Fünf Jahre lang war es ruhig um den deutschen Regisseur Martin Weisz, der mit "Rothenburg" debütierte und mit der Neuauflage von "Hills Have Eyes 2" auch nicht sonderlich überzeugen konnte. "Squatters" schaffte es trotz namhafter Besetzung und spannend klingender Prämisse noch nicht einmal bis zur Kinoauswertung, was spätestens ab Mitte der Geschichte nachvollziehbar wird.
Die jungen Landstreicher Kelly (Gabriella Wilde) und Jonas (Thomas Dekker) nisten sich in der Villa von David Silverman (Richard Dreyfuss) und seiner Familie ein, welche für einen Monat verreist sein soll. Doch gerade als Jonas Wertgegenstände und Autos an den Gauner Ronald (Andrew Howard) verticken will, kehrt die Familie unerwartet zurück...
Das Konglomerat der Story bietet überwiegend Drama, ein wenig Liebesgeschichte und einen Hauch Thriller, was das Drehbuch zu keiner Zeit ausgewogen auf den Punkt bringen kann.
Die vereinfachte Darstellung der Obdachlosen beschränkt sich auf zerrissene Kleidung und Dreck im Gesicht, wobei die rasche Verwandlung in ein edel gekleidetes Pärchen nicht sonderlich glaubhaft ausfällt. Zu lange muss man dem Duo beim plötzlichen Wechsel in die Oberschicht beiwohnen und obgleich es hier Raum für Sozialkritik einerseits und Möglichkeiten für Auflockerungen andererseits gegeben hätte, bleiben beide Möglichkeiten ungenutzt.
Ein paar ruhigere Momente können demgegenüber ein wenig entschädigen, etwa als Kelly Familienvideos sichtet oder später über verpasste Möglichkeiten sinniert. Doch zu lange plätschert die Handlung ereignislos vor sich hin, bis die Familie endlich ins Domizil zurückkehrt und natürlich sogleich die Polizei einschaltet. Als Kelly über Umwege schließlich Michael (Luke Grimes), den Sohn der Silvermans kennen lernt, ist es mit der Glaubwürdigkeit endgültig dahin, denn diese Unwahrscheinlichkeit ist selbst für Hollywood reichlich drüber. Immerhin kommt es final noch zu ein, zwei Konfrontationen, doch Zeitlupe in Nahaufnahme passt als Stilmittel genauso wenig ins Konzept wie zuvor Softsex in Form von Standbildern einzufügen und bei alledem fragt man sich im Nachhinein, ob in irgendeiner Sekunde überhaupt ein Soundtrack zu hören war.
Auf darstellerischer Ebene sind Dreyfuss und Wilde noch ganz gut dabei, Howard neigt allerdings zum Overacting, während die übrigen Mimen eher unauffällig performen, was ein zu ruhig erzähltes Stück Film noch belangloser erscheinen lässt.
Zwar wird die Erzählung nie gänzlich langweilig, jedoch wartet man zu lange auf etwas Drive, eine Überraschung oder gar eine unvorhergesehene Wendung mit doppeltem Boden. Besonders zum Ende hin wirkt vieles zu konstruiert und weichgespült, womit das Thema Unglaubwürdigkeit erneut in den Fokus gerät.
Somit wird Regisseur Weisz es weiterhin schwer haben, in Hollywood Fuß zu fassen, denn sein Drama kommt zu keiner Zeit über Mittelmaß hinaus, da der guten Ausgangslage die zündenden Ideen fehlen, die Figuren nicht spannend genug sind und die unaufgeregte Inszenierung selten markante Momente liefert, zumindest nicht im positiven Sinne.
Es muss nicht immer Home Invasion mit Folter sein, aber etwas mehr Härte hätte dem Werk in jeder Hinsicht gut getan.
4,5 von 10