Essen kann verdammt spannend sein, denn die Komposition der Zutaten mag zuweilen eigenwillig oder gar kontraproduktiv klingen, doch auf der Zunge entfaltet jene Mixtur im besten Fall seine wahre Stärke. Und da sprechen wir nicht von Pilzen, die 1500 Euro pro Kilo kosten oder gar 5000 Euro für ein Kilo speziellen Kaviars, wie im vorliegenden spanischen Streifen erwähnt, dem trotz seines anklingenden Zynismus der Biss fehlt.
Marcos Vela ist Restaurantkritiker und Autor und stets auf der Suche nach einer neuen Geschichte. Über Umwege hört er von geheimen Gourmet-Treffen auf Privatgrundstücken, wo allerlei Köstlichkeiten gegen Bares serviert werden. Als er eine Einladung zu einem Abendessen bekommt, welches angeblich Menschenfleisch bereithält, zögert Marcos, doch seine Neugier ist stärker...
Küchenpsychologie erhält hier eine doppelte Bedeutung, denn die Exposition will uns allen Ernstes glauben machen, dass ein armer Junge, der aus lauter Not seine just verstorbene Mutter anknabberte in der Jetztzeit ein Kannibale ist, der diesen zweifelhaften Genuss mit dekadenten Gleichgesinnten teilt. Gehen wir davon aus, dass der auffällig agierende Koch und Entführer über lange Zeit nicht von der Polizei erwischt wird und natürlich alle Mitglieder des Zirkels dichthalten, so spricht sich die Existenz des Clubs doch relativ offen und rasch herum, was eigentlich die komplette spanische Justiz alarmieren müsste.
Davon abgesehen geht Regisseur Óscar Rojo seinen kulinarischen Horror auffallend gemächlich und gleichermaßen distanziert an, denn die Chose wird zu keiner Zeit aufgeregt präsentiert, noch wollen sich spannende oder gar mitreißende Momente einstellen.
Die jeweiligen Opfer werden ohne Probleme eingefangen und in einen Verschlag gesperrt, die "Zubereitung" wird bis auf einen tiefen Messerstich im Hals und etwas Gekröse auf der Anrichte ausgeklammert und bei alledem bleibt die Hauptfigur merkwürdig unbeteiligt, ja beinahe emotionslos und ohne Leidenschaft, was man von keinem Gourmet der Welt erwarten würde.
So fällt denn auch jegliches Mitfiebern weg und man hofft zumindest auf so etwas wie eine Pointe, was die Angelegenheit final tatsächlich noch ein wenig aufwerten kann.
Leider fehlt dem Ganzen ein latenter Zynismus, denn auch wenn sich in den Feinschmeckerkreisen exorbitante Dimensionen andeuten und der Verzehr von Menschenfleisch nur die logische Konsequenz sein kann, so hätte dem Verlauf die eine oder andere Zuspitzung gut getan oder zumindest eine gewisse Übersteigerung einiger Verhaltensweisen. Denn die Erzählung nimmt sich verdammt ernst und versucht allenfalls auf erotischer Ebene mit einiger nackter Haut in Sachen Fleischeslust zu punkten, was jedoch nie wirklich zum eigentlichen Geschehen passt.
Ansonsten liefert die Kamera gut abgestimmte Blickwinkel, die Darsteller sind treffend besetzt und performen durch die Bank ohne Makel und auch der Score punktet mit einigen eingängigen Themen. Die zähe Umsetzung der brauchbaren Grundidee erweist sich schließlich als auffälligstes Manko, denn aufgrund der behäbig gleichgültig wirkenden Erzählweise dürften selbst Veganer kaum mitgerissen werden. Die Quintessenz in Richtung "weder Fisch noch Fleisch" ersparen wir uns dabei mal...
4,5 von 10