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Honeymoon Roma Style

Ein frisches Ehepaar - sie wirkt noch sehr naiv, nachdenklich und unerfahren, er etwas älter, optimistisch und trügerisch dominant - kommt für Flitterwochen bei seiner Familie in der ewigen Stadt an. Doch Rom spielt wie meist nach seinen eigenen Regeln und lässt vor allem die junge Ehefrau ihr Schicksal überdenken oder gar ändern - vor allem weil sie ihr Idol und Schwarm, Starschauspieler und „weißen Scheich“ kennenlernen darf, der jedoch wiederum eigenen kruden Trieben folgt…

Fellinis fröhliches Frühwerk

Fellinis „Der weiße Scheich“ hat mich äußerst positiv überrascht. Ich hatte ein nettes Frühwerk erwartet, einen solide-spaßigen Erguss von einem der größten Meister, den das Kino (später!) je finden sollte. Doch diese Flitterwochen mit Schwierigkeiten und Umwegen sind mehr als nur ein kurzes Kunststück eines Master in the Making. Selbst wenn hier noch nicht allzu viele Fellini-Facetten und -Stilarten auszumachen sind - das Ding ist unfassbar unterhaltsam und fast frech, frei, funny wie bei einem Wilder oder Wyler in Topform. Die italienischen Marotten, die satirischen Jabs auf das Filmgeschäft, Rom in vollster Blüte, ein knackiges Drehbuch mit markigen Sprüchen (auch/gerade in der deutschen Übersetzung!). Schicksale am Scheideweg. Familien mit falschen Erwartungen. Ehemänner ohne Ahnung. Männer mit dem Kopf zwischen den Beinen. Filmproduktionsfarce. Arabische Untertöne und Vorurteile. Aber alles in köstlich, leicht und süß. Mit hohem Tempo und viel Charme. Eine Verwechslungskomödie, die Hollywood kaum nach stand und die ihrer Zeit voraus war. Und, schaut man genauer hin, dann doch insgesamt und vor allem psychologisch und thematisch andeutet, was für eine Regiekraft auf Italien und die Filmwelt da gerade zurollte…

Fazit: sehr un-fellini'esk - aber dennoch toll, charmant, frech, lustig. Und eine ungetrübte Ode an Rom. Leidenschaftlich und spontan. Flitterwochen by Fellini - her damit! 

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