Review

Eine Kleinstadt in Amerika.
Eine tote Transsexuelle am Straßenrand.
Ein Sheriff.

Mit dieser Konstellation wird man zu Beginn von "Behind the Badge" konfrontiert. Sheriff Darl, gespielt von Billy Bob Thornton, hat es nicht so mit der Moral. Der verunglückte Laster, der der Transsexuellen noch ausgeweicht und danach umgestürzt ist, hat Schuhe geladen. Kleinstadtcop Darl vertickt die Ware an Bewohner des Kaffes. Um Stimmen für die nächste Wahl zu bekommen.

A propos Moral. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Moral wird kleingeschrieben. Minderheiten werden ausgestoßen, verachtet. Sogar die Politiker haben Dreck am Stecken und spielen falsche Spiele. Auch bei Darl ist die Moral nicht mehr als ein Wort im Duden. Bis er Scarlet, die Ehefrau des Ermordeten, kennenlernt. Ihr verspricht er, den Fall zu lösen. Und bekommt es mit dem Gourverneur, seiner Ex-Frau und anderen Politikern zu tun.

Wieder mal ein Seitenhieb auf die amerikanische Politik. Zwar nur anhand einer kleinen Südstaatenstadt aufgezeigt, nimmt der Regisseur die Politiker und deren Verhalten ganz schön auf die Schippe. Niemand scheint eine saubere Vergangenheit zu haben oder mit sauberen Karten zu spielen. Als Darl der Lösung näherkommt, wird auch mit ihm ein fieses Spiel gespielt und ihm der Sheriffjob entzogen. Er könnte ja den mächtigen und einflussreichen Politikern was anhaben. Das ist Kritik an Amerika und den Umständen dort. Aber nicht nur Amerika, eigentlich können sich mehrere Länder angesprochen fühlen.

Die andere Stärke des Films ist die unorthodoxe Machart. Ein ernstes Thema mit einem zwinkernden Auge behandeln. Schon der Anfang zeigt, was einen im Folgenden erwartet. Fast schon lynchesk, teilweise an Twin Peaks erinnernd, kommt Darl, der Sheriff an die Unfallstelle. Es ist immerhin ein Mord geschehen. Doch eher positiv stimmende Countryklänge untermalt das Begehen des Fundortes. Schnelle Schnitte, dann die Telefonate Darls mit den Bewohnern der Stadt. Er verspricht ihnen Schuhe, die aus dem LKW gefallen sind. Höchst illegal, versteht sich, doch das wird alles so selbstverständlich dargestellt, dass man schon mal Schmunzeln muss.

Und im Allgemeinen nimmt sich der Film nicht so ernst. Obwohl er es ist. Somit wird eine Aussage mitgeteilt, ein Problem dargestellt, doch dennoch sehr unterhalten. "Behind the Badge" ist für ein solches Filmchen recht kurzweilig und lustigen Dialogen gespickt. Man kann schon mal das ein oder andere Mal lachen.

Nur es ist eben ein Filmchen. Auf das Zwischenmenschliche wird leider zu wenig eingegangen. Sei es auf die Differenzen und die Vergangenheit von Darl und seinem Bruder, nur am Rande bekommt man von dem Streit mit und auch erst gegen Ende erfährt man dann endgültig, wer sein Bruder überhaupt ist. Auch auf seine Beziehung zu seiner Ex-Frau wird zu wenig eingegangen, der Zuschauer erkennt zwar die angespannte Atmosphäre zwischen beiden, aber mehr als die typischen und klischeehaften Ex-Partner-Meinungsverschiedenheiten bekommt man da nicht zu Gesicht.

Was das Verhältnis von Darl und Scarlet angeht, das ist auch nichts Halbes und nichts Ganzes. Auch da hätte man mehr ins Detail gehen können, ein paar mehr ausgefeilte Dialoge ins Spiel bringen und ganz einfach auch mehr Szenen, in denen die Beiden zusammen zu sehen sind. Teilweise verschwindet Scarlet ja ganz von der Bildfläche, um dann Minuten später erst wieder eine Rolle zu spielen. Für das, dass sie eine wichtige Rolle, auch für Darl, spielt, ist das einfach zu wenig.

Gesellschaftskritik und Machart lassen den Film aber als recht kurzweilig erscheinen, der durchaus seine Aussage hat, ohne aber auf Lachen oder Schmunzeln verzichten zu müssen. Mehr als gehobener Durchschnitt ist jedoch nicht drin für "Behind the Badge". Auch ein sympathischer und gut aufgelegter Billy Bob Thornton ändert daran nichts.

6,5/10 Punkte

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