1986 war das Jahr das Hong-Kongs Star-Regisseur John Woo den internationalen Durchbruch verschaffte. Nach mehr oder weniger erfolgreichen Komödien und Kung Fu - Filmen gelang ihm mit dem ersten Teil der Trilogie "A better Tomorrow", hierzulande besser bekannt als City Wolf, der großen Wurf. Der Film ist ein freies Remake eines HK-Films aus den 60ern: "True Colors of a Hero". Woo erschuf damit das so genannte Heroic Bloodshed-Genre, indem es sich immer um einen dunklen harten ultracoolen Helden dreht, der mit sich und seinen Gewissen zu kämpfen hat und die Bösewichter in ultrablutigen Shootouts in Zeitlupe erlegt. Dabei kommt es immer zu einer direkten Gegenüberstellung von Angesicht zu Angesicht des Helden und seines Erzfeindes. Für die Rolle seines Helden bewies Woo mit dem Hauptdarsteller Chow Yun Fat ein glückliches Händchen: Der sonst nur aus chinesischen Soapstars bekannte Star spielte die Rolle des Gangsters Mark Gor so cool , hart und überzeugend, das er zum Vorbild vieler Asiaten wurde und Woo Jahre später in die Staaten folgte, um dort Hits wie "Anna und der König" mit Jodie Foster oder "Corruptor" mit Mark Wahlberg drehte. Fats Darstellung des Marks
traf den Nerv der damaligen Zeit so genau und wurde so beliebt, das etliche Jugendliche im Umkreis versuchten seinen Charakter zu kopieren. Die Folge: Innerhalb kürzester Zeit waren alle Sonnenbrillen und Trenchcoats in Hong Kong ausverkauft.
Hong Kong. Die zwei Gangster Mark Gor ( Chow Yun Fat ) und Ho Tse Tung ( Ti Lung ) sind erfolgreiche Partner eines Syndikates, das ihr Geld mit Geldwäscherei verdient. Ein großes Problem gibt es allerdings für Tung: Sein kleinerer Bruder
Kit ( Leslie Cheung ) ist ein aufstrebender junger Polizist, der aufgrund des "Jobs" seines Bruders jeglichen Kontakt mit ihm
abgebrochen hat und als Gefühle nur noch Hass und Verachtung für ihn übrig hat. Ho Tse möchte den Kontakt wieder-
herstellen und um seinen Bruder umzustimmen, versucht er mit Marks Hilfe aus dem Gangsterdasein auszusteigen. Doch die
Ereignisse überschlagen sich: Mark wird bei einem Racheversuch von Gangstern zum Krüppel geschlagen, Ho kommt bei seinem letzten Job, der sich als Hinterhalt entpuppte ins Gefängnis und Hos und Kits Vater wird von dem Gangstersyndikat ermordet. Auch als Ho aus dem Gefängnis entlassen wird, kann er in der "normalen" Arbeitswelt kaum Fuß fassen, und für seinen Bruder ist er erst recht gestorben. Nur Kits Freundin versucht die beiden wieder zusammen zubringen. Ho trifft wieder auf Mark, der ihn wieder mit dem Syndikat zusammenbringt. Als Ho das Angebot der Bosse ausschlägt wieder einzusteigen, stehen Mark, Kit und er auf der Abschussliste. Sie müssen sich ihrem Schicksal in einen bleihaltigen Showdown stellen, das nicht alle drei überleben werden........
"A better Tomorrow" ist wahrlich ein Meisterwerk des Gangsterfilms. Selten wurden die Charaktere so toll eingeführt und ausgebaut, wie in Woos Film. Die Dialoge, das Auftreten und die Darstellerleistungen seiner "Gangster" sind famos. Der brutale und spannende Showdown ist einmalig und wurde von vielen amerikanischen Action-Regisseuren versucht zu kopieren. Handwerklich hat der Film kleine ( aber wirklich nur kleine ) Schwächen: Man merkt den Film, besonders bei Musik, Beleuchtung und Kamera schon an, das das Budget doch recht knapp war. Das dieser Film den Nerv der Zeit traf, darf nicht unterschlagen werden, bedenkt man das Mitte der 80er nur Kung Fu- und Liebesfilme in HK gedreht wurden. Nach dem Erfolg des Films, gab es noch zwei Fortsetzungen: "A better Tomorrow 2" und "A better Tomorrow 3", von denen nur der zweite Teil dem Meisterwerk annähernd das Wasser reichen konnte. Vielleicht lag es auch daran, das Woo nur den zweiten Teil inszenierte und beim dritten seinen Freund und Produzenten der Trilogie, Tsui Hark den Regiestuhl überließ.
WERTUNG: 8 / 10