Review

Shaft –Noch Fragen?
Oh ja, da hätte ich doch noch die eine oder andere.
Vorher würde ich gern vorwegschicken, daß es vom Typus her eine hervorragende Entscheidung war, Samuel Jackson die Hauptrolle in dieser Neuinterpretation zuzuschanzen, denn mit der ihm eigenen Größe gewinnt Shaft noch mehr an Kontur, als der manchmal etwas blasse Richard Roundtree, der seine Filme kaum tragen konnte.

Trotzdem komme ich nicht umhin, darüber nachzudenken, was ich letztendlich für einen Film gesehen habe.
Denn Shaft ist hier ein überdimensionaler Polizeibeamter, praktisch unübertölpelbar, unangreifbar und ultimativ einsetzbar, kaum der Privatdetektiv der Vorlagen. Noch dazu agiert er in diesem Film weniger, als daß er reagiert, denn die Balance stimmt leider nicht mit dem visualisierten Style überein.

Shaft ist hier einfach nicht die Hauptfigur, stattdessen ist der Film mehr und mehr von den Bösen beherrscht. Aber auch da herrscht Uneinheitlichkeit, denn Christian Bale, der sich als psychopathischer Industriellensohnemann gibt, verschwindet im Lauf der Handlung mehr und mehr aus dem Fokus der Handlung und wird schwächer und schwächer, während eine zu Beginn scheinbare Nebenfigur, ein kleiner puertoricanischer Straßendon und Dealerboss immer mehr Anteile erhält. Das gewinnt dann leider Konturen einer beliebigen Miami-Vice-Folge und nicht die klassische Größe, die einem Remake gebührt.
Shat beschützt hier lediglich eine Zeugin, bzw. braucht zwei Drittel des Films, um sie zur Aussage zu überreden, während wir den Werdegang unseres Mobsters in allen Einzelheiten betrachten. Zwei korrupte Polizisten mischen auch noch mit, aber die verwässern in ihrer halben Trotteligkeit die Story nur noch mehr.

Und wenn der Titelheld dann endlich mal zum Einsatz kommt, hat er meistens wenig zu tun: in weiser Voraussicht hat er meistens alle Eventualitäten schon eingeplant und trickst die Ganoven relativ schnell aus – selbst bei den knalligen Feuergefechten, die halbwegs versöhnen, springen ihm die Bad Guys so offensiv vor das Rohr seiner Puste, daß es manchmal schon etwas albern wirkt.

Wer noch nie was von Plot-Konstruktion gehört hat, kann sich zwar hier und da überraschen lassen, aber insgesamt ist das Ergebnis weder Singleton noch Jackson und schon gar nicht den Vorgängern würdig, obwohl der Vorspann samt Original-Thema noch darauf hindeuten. Aber ehrlich gesagt, braucht man Shaft in diesem Film nicht, Murtaugh und Riggs hatten in „Lethal Weapon“ meist Größeres zu erledigen – weswegen aus einer geplanten Fortsetzung wohl auch nie was wurde.
Mit dem gewissen Augenzwinkern ist der Film aber trotzdem zu genießen, allein es fehlt an Größe, außer bei der Hauptfigur. (6/10)

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