BENEATH
(BENEATH)
Larry Fessenden, USA 2013
Vorsicht – dieses Review enthält kurze SPOILER!
Sechs jugendliche Schwachköpfe fahren dummes Zeug schwatzend mit ihrem Auto durch eine idyllische grüne Landschaft, um an einem abgelegenen See zu feiern, in dessen Umgebung es keinen Handyempfang gibt ... Was mag das wohl für ein Film sein? Richtig – ein weiterer Teenie-Slasher oder ein TV-Creature-Feature vom Billigschmiedenfließband. In diesem Fall haben wir es mit Letzterem zu tun. Beneath (nicht zu verwechseln mit Ben Ketais ebenfalls 2013 erschienenem Bergwerks-Katastrophenhorrorthriller gleichen Originaltitels, der hierzulande aber noch den Anhang Abstieg in die Finsternis verpasst bekommen hat – wer will, findet auch noch weitere gleichnamige Filme), Larry Fessendens Beneath also ist eine Produktion von Chiller Films und Glass Eye Pix, die schon durch ihre Bewertungen in den großen Datenbanken als veritabler Trash ausgewiesen wird und mir eher zufällig über den Weg lief – gesucht habe ich nicht nach ihr, aber wo sie nun schon einmal da war, wollte ich sie als erklärter Freund des gepflegten C-Klassen-Tierhorrors natürlich gern mitnehmen.
Unsere sechs Spät-Teenie-Protagonisten, ungewöhnlicherweise in der Konstellation vier Jungs und zwei Mädels, wollen also feiern, und zwar ihren Schulabschluss. Am See angekommen besteigen sie ein Boot, um damit ans andere Ufer zu rudern – klingt belanglos, ist es aber nicht, denn das Skript hetzt ihnen einen riesigen Fisch der Marke Tigersalmer auf den Hals. Der ist zwar nicht per se böse oder besonders intelligent, hat aber Hunger und möchte demnach fressen. Besonders intelligent sind freilich auch unsere Helden nicht, und so stehen beziehungsweise sitzen sie bald ohne Ruder da und sind dem kreuzgefährlichen Seebewohner weitgehend hilflos ausgeliefert. Guter Rat ist demnach wieder einmal teuer, und er wird noch teurer, als es das erste Opfer zu beklagen gibt und das Boot ein Leck bekommt ...
Der Witz an Beneath ist nun (so sagt man gemeinhin – Humor in jedweder Form verabschiedet sich hier natürlich ganz schnell), dass sich der Streifen weniger um blutige Monsterangriffe als vielmehr um das Verhalten seiner Protagonisten in der gegebenen Extremsituation kümmert. Eine gute Idee, aber leider ist Larry Fessenden, der sich auf ein schwaches Skript von Tony Daniel und Brian Smith stützt, mit ihrer Umsetzung schlichtweg überfordert (mit ähnlichen Problemen hatte er bereits in seinem ebenso ambitionierten Öko-Thriller The Last Winter zu kämpfen). Um das Sinken des Bootes zu verlangsamen und den todbringenden Flossenträger mit frischem Fleisch abzulenken, wird wiederholt von den jeweils Verbliebenen ausdiskutiert, wer von ihnen sich freiwillig opfert beziehungsweise, weil das natürlich niemand tun will, wer von den anderen als Futter in den See geworfen wird (der Killerfisch kann’s also ganz entspannt und gemütlich angehen lassen – man kümmert sich um seine Mahlzeiten). Das führt fast zwangsläufig zu einigen unglaubwürdigen und vor allem lästigen Passagen, denn die Streitereien der überwiegend eher unsympathischen Protagonisten möchte man nicht wirklich hören, zumal die Qualität ihrer Dialoge noch beunruhigend viel Platz nach oben hat. Alles wie immer also im Billig-Creature-Feature der Woche?
Nun, nicht ganz. Beneath hat durchaus intensive Momente und sogar ein paar Überraschungen auf Lager. So kann der erste Todesfall wirklich verstören, weil er nicht den üblichen Mustern folgt, sondern ganz unspektakulär eingeleitet wird (Spoiler bis zum Absatz): Das Opfer, eins der Mädels, fängt sich nur eine vermeintlich harmlose Wunde am Arm ein, verblutet aber in sehr kurzer Zeit daran (die Betonung lag also auf „vermeintlich“). Auch dass der unmissverständlich als Schlüsselfigur eingeführte Beteiligte schon als Dritter dahingerafft wird, erstaunt – und belegt, dass hier niemand sicher ist, was die Spannung deutlich erhöht. Zudem zieht der Streifen sein Programm mit beeindruckender Konsequenz und Bösartigkeit bis zum bitteren Ende durch – es gibt nicht einmal das Final Girl, das man in den letzten Minuten ganz zweifelsfrei zu sehen glaubt. Damit hat Beneath zumindest bei mir doch wesentlich mehr Wirkung erzielt als die üblichen Genre-Einträge seiner Preisklasse.
Im visuellen Bereich gibt es grundsätzlich kaum etwas auszusetzen: Der Streifen liegt selbstredend nur im üblichen TV-Format vor, verfügt aber über klare und spürbar liebevoll eingefangene Bilder – die idyllische Landschaft des Schauplatzes kommt sehr wohl zu ihrem Recht und die Kamera bemüht sich um abwechslungsreiche Perspektiven, was vorwiegend zu Neunzig-Grad-Draufsichten führt. Einen noch besseren Gesamteindruck vermasselt sich die Optik allerdings durch allzu oft integrierte und megagrottige Aufnahmen, die der Nerd vom Dienst unter den Helden gerade mit seinem Mini-Camcorder macht. Ein paar dicke Pluspunkte sammelt Beneath dafür mit seinem schwimmenden Old-School-Monster ein, das bis auf wenige Kleinigkeiten ohne Rechnerunterstützung daherkommt und zwar nicht immer, aber doch in vielen Szenen bemerkenswert echt aussieht – ein weiterer Aspekt, durch den sich der Streifen deutlich vom CGI-geprägten Einerlei des gemeinen zeitgenössischen TV-Creature-Horrors abgrenzt.
Leistungsklassenüberdurchschnittlich agieren zumindest unter dem Strich auch die Darsteller. Große Schauspielkunst bekommt man von den hier angetretenen jungen Leuten nicht zu sehen, aber sie liefern ihre immerhin nicht gänzlich aufs Sprücheklopfen und Herumkreischen beschränkte Arbeit unfallfrei und ohne Angriffsflächen für ernsthafte Kritik ab. In den wichtigsten Rollen sind Daniel Zovatto und Bonnie Dennison zu sehen – Ersterer wirkt als mutmaßlicher Held des Geschehens für meinen Geschmack etwas zu mädchenhaft, während mir die hübsche, vor allem aber wohltuend natürlich auftretende Bonnie Dennison sehr gut gefallen hat, zumal ihre Figur mit einer anderen Besetzung schnell zum Ärgernis hätte werden können. Der Score ist schließlich bemüht, auch seinen Beitrag zum Gelingen des Films beizutragen, findet aber weder mit einem prägnanten Popsong noch mit einigen überdramatisierten Passagen den rechten Erfolg. Am ehesten fällt er zumindest in der vorliegenden Fassung durch seine ohrenbetäubend laute Abmischung ins Gewicht.
So zeigt sich ein vergleichsweise achtbares Ergebnis: Auch Beneath leidet an einigen im Billigsegment seines Genres üblichen Krankheiten (wie Glaubwürdigkeitsaussetzer und ein wenig einnehmendes, zum Teil sogar nervendes junges Personal – hierin sind wohl auch die Ursachen für die sehr kritische Rezeption dieses Films zu finden), gefällt aber durch seine solide Umsetzung, Kompromisslosigkeit und den ernsthaften Versuch, psychologische Fragen dem puren Gemetzel vorzuziehen. Dass er sich mit Letzterem kräftig verhebt, soll ihm hier nur bedingt übel genommen werden – insgesamt lässt sich Larry Fessendens gemeiner kleiner Flossenschocker noch immer im Grenzbereich zur B-Klasse einordnen, und das darf für eine preiswerte TV-Produktion durchaus als Erfolg gewertet werden. Ich bin daher und in Anbetracht des über weite Strecken guten Abends, den ich mit diesem Film hatte, sogar bereit, ihm Applaus zu spenden. Kurz natürlich. Und ganz leise.
Gute 5 ... und damit schon fast schwache 6 von 10 Punkten.