Review

Als der Uhrmacher Michel Descombes (Philippe Noiret) erfährt, dass sein Sohn (Sylvain Rougerie) einen Mord begangen hat, muss er feststellen, wie wenig er ihn eigentlich kennt. Der verständnisvolle Inspektor Guilboud (Jean Rochefort) versucht, dem verschlossenen Uhrmacher zweckdienliche Informationen über den Verbleib des flüchtigen Mörders zu entlocken, muss aber feststellen, dass Descombes sich offenbar zusehends mit seinem Sohn identifiziert…

Basierend auf einem Roman von Georges Simenon ist Bertrand Tavernier ein äußerst fesselndes Drama gelungen über einen von seinem Sohn entfremdeten Vater, der in der unerwarteten Mordtat seines Sprösslings plötzlich eigene Enttäuschungen vergolten sieht. Der Konflikt macht als gesellschaftliche Miniatur die Frustrationen und das Ohnmachtsgefühl einer Mittelschicht erfahrbar, die sich längst nur noch als entbehrliches Anhängsel einer dekadenten Elite-Gesellschaft empfindet. Der gut gespielte, mit agiler Kamera flott inszenierte Film frönt freilich einer Dialoglastigkeit, die das stark politisierte, sehr wohl streitbare Gesellschaftsbild nicht selten zu überdeutlichen Merksätzen verkürzt.

Details
Ähnliche Filme