende Soundtrack zum Tragen.

Alles in allem gehört dieser Streifen zu den Filmen, die von sich behaupten können, eine neue Ära eingeläutet zu haben, denn viele weitere Actionfilme werden ( mit zum Teil sehr geringen Erfolgen ) versuchen, diesen ( von Woo in seinen weiteren Filmen noch ausgeweiteteren ) Stil zu kopieren.

Trotz der Tatsache, dass die eigentliche Geschichte relativ unspektakulär und teils klischeehaft und der unpassende Einsatz einer ( wenn auch geringen ) Dosis Hongkong-Humors am Anfang deplaziert ist, beweisen Szenen wie die unvergessliche Restaurant-Sequenz in der Filmmitte, dass „A Better Tomorrow“ ein Wegbereiter von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist.

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