Die Welt steht in Flammen - aber wir sind zusammen!
Ein Vater - einfacher und einsamer Uhrmacher - erfährt, dass sein Sohn einen Mord begangen haben soll - und schnell beginnt ein humanistisches Aufbeugen gegen/trotz Schuld, Entfremdung und Herzlosigkeit…
Die Uhr tickt
Seitdem ich meinem Sohn das erste Mal in die Augen geschaut habe, wusste ich, dass ich ihn bis zu meinem letzten Atemzug lieben werde. Dass ich ihm auf ewig zur Seite stehen werde. Egal was passiert. Selbst wenn er zu keinem guten Menschen werden würde oder gar zum Mörder. Meine tiefste Verbindung zu ihm ist einfach zu fest in meiner Seele und DNA verankert, um vom Gegenteil auszugehen, selbst im Super-GAU. Selbst wenn er mein Leben mit einer grausamen Tat wahrscheinlich mit kaputt machen würde. Aber diese Liebe lässt sich eben nicht abschütteln oder zerstören. So toll wie gefährlich das auch gleichzeitig sein mag. Selbst nach fünf Jahren ohne Kontakt oder Ahnung, wer er momentan eigentlich ist, würde ich noch um die halbe Welt fahren, wenn er mich ruft und meine Hilfe braucht. Das werden denke ich viele Eltern nachvollziehen und verstehen können. Und genau mit diesen stürmischen und unwiderlegbaren Gefühlen spielt auch „Der Uhrmacher von St. Paul“, bei dem man kaum glauben kann, dass er Bertrand Taverniers Regiedebüt sein soll. Denn eigentlich ist er nahezu pitch perfect. Lyon sieht man selten und wird hier in außergewöhnliche Bilder und Ansichten getaucht. Die Vater-Sohn-Beziehung hat mehr Schichten und Säure als eine fette Zwiebel. Die letzten Momente sind außergewöhnlich versöhnlich und haben mich tief berührt. Und es gibt hier enorm viel zwischen den Zeilen zu lesen - und jedes (unausgesprochene) Wort macht Sinn, ist scharf und sitzt…
Fazit: ergreifend, echt, unendlich viel mehr als eine Krimigeschichte… Einer der ganz großen, väterlichen Geheimtipps des französischen Kinos. Tiefgründig, weise und wahrhaftig. Und ein wunderbarer Liebesbrief an Lyon obendrein. Die Welt aus den Fugen - aber nur wir beide zählen. Groß!